Flanderns Landeschefin ad Interim: Wer ist Liesbeth Homans?

Liesbeth Homans (Foto) von den flämischen Nationaldemokraten N-VA hat am Dienstag als erste Frau überhaupt in Flandern ihren Eid als Ministerpräsidentin geleistet. Sie ist damit die Nachfolgerin von Parteikollege Geert Bourgeois, der ins EU-Parlament gewählt worden ist. Homans hat dieses Amt inne, bis eine neue flämische Landesregierung steht.

Liesbeth Homans ist 46 Jahre alt und begann ihre politische Laufbahn erst im Jahr 2009, als sie ins flämische Landesparlament gewählt wurde. Bis dahin war sie zunächst Beraterin im Kabinett von Johan Sauwens von der Volksunie, dem Vorläufer der N-VA. Sauwens war damals flämischer Landesminister für Städte- und Wohnungsbau. Danach arbeitete sie im Kabinett des Volksunie-Ministers für Inneres und öffentlichen Dienst, Paul Van Grembergen. Ab 2004 war die parlamentarische Mitarbeiterin des heutigen N-VA-Vorsitzenden und Bürgermeisters von Antwerpen, Bart De Wever.

Kommunalpolitik in Antwerpen

2012 wurde Liesbeth Homans nach den Kommunalwahlen in Antwerpen Vorsitzende des Öffentlichen Sozialhilfezentrums und Stadtverordnete für Soziales, Wohnen und Diversität. Diese Ämter gab sie zwei Jahre später auf, als sie 2014 nach ihren Wahlerfolg (163.502 persönliche Vorzugsstimmen) ein Ministeramt in der flämischen Landesregierung übernehmen konnte. Homans ist seit dem Ministerin für Inneres, Verwaltung, Wohnen, Städtebau, Einbürgerung, Chancengleicheit, Armutsbekämpfung und Sozialwirtschaft.

Nicht alles gelang

2016 hatte sie versprochen, die Kinderarmut in Flandern zumindest zu halbieren. Später musste sie zugeben, dass ihr dies nicht gelungen ist. Allerdings wurde mit ihr in den sozialen Wohnungsbau in Flandern investiert. In ihre Amtszeit fällt auch die Tatsache, dass den Provinzen Zuständigkeiten entzogen werden, doch die Provinzebene abzuschaffen, wie es die N-VA schon lange fordert, gelingt ihr ebenfalls nicht (nicht zuletzt, weil die Provinzen in den Augen vieler Bürger und Wähler eine wichtige Rolle spielen, z.B. als Identifikationsmerkmal).

Harte Haltung

Für Streit sorgte Homans oft in Sachen Anerkennung von Moscheen und bei der Ernennung der Bürgermeister in den Gemeinden mit französischer Spracherleichterung in Flämisch-Brabant am Brüsseler Rand. In  Drogenbos, Sint-Genesius-Rode, Linkebeek und Wezembeek-Oppem weigert sie sich bis heute, die gewählten französischsprachigen Bürgermeister zu ernennen, denen sie vorwirft, sich nicht an die flämische Sprachengesetzgebung zu halten.

Enge Verbundenheit mit Bart De Wever

Liesbeth Homans ist seit vielen Jahren eine enge Vertraute und die rechte Hand von Bart De Wever. Die beiden flämischen Spitzenpolitiker kennen sich bereits seit ihren Studentenzeiten, als sie in der Katholischen Universität von Löwen in Flämisch-Brabant (KU Leuven) Geschichte studierten. Nach diesem Studium absolvierte Homans an der Universität von Antwerpen (UAntwerpen) noch ein Zusatzstudium in internationaler Politik. 

Verbundenheit: Bart De Wever und Liesbeth Homans