Nicolas Maeterlinck

Tourismushochburg Brügge vermisst die Übernachtungsgäste

Am Tage tummeln sich in Brügge massenhaft Tagestouristen aus aller Welt, doch nach 18 Uhr scheint man hier die Bürgersteige hochklappen zu können. Kaum noch Menschen auf der Straße, leere Terrassen, arbeitslose Fiaker und Hotelbetreiber, die händeringend nach Gästen suchen. Was ist los mit „Brügge, der Schönen“ in diesen sommerlichen Tagen?

Die herrliche Mittelalterstadt Brügge ist weltbekannt und wird von Tagestouristen an schönen Tagen regelrecht überrannt. Von Zeebrügge her strömen die Kreuzfahrttouristen in die Stadt, am Hauptbahnhof steigen morgens zahllose Menschen aus, die sich in die malerische Stadt begeben und eigentlich scheint alles in bester Ordnung zu sein. Doch abends, nach 18 Uhr, kehrt eine unübliche und nie erlebte Ruhe ein. In den Straßen sind kaum noch Auswärtige auszumachen, auf den Terrassen und in den Gastronomiebetrieben sind die meisten Plätze frei und vor allem der Übernachtungs- und Hotelsektor beginnt sich akute Sorgen zu machen.

Nur wenige Betten belegt

„Was ist los mit Brügge?“, fragt nicht zuletzt die flämische Tageszeitung De Morgen. Aus dem Hotelbereich verlautet, dass die Betten im laufenden Monat Juli gerademal zu 25 % belegt sind, während dieser Wert noch im vergangenen Jahr bei rund 80 % lag. Sogar an den Wochenenden sind die Belegungszahlen von üblichen 90 % Belegung auf rund 70 % nach unten gesackt, stellt der Verband der Brügger Hotels fest. 

Ursachenforschung

Nach Ansicht des Hotel- und Gaststättenverbandes „Horeca Brugge“ war diese Situation abzusehen, denn in der Stadt sei während des Sommers nicht viel zu erleben. Kaum attraktive Events und Ausstellungen würden dabei helfen, Gäste für die Dauer von mehreren Tagen in der Woche zu locken, sagte Verbandssprecherin Sandra Timmermann gegenüber De Morgen dazu. Auch die Angebote der Geschäfte würden nicht wirklich dabei helfen, Touristen anzuziehen.

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Foto: Andreas Kockartz

Zu teuer?

Probleme könnten u.a. sein, dass es in Brügge immer mehr Souvenir- und Kitschläden gibt und dies zu Lasten von „normalen“ Shops. Auch die Tatsache, dass die Preise, die die örtliche Gastronomie vor allem im historischen Stadtzentrum aufruft, nicht unbedingt günstig sind, wie De Morgen letzte Woche stichprobenartig feststellen konnte. Dem will die Stadtverwaltung und der Fremdenverkehrsverband schon länger entgegentreten, doch dies ist offenbar leichter gesagt, als getan.

Mehrwert

Im Allgemeinen gehen die kommunalen Behörden und die Gastronomieverbände davon aus, dass sie sich in einem kleinen Umsatztal befinden, der schon vorüber gehen werde. Man werde in den kommenden Jahren in die Gäste investieren, die auch in Brügge „einen gewissen Mehrwert“ suchen. So soll ein neues Kongresszentrum und ein neues Museumsgebäude gebaut werden und für 2021 kündigt sich eine neue Kunst-Triennale in Brügge an. Ob das Ausbleiben von Übernachtungsgästen in Brügge nur ein zeitlich begrenztes Phänomen ist, wird sich in den kommenden Wochen und Monaten zeigen, spätestens aber im nächsten Jahr.