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Ansprache zum 21. Juli: Der König setzt auf ehrlichen Dialog

„Im offenen und wahren Dialog steckt ein enormes Potenzial. Schöpfen wir es aus“, ist eine der Kernaussagen der Ansprache von König Philippe am Vortag des belgischen Nationalfeiertages. Wie es die Tradition will, hat sich der König der Belgier mit seiner Rede einen Tag vor dem 21. Juli an das Volk gewandt. Darin ruft der König zu einem verantwortungsvollen Dialog auf und er appelliert an das Zusammengehörigkeitsgefühl der Belgier, das es gelte, zu stärken. Die Belgier sollten stolz darauf sein, denn das sei es doch, was dieses Land einzigartig mache.

Die Wahlen liegen hinter uns. Eine neue belgische Regierung muss noch gebildet werden. Doch diese Aufgabe gestaltet sich für die Politiker besonders schwierig, denn wie der König gleich zu Beginn seiner Rede betont: „Sie haben unterschiedlich gewählt, aber letztlich geht es Ihnen allen um dieselben wichtigen Themen: Beschäftigung, Klima, Armut, Migration. Themen, die übrigens auch die Menschen in vielen anderen Ländern der Welt beschäftigen.“

„Ich verstehe die Zwänge, denen unsere Politiker Rechnung tragen müssen“, so der König weiter.  Diese Herausforderungen erforderten jedoch eine schnelle Reaktion und damit eine Zusammenarbeit auf allen Ebenen, da sie in der Regel über den Rahmen der ihnen übertragenen Befugnisse hinausgehen.

Belgien berge reichlich Talent und Energie, und viele Projekte kämen vor allem im Dialog und durch die Bündelung der Kräfte zustande. So seien viele Belgier besonders engagiert. Dieses Land verfügt beispielsweise über zahlreiche Freiwilligenorganisationen, die auf motivierte Bürger zählen können. So brechen Solidaritätsaktionen immer wieder Rekorde, darunter‚‘warmste week‘, CAP 48 oder ‘Kom op tegen Kanker‘ (eine Kampagne zur Krebsbekämpfung).....

Wir brauchen starke Projekte, die uns mobilisieren und unser Engagement mittragen, ist König Philippe überzeugt. Um zu solchen verbindenden Projekten zu gelangen, müsse der Dialog offenen und aufrichtig sein: „Einen offenen Dialog führen, bedeutet, bereit zu sein, den anderen zu verstehen mit seinen Überzeugungen und Entscheidungen, auch wenn man sie nicht teilt.  Den anderen spüren zu lassen, dass man ihn braucht, um zu einer Lösung zu kommen, ohne Vorbehalt.“

Der König unterstreicht damit noch einmal, dass wir darauf achten müssen, nicht in einfaches oder oberflächliches Schwarz-Weiß-Denken zu verfallen. Und das Phänomen der ‘fake news‘ spricht er ebenfalls erneut an: "Im offenen Dialog ist auch kein Platz für Lügen und verletzende Worte.“ Die wären verheerend, wenn wir Lösungen finden wollen. Sie täuschen und verletzen die Bürger.

Gemeinsam an Lösungen arbeiten

Um die Bedenken der Bürger zu verstehen und Lösungen zu finden, ist es notwendig, zusammenzuarbeiten. Und das auf allen Ebenen, z.B. beim Klima, bei der Beschäftigung, der Mobilität und Energie, aber auch im Bildungs- und Ausbildungswesen. Das sind Themen, die einen grundlegenden Einfluss auf unsere Gesellschaft, auf unsere Bürger haben.

Sie erfordern Aufmerksamkeit wegen ihrer Komplexität und Nuancen in der Debatte. Andernfalls wird es nicht funktionieren, geht aus der Rede des Königs auch noch hervor.

Er nennt mehrere Beispiele der positiven Zusammenarbeit in Belgien: „in unseren Unternehmen, wo neue Formen der Zusammenarbeit entstehen. Bei unseren Wissenschaftlern, die in vielen Bereichen der Spitzenforschung eng miteinander kooperieren. Bei unseren Regisseuren und den vielen Künstlern, die die Seele unseres Landes hinaus in die Welt tragen.“ Gemeint sind hier u.a. die jungen belgischen Regisseure Adil El Arbi und Bilal Fallah, die in Hollywood drehen: „Von Hollywood bis zum preisgekrönten belgischen Pavillon auf der Biennale von Venedig, der das Ergebnis einer schönen Zusammenarbeit zwischen allen Gemeinschaften unseres Landes ist.“

Belgien und Europa

Natürlich geht der König auch auf Belgiens Rolle in der Europäischen Union ein. Immerhin ist es dem kleinen Belgien mit Charles Michel als neuem EU-Ratspräsidenten wieder einmal gelungen, einen Spitzenposten in Europa zu ergattern. „Unsere Gabe zum Dialog und unser Talent, Menschen zusammenzubringen, stellen wir auch mit Erfolg in den Dienst des europäischen Projekts“, so der König.

„Unsere Verschiedenheit und Komplementarität sind unsere Stärke. So sind wir international bekannt. (…) Vielleicht sind wir uns dessen nicht genügend bewusst.  Dabei ist es genau das, was uns auszeichnet.  Und darauf dürfen wir auch zurecht stolz sein.“

Und weiter kommt der König zum dem Schluss, dass all dies nur zu einem positiven und produktiven Ehrgeiz führen könne. Und Ambition sei ein Gegengewicht zu Angst und Resignation. „Unsere Demokratie kann dadurch nur gewinnen.“

Fazit: Wir müssen weiterhin auf einen offenen und verantwortungsvollen Dialog setzen, eine effiziente Zusammenarbeit und den Stolz auf unsere Eigenheit.

König lässt älteste Tochter, Kronprinzessin Elisabeth, bei TV-Aufnahme teilhaben

Für die TV-Aufnahme der Ansprache hat der König auch seine älteste Tochter, Prinzessin Elisabeth, eingeladen, ihn in sein Büro zu begleiten. Sie durfte sich mit dem VRT-Team und dem Aufbau der Kameras sowie dem Ablauf eines solchen Interviews „bekannt machen“.

So stellte der König das Team seiner Tochter vor und zeigte ihr das Setting in seinem Büro. Zum ersten Mal übte der König auch in ihrer Anwesenheit mit dem Tele-Prompter auf Niederländisch und Französisch. Die Kronprinzessin erfuhr einiges über Kameraeinstellungen und durfte selbst hinter der Kamera stehen. Ihr wurde zudem erklärt, wie der Prompter funktioniert.

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