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Tomorrrowland: Dreißig Menschen seit Freitag in Krankenhäuser eingeliefert

Seit der Öffnung der Pforten des Dancefestivals Tomorrowland im flämischen Boom am vergangenen Freitag sind bereits an die 30 Personen in die drei umliegenden Krankenhäuser eingeliefert worden. Mit Ausnahme des Todes eines jungen Mannes ging es bei den Patienten vor allem um kleinere Krankheiten oder Verletzungen, so das Flämische Rote Kreuz am Samstag. Inwieweit sind jedoch auch Drogen im Spiel? Und was tut Tomorrowland gegen den Drogenschmuggel auf seinem Gelände?

"In 80% der Fälle handelt es sich um Einlieferungen für Röntgenaufnahmen nach kleineren Traumata wie Sprunggelenkverstauchungen usw.", erklärt das Flämische Rote Kreuz auch noch.

Am Samstagmorgen hatten die Erste-Hilfe-Mitarbeiter 1.915 Einsätze auf dem Gelände und auf dem Campingplatz. "Kleine Verletzungen machen 65 bis 70% der Einsätze aus. In geringerem Maße haben wir auch Übelkeit oder Bauchschmerzen aufgrund schlechter Ernährung und, in noch geringerem Maße, Vergiftungen festgestellt."

Am Freitag hatten die Retter einen 27-jährigen Festivalbesucher wiederbeleben müssen, dem in der Nähe der Hauptbühne unwohl geworden war. Er starb schließlich im Krankenhaus. Die genauen Ursachen seines Todes sind noch nicht bekannt.

Wie leicht können Drogen auf das Festivalgelände geschmuggelt werden?

Im vergangenen Jahr waren zwei Besucherinnen des Tomorrowland Dance Festivals in Boom an den Folgen von Drogen gestorben. Stellt sich die Frage, wie einfach oder schwierig ist es, Dorgen auf das Festival zu schmuggeln?

Tomorrowland selbst lässt keine Zweifel aufkommen: Drogen sind auf dem Fesival verboten! Wer Drogen besitzt, konsumiert oder verkauft, macht sich strafbar. Wer damit erwischt wird, fliegt vom Gelände und die Polizei wird alarmiert.

Doch wie werden die über 400.000 Besucher des Festivals tatsächlich sensibilisiert und überwacht?

"Lieber Freund, Drogen nehmen ist gefährlich. Pass auf dich und die anderen auf."  Diese freundliche Botschaft steht auf einem Banner, das hinter mehreren Fässern hängt, verteilt am Eingang zum Festplatz. Das sind spezielle Drogenfässer. Ziel der Fässer ist, dass die Drogen dort hineingeworfen werden, solange dies noch geht. Die Fässer seien nur ein Kommunikationsmittel, heißt es von Seiten der Veranstalter. Es wäre wohl naiv zu denken, dass große Mengen Drogen in die Fässer geworfen werden. In der Tat zeigen Stichproben, dass dort nicht viele Drogen landen.

Sobald die Drogenfässer passiert sind, wird die Botschaft jedoch direkter und weniger freundlich. An den Metalldetektoren am Eingang werden die Besucher auf gefährliche Gegenstände wie Waffen und auf Drogen durchsucht. Bei der Suche wartet ein Drogenhund darauf, die Festivalbesucher zu beschnuppern. Setzt sich der Hund hin, hat das Tier Spuren von Drogen gerochen.

"Ich denke, dass wir hier etwa zehn Prozent der Festivalbesucher mit Hilfe des Drogenhundes ausfindig machen", sagt ein Bundespolizist, der mit einem Hund die Menschen kontrolliert. "Ich schätze, dass etwa die Hälfte von ihnen im Besitz von Drogen ist. Doch das ist nicht nur bei Tomorrowland so. Bei anderen Festivals ist das ähnlich." Ein Besucher, der erwischt wurde, wird sofort zur "Waschstraße" umgeleitet. "Das ist ein gesonderter Ort neben dem Eingang, an dem die Polizei diskret Besucher durchsucht", betont Sarah Frederickx von der Bundespolizei.

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Mobiles Analyselabor

Wenn tatsächlich Drogen bei einem Festivalbesucher gefunden werden, können ihre Bestandteile sofort in einem mobilen Analyselabor des Zivilschutzes überprüft werden. Davon gibt es nur eines in Belgien und Tomorrowland ist das einzige Festival, bei dem es bisher in einer Testphase eingesetzt wurde. Damit sollen Gefahrenstoffe in Pillen oder Pulvern schnell identifiziert werden.

„Es gibt Pillen, die die doppelte bis manchmal die vierfache Wirkstoffkonzentration enthalten als andere Pillen", so Jan Beeldens vom Katastrophenschutz. Das Ergebnis im Körper sei natürlich ein anderes. Wenn jemand also mit einer Überdosis zur Erste-Hilfe-Station geht, ist es wichtig, so schnell wie möglich zu wissen, was die Person genommen hat.

Doch ist das Festival durch all diese Maßnahmen wirklich drogenfrei? "Drogen sind ein soziales Problem und es wäre eine Utopie zu glauben, eine "Stadt" mit 400.000 Einwohnern zu 100 Prozent drogenfrei zu bekommen, egal wie hart man gemeinsam mit der Polizei gegen die Drogen vorgeht", betont Debby Wilmsen von Tomorrowland. "Als Unternehmen können wir nur Informationen zur Verfügung stellen. Die Maßnahmen können allein von der Polizei und den Gerichten durchgeführt werden."