NMBS und Infrabel im Dauerstreit bei Planung von Bahnarbeiten

Zwischen der belgischen Bahn NMBS und Infrabel, dem Betreiber der Eisenbahninfrastruktur, herrschen derzeit große Spannungen. Ersterer will mehr Züge auf bestimmten Strecken einsetzen. Davon werde die Bahn aber abgehalten, weil Letzterer geplante Infrastrukturarbeiten nicht koordiniere. Darüber berichten an diesem Dienstag die Zeitungen von Mediahuis.

Die NMBS möchte nicht nur zusätzliche Züge auf bestimmten Strecken, insbesondere auf der stark frequentierten Achse zwischen Brüssel und Gent, einsetzen, sondern auch neue Strecken einrichten. Doch "wir wissen oft erst viel zu spät, welche Arbeiten geplant sind", so der Sprecher Dimitri Temmerman. "Infrabel spricht sich nicht genug ab, wir werden zu oft vor vollendete Tatsachen gestellt."

Das Infrastrukturunternehmen weist die Kritik zurück. Es fänden ausreichend Dialoge statt, heißt es bei Infrabel. "Meistens weiß die NMBS sechs Monate bis ein Jahr im Voraus, wo wir arbeiten werden. Außer, wenn wir dringend und unerwartet eingreifen müssen."

 Infrabel erinnert daran, dass es regelmäßig mit seinen Kunden über die Organisation der Arbeiten kommuniziere. „So fand im vergangenen Juni das letzte halbjährliche Treffen mit allen Bahnbetreibern zur Arbeitsplanung für 2019, 2020 und 2021 statt“, betonte Infrabel am Dienstag. "Infrabel arbeitet seit mehreren Wochen an der Einrichtung eines neuen Koordinierungsmechanismus - gemäß dem Eisenbahnkodex - zwischen dem Manager, den Betreibern, dem Verkehrsministerium und der Regulierungsbehörde“, heißt es weiter.

Obwohl die Arbeit des Infrastrukturbetreibers für die Sicherheit und den täglichen und langfristigen Betrieb des Netzes unerlässlich sei, sei sich Infrabel der Nachteile bewusst, die die Arbeiten des Unternehmens für die NMBS und andere Kunden bedeuteten. Trotzdem wolle man nicht, dass Unfälle passierten, „nur weil wir dringende Unterhaltsarbeiten verschieben“, so Infrabel noch. „Ich verstehe nicht, wo das Problem ist.“

An diesem Dienstag reagierten die Schienengüterverkehrsunternehmen "schockiert" auf die Äußerungen von Infrabel in den Zeitungen. Sie unterstrichen, sie könnten das "nicht tolerieren". Seit über einem Jahr finde eine Diskussion über die Arbeitsplanung statt, aber es seien keine Lösungen gefunden worden, so das belgische Schienengüterverkehrsforum. Laut Lineas (ehemals B Logistics) und neun weiteren Speditionen kämpften diese ständig mit extrem späten Änderungen und Stornierungen von Zügen aufgrund der schlechten Koordination der Arbeiten von Infrabel. "Diese mangelnde Koordination führt auch zur Schließung der Hauptachsen, ohne dass alternative Strecken angeboten werden.“

Gemeinsam mit Thalys, Eurostar und einer Reihe von Schienengüterverkehrsunternehmen hatte die belgische Bahn NMBS bereits am Freitag ein Schreiben an Infrabel versandt, in dem die Bahn Infrabel aufforderte, den gesetzlich vorgesehenen Koordinierungsmechanismus anzuwenden.