Regierung für Brüssel mit alten und neuen Köpfen

Die Regierung der Region Brüssel-Hauptstadt nimmt Form an, nachdem die Ressorts unter den Koalitionspartnern verteilt worden sind. Rudi Vervoort von den französischsprachigen Sozialsten (PS) bleibt Ministerpräsident. Die anderen Ministerien gehen an die Grünen von Ecolo und Groen, an die flämischen Liberalen (Open VLD), an die Sozialisten auf französischer (PS) und flämischer Seite (one.brussels) sowie an die frankophone DéFI.

Diskret, bürgernah, treu: Mit diesen Attributen kann man den alten und neuen Chef der Brüsseler Landesregierung am besten umschreiben. Der 60-jährige Vervoort, seit 1998 Bürgermeister von Evere im Nordosten von Brüssel, ist zweisprachig, Sohn eines Flamen aus Gelrode bei Aarschot und einer französischsprachigen Brüsselerin.

Als Ministerpräsident wird Vervoort auch für Wohnungsbau und Stadterneuerung, Raumordnung, Sicherheit und Prävention, Tourismus, Ausstrahlung und zweisprachige Kulturangelegenheiten zuständig sein. 

Elke Van den Brandt gab der grün-violetten Koalition Gestalt

Die im Antwerpener Brennpunktviertel Borgerhout geborene Grüne hat Kommunikationswissenschaften in Brüssel studiert. In der vorigen Legislatur war die 38-Jährige für Groen in den flämischen Landtag gewählt worden. In ihrer Brüsseler Gemeinde Ganshoren ist sie Mitglied des Gemeinderats. Bei den letzten Landtagswahlen war Van den Brandt Spitzenkandidatin für Groen. Es gelang ihr,  Groen zur größten Partei auf flämischer Seite im zweisprachigen Brüssel zu machen.

Van den Brandt wird Ministerin für Mobilität, öffentliche Arbeiten und Verkehrssicherheit. Sie ist ebenfalls zuständig für soziale Integration und Gesundheit. Darüber hinaus wird sie Vorsitzende der flämischen Gemeinschaftskommission, welche für die personenbezogenen Angelegenheiten der Flamen in Brüssel zuständig ist.

Pascal Smet ist wieder dabei

Der aus dem ostflämischen Haasdonk stammende Pascal Smet hat seine politische Karriere bei den flämischen Sozialisten gemacht und war in der vorigen Legislaturperiode Minister für Mobilität und öffentliche Arbeiten. Der 51-Jährige wird sich in der neuen Regierung mit Städtebau, europäischen und internationalen Angelegenheiten, Außenhandel, Brandbekämpfung und dringende medizinische Hilfe befassen. In der flämischen Gemeinschaftskommission gehören Sport, Jugend und Kultur zu seinem Ressort.

Sven Gatz, Politiker und Bierexperte

In Brüssel geboren und aufgewachsen, ein waschechtes „ketje“ also. Der Flame begann seine Karriere bei den Volksunie-Nationalisten und landete schließlich bei der Open VLD. Nach seiner Tätigkeit als Abgeordneter und Fraktionschef im flämischen Landtag zog er sich aus der nationalen Politik zurück. Der 51-Jährige widmete sich seiner zweiten Leidenschaft und wurde Vorsitzender des belgischen Brauerverbandes.

Nach den Wahlen von 2014 kam Gatz zurück und wurde Minister in der flämischen Regierung. In der neuen Brüsseler Regierung wird er Minister für Finanzen, Haushalt, öffentliche Ämter und Förderung der Mehrsprachigkeit.

Bernard Clerfayt ist seit 18 Jahren Bürgermeister von Schaarbeek

Clerfayt, der in der südlichen Brüsseler Gemeinde Ukkel geboren und aufgewachsen ist, kennt sich mit der Politik aus. Nach einer Laufbahn als Wissenschaftler und einem weiteren Wirtschaftsstudium fand der Sohn des Brüsseler Politikers Georges Clerfayt (FDF) selbst Gefallen an der Politik. Bei den letzten Wahlen holte Clerfayt fast 8000 Vorzugsstimmen.

Auf nationaler Ebene war der 57-Jährige bereits mehrmals Staatssekretär, u. a. für Finanzen, Umweltabgaben und Bekämpfung von Steuerhinterziehung in den Regierungen von Yves Leterme (CD&V) und in der ersten Regierung von Herman Van Rompuy (CD&V).

In der neuen Brüsseler Regierung wird Clerfayt Minister für Beschäftigung, Berufsausbildung, lokale Ämter, Digitalisierung, Tierschutz und Kinderzulagen.

Alain Maron brachte den Spesenskandal bei Samusocial ans Licht

Vor zehn Jahren wurde der Grünen-Politiker aus der Brüsseler Gemeinde Sint Gillis erstmals ins Brüsseler Parlament gewählt. Vor zwei Jahren war der 47-Jährige der erste, der Fragen über Spesengelder im Parlament stellte, die von  Spenden für eine Obdachlosenorganisation abgezweigt wurden. Daraufhin mussten der Brüsseler Bürgermeister Yvan Mayeur und die Vorsitzende des Öffentlichen Sozialhilfezentrums Pascale Peraïta ihren Hut nehmen.

Der Ecolo-Politiker wird Minister für Umwelt und Klima, für soziale Integration und Gesundheit sowie Energie, Wasser, den Hafen von Brüssel und Müllabfuhr.

Staatssekretärinnen

Die neue grün-violette Regierungskoalition zählt auch eine Staatssekretärin für Chancengleichheit: Es ist die 32-jährige PS-Politikerin Nawal Ben Hamou, die zu den aufsteigenden Talenten der Parti socialiste zählt.  

Auch die französischsprachigen Grünen erhalten ein Staatssekretariat, das von Barbara Trachte in den Bereichen Wirtschaftswandel und Forschung geleitet wird.

Der Parlamentsvorsitz in der Brüsseler Region geht an Rachid Madrane (PS). 

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