Dokument beweist: Es lagern Atomwaffen auf Luftwaffenstützpunkt Kleine Brogel

Jetzt ist es schwarz auf weiß: Auf dem Luftwaffenstützpunkt Kleine Brogel in Limburg befinden sich tatsächlich amerikanische Atomwaffen. Dies geht aus NATO-Dokumenten hervor, die VRT NWS einsehen konnte. Dem Dokument zufolge gibt es etwa 150 amerikanische Atomwaffen auf sechs Stützpunkten in Europa und der Türkei. Das Dokument wurde im April an die Mitglieder des NATO-Parlaments verteilt.

Das Dokument "A New Era for Nuclear Deterrence? Modernisation, Arms Control, and Allied Nuclear Forces" handelt von der Erneuerung amerikanischer Atomwaffen in Europa und wurde für Parlamentarier aus den verschiedenen NATO-Mitgliedstaaten erstellt.  Unter anderem bekam Wouter De Vriendt von den Grünen 'Groen' das Dokument zu Gesicht.

Der nicht klassifizierte Bericht listet alle Stützpunkte in Europa auf, in denen Kernwaffen gelagert werden. Das sind Büchel in Deutschland, Aviano und Ghedi-Torre in Italien, Inçerlik in der Türkei, Volkel in den Niederlanden und Kleine Brogel in Belgien. "Insgesamt befinden sich etwa 150 amerikanische Atomwaffen auf diesen Stützpunkten."

Inzwischen ist jedoch eine neue Version des Berichts veröffentlicht worden, in dem die fragliche Passage wieder gestrichen worden ist. Die ursprüngliche Fassung war zudem ausdrücklich als „Entwurf“ gekennzeichnet.  

Dem Bericht zufolge sei der Kauf von 34 neuen F-35A-Kampfflugzeugen Teil der Erneuerung der NATO-Nuklearwaffenstrategie. Belgien verfügt heute über F-16-Maschinen, die für den Transport amerikanischer Atomwaffen ausgerüstet sind. Die 34 neuen Kampfflugzeuge vom Typ F-35A werden dies in Zukunft ebenfalls tun können. Der Bericht stellt fest, dass sich zudem die Niederlande und Italien - dort lagern auch amerikanische Atomwaffen - für die F-35 entschieden haben.

Von allen Kandidaten für die Nachfolge der F-16 kann nur die F-35 amerikanische Atomwaffen tragen. Die belgische Regierung nannte die mögliche Einsetzbarkeit amerikanischer Atomwaffen "ein Plus" bei der endgültigen Wahl der F-35. Die Kapazität wurde allerdings bei der technischen Bewertung und der endgültigen Entscheidung nicht sehr stark berücksichtigt.

Großes Schweigen in Belgien

In Belgien lagern seit Jahrzehnten Atomwaffen, aber die Debatte darüber findet nicht statt. Die Tatsache, dass es auf dem Flugplatz Kleine Brogel Atomwaffen gibt, ist seit einigen Jahren ein offenes Geheimnis. VRT NWS hatte zuvor bereits berichtet, dass dort Atomwaffen sind. Unser Sender stützte sich bei diesen Berichten auf interne Dokumente des Verteidigungsministeriums.

"Kein Kommentar. Ich kann weder Atomwaffen in Belgien leugnen noch bestätigen", heißt es im Verteidigungskabinett. Diese Antwort gibt das Kabinett des Verteidigungsministeriums übrigens schon seit Jahren. Nach seinem Rückzug aus der nationalen Politik hatte sich der ehemalige Ministerpräsident Jean-Luc Dehaene gegen das Vorhandensein von Atomwaffen in Belgien ausgesprochen.

Doch im Gegensatz zu anderen Ländern findet in Belgien keine Diskussion über das Vorhandensein von Atomwaffen statt. Dies ist bemerkenswert, da die Positionen auch politisch weit auseinander liegen.

Wie erpressbar ist Belgien?

Mehrere Minister bestätigten bereits, dass die amerikanischen Atomwaffen in Belgien dieses Land dazu bringen, sich innerhalb der NATO zu übernehmen. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass Belgien zu wenig für seine Verteidigungspflichten bei der Nato ausgibt.

So bestätigen Diplomaten, dass die Anwesenheit amerikanischer Atomwaffen die Belgier wenig oder gar nichts kostet. Sie werden in sicheren Silos auf dem Flugplatz Kleine Brogel gelagert, und es sind amerikanische Soldaten, die sich um eine zusätzliche Überwachung auf dem Flughafen kümmern. "Wenn unser Land dies nicht tut, müssten wir es netto in Form von mehr Ausgaben für die Verteidigung bezahlen", so ein ehemaliger Verteidigungsminister gegenüber der VRT.