Rupert De Weerd

Brüssel ganz in Gelb: Was kostet der Tourstart und was bringt er ein?

Wenn am kommenden Wochenende die Tour de France in Brüssel startet, schaut die ganze Welt auf die belgische Hauptstadt. Doch ist ein solches Mega-Event wirklich positiv für ein Citymarketing? Und wie steht es um die Finanzen? Was kostet das Ganze und was bringt es ein? „Le Grand Départ“, einmal genauer hingeschaut…

Der Tourstart kostet die Stadt Brüssel mindestens 11 Mio. € und die Stadtverwaltung rechnet mit einem wirtschaftlichen Return von bis zu 40 Mio. €. Kritiker gehen davon aus, dass diese Summer schwer überschätzt wird. Doch trotzdem wird in Brüssel viel los sein und viele Besucher aus dem In- und Ausland werden auch Geld hierlassen. Schätzungen zufolge werden bis zu 1 Million Besucher in die Hauptstadt strömen. Rund 3.000 ehrenamtliche Helfer unterstützen das Projekt und am Samstag und am Sonntag werden die öffentlichen Verkehrsmittel kostenlos nutzbar sein.

Der überwiegende Teil der rund 11 Mio. €, die der Tourstart kostet, muss von der Stadt Brüssel aufgebracht werden. Alleine 2 Mio. € kosteten die Arbeiten, um die Straßen, auf denen die erste Etappe am Samstag und das Mannschaftszeitfahren am Sonntag erfolgen, in Stand zu bringen. Brüssel zahlt Tour-Organisator ASO 5 Mio. € für den Start und gab bisher rund 1,5 Mio. € an nationaler und internationaler Werbung und Marketing aus. Mit 1,5 Mio. € bzw. 1,3 Mio. € tragen auch die Region Brüssel-Hauptstadt und der belgische Staat zum Gelingen des Tour de France-Wochenendes in Brüssel bei.

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Doch sind diese 11 Mio. € an derart investierten Steuergeldern wirklich lohnenswert? Aus der Erfahrung anderer nicht-französischer Städte, die einen Tourstart veranstaltet haben, ist ersichtlich, dass für jeden in dieses Event investierten Euro zwei Euro zurückfließen, so Fachleute. Und das Image, dass eine solche Megaveranstaltung zeigt, sei auch nicht zu unterschätzen, heißt es dazu beim Tourismusverband visit.brussels. Ob aber, wie erhofft, tatsächlich bis zu 40 Mio. € oder mehr in die Brüsseler Kassen zurückfließen, sei dahingestellt.

Bürgermeister Philippe Close (PS) ist auf jeden Fall überzeugt, denn die Tour de France am der Großen Markt, auf den Boulevards der Stadt, an den Palästen und am Atomium würden Brüssel einmal mehr international in den Focus rücken: „Das ist wichtig für die Anziehungskraft der Stadt. Brüssel ist eher als Hauptstadt von Europa bekannt und gilt deshalb oft als langweilig. Doch mit einem solchen Event zeigen wir unsere Stadt von einer anderen Seite. Natürlich wollen wir auch Eddy Merckx ehren, ein weltweitbekannter Belgier, der alle Landesteile anspricht.“ Close sieht die erwarteten Einnahmen durch die Frankreichrundfahrt bzw. den Rücklauf der geflossene Mittel als langfristige Investition.

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Nicolas Maeterlinck

Der flämische Sport-Ökonom Trudo Dejonghe von der Löwener Universität (KU Leuven) ist hingegen eher skeptisch. Er ist der Ansicht, dass man eine Kosten-Nutzenrechnung aufstellen müsse, in der auch die negativen Folgen enthalten sind: „Brüssel erwartet eine Million Besucher, die gemeinsam 40 Mio. € einbringen sollen. Viele werden aber aus Flandern anreisen, wo Radsport viel beliebter ist und die werden nicht hier übernachten. Ob die allerdings für 40 € pro Person Bierchen trinken werden, glaube ich nicht…“ Und Touristen, die einen Citytrip nach Brüssel geplant haben, schrecken laut Dejonghe eher vor den erwarteten Menschenmassen ab.

Sicher ist eines: Die hier investierten Steuergelder können gut und gerne zu einem gewissen Maße tatsächlich nach Brüssel zurückfließen, doch sie fließen nicht in den öffentlichen Sektor zurück sondern in die Kassen der Privatwirtschaft, sprich ins Hotel- und Gaststättengewerbe und alles, das sich darum herum abspielt. Kritiker glauben, dass die investierten 11 Mio. € Steuergeld besser in den Sozialbereich oder in das Bildungswesen geflossen wären. Brüssel, so verlautet hinter vorgehaltener Hand ab und zu, brauche die Tour de France nicht wirklich… 

Nicolas Maeterlinck
Nicolas Maeterlinck

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