Flämischer Nationalist Wilfried Vandaele (N-VA) ist neuer Parlamentspräsident Flanderns

Das flämische Parlament hat Wilfried Vandaele (N-VA, Foto) am Samstagvormittag zum Parlamentspräsidentn gewählt. Sein Parteifreund Kris Van Dijck  musste am Donnerstag nach nur drei Wochen zurückgetreten, nachdem bekannt geworden war, dass er sich persönlich beim Arbeitsminister für eine ihm bekannte Prostituierte eingesetzt hatte.  Er wird ab sofort durch Vandaele ersetzt, der nach den Kommunalwahlen Ende letzten Jahres auch Bürgermeister in seiner Heimatgemeinde De Haan geworden war. Die Berufung zum Parlamentspräsidenten ist für diesen treuen Parteisoldaten der bisherige Höhepunkt seiner politischen Laufbahn.

Filip Dewinter, von der rechtsextremen Partei Vlaams Belang und seit dem Rücktritt von Parlamentspräsident Kris Van Dijck kommissarischer Parlamentspräsident,  hatte das erweiterte Präsidium am Freitagvormittag einberufen, um "den Rücktritt des Präsidenten" zu besprechen. Das erweiterte Präsidium musste "prüfen, welche weiteren Schritte das Parlament unternehmen musste, um einen neuen Präsidenten zu ernennen".

Das Präsidium nominierte Van Dijcks Parteifreund, den flämischen Nationalisten Wilfried Vandaele zum neuen vorläufigen Präsidenten des Parlaments.

Die Plenarsitzung des flämischen Parlaments musste formell dieser Ernennung eines neuen Vorsitzenden am Samstag noch mehrheitlich zustimmen. Deshalb tagte das Parlament um 11.00 Uhr im Plenum, woraufhin Wilfried Vandaele als neuer (vorläufiger) Präsident vereidigt wurde.

De Winter nur kurz das Gesicht des flämischen Parlaments

Die Einsetzung des neuen Parlamentspräsidenten erfolgte schnellstmöglich. "Alle Parteien, außer dem rechtsextremen Vlaams Belang, wollten, dass Filip Dewinter (Vlaams Belang) so kurz wie möglich das Gesicht des flämischen Parlaments bleibt", so VRT-Journalistin Goedele Devroy. Dewinter war der erste stellvertretende Vorsitzende, der die Aufgaben nach Van Dijcks Rücktritt automatisch und kommissarisch übernehmen musste.

"Filip Dewinter ist kein geeigneter Parlamentspräsident. Jemand, der mit einem Massenmörder wie Assad eine Tasse Kaffee trinkt, als Gesicht ganz Flanderns, das war völlig unmöglich", erklärte Bart Somers, der Fraktionsvorsitzender der liberalen Open VLD. Dewinter hatte in den vergangenen Jahren Syrien und den dortigen Präsidenten Assad besucht, der für den Tod hunderttausender Zivilisten verantwortlich gemacht wird.

Vandaele als Konsensfigur

Der Westflame Wilfried Vandaele (60) ist langjähriges Mitglied des Flämischen Parlaments für die flämischen Nationalisten N-VA und Bürgermeister der Küstengemeinde De Haan. Er ist ein Veteran der Partei und ihrer Vorgängerin, der  Volksunie. In den letzten 30 Jahren war er Stadtrat und Schöffe in De Haan, Provinzialrat in Westflandern, flämischer Abgeordneter und belgischer Senator.

Im flämischen Parlament hat sich Vandaele in den letzten zehn Jahren hauptsächlich mit den Themen Kultur und Medien sowie Natur und Umwelt beschäftigt. Er wird allgemein als Konsensfigur angesehen.