Zone 30 in der gesamten Region Brüssel? "Realistischer Plan, der die Stadt lebenswerter macht"

Die nächste Brüsseler Regionalregierung will eine 30 km/h-Verkehrszone in der gesamten Region Brüssel-Hauptstadt einrichten. Das steht im Koalitionsvertragsentwurf, der im Laufe der nächsten Woche verabschiedet werden soll und aus dem die Brüsseler Zeitung „Le Soir“ in ihrer Wochenendausgabe zitiert. "Und das ist realistisch", sagt Professorin für Mobilität Cathy Macharis.

Laut „Le Soir“ sieht der Entwurf des Brüsseler Koalitionsvertrags vor, dass in anderthalb Jahren in der gesamten Region Brüssel nur noch eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde erlaubt sein soll. In allen Straßen, mit Ausnahme der großen Regionalstraßen und des Kleinen Rings.

„Das ist durchaus realistisch", sagte VUB-Professor Macharis im Morgenmagazin des  VRT-Senders Radio 1. „In Schaerbeek gibt es seit September letzten Jahres eine 30 km/h-Zone. Wir müssen aber feststellen, dass es in dieser Brüsseler Gemeinde in den letzten Monaten immer noch viele Unfälle gegeben hat. Jedes dritte Auto fährt dort immer noch schneller 30 Kilometer pro Stunde, einige sogar bis zu 70 bis 80 km pro Stunde."

All dies in Kombination mit allen bereits existierenden Leih-Verkehrsmitteln: Autos, Fahrrädern und Elektrorollern.

Aber es kann funktionieren, wenn es genügend Kontrollen und eine bessere Infrastruktur gibt, sagt Macharis. „Und das scheint auch im Koalitionsvertrag berücksichtigt worden zu sein", sagt sie. „Darüber hinaus würden auch mehr Investitionen in den öffentlichen Verkehr getätigt und wird die Möglichkeit geprüft, die öffentlichen Verkehrsmittel für Jugendliche unter 25 Jahren und Senioren über 65 Jahren kostenlos zur Verfügung zu stellen.“

„All dies in Kombination mit allen bereits existierenden Leih-Verkehrsmitteln - den Autos, Fahrrädern und Elektrorollern - bedeutet, dass man nicht mehr wirklich ein eigenes Auto in Brüssel haben muss und das wäre definitiv gut für das Klima, denn die Einführung der 30 km/h-Zone hat im Grunde nichts mit dem Klima zu tun. Das dient nur dazu, die Stadt lebenswerter zu machen. Brüssel zeigt, dass die Stadt sich für mehr Raum für Fußgänger und Radfahrer entscheidet und nicht mehr das Auto in den Vordergrund stellt."

Schließlich soll es im Jahr 2030 auch ein absolutes Verbot aller Dieselfahrzeuge geben. Das ist schon bald,  aber laut Professorin Macharis ist dieses Verbot „absolut notwendig", um die Klimaziele zu erreichen. „Es wird viel in Alternativen investiert. Wenn Sie als Bürger Alternativen angeboten bekommen, kann Mobilität für Sie sogar billiger werden. Auf jeden Fall wird uns das Nichtstun viel mehr kosten.“

Koalitionsverhandlungen

In Brüssel verhandeln Sozialisten, Grüne, Open VLD und DéFi über eine neue Regierung. Es wird erwartet, dass in den nächsten Tagen eine Einigung erzielt wird. 

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