Flip Franssen

Test gegen seltene Erbkrankheiten

Ab Oktober bieten die acht medizinischen Gentechnikzentren in Belgien einen Test für Paare mit Kinderwunsch an. Mit diesem über 1.000 Euro teuren Test könnten 1.200 seltene Krankheiten bei  Nachkommen vermieden werden.

Mukoviszidose, spinale Muskelatrophie, Muskeldystrophie des Typs Duchenne, Fragiles-X-Syndrom (FXS)..... Dies sind nur vier der etwa 1.200 genetischen Störungen, die mit dem Test ausfindig gemacht werden können.

Ab Oktober können Belgier mit Kinderwunsch die Zentren, die diese Tests durchführen, nutzen. So können sie herausfinden, ob sie Träger einer genetische Erkrankung sind, die zu einer seltenen, aber schweren Krankheit bei ihren Nachkommen führen kann.

"Dank des Tests haben zukünftige Eltern die Möglichkeit, das Risiko einer schweren Krankheit bei ihrem Kind so genau wie möglich einzuschätzen. Sie können das Leiden lindern", so Elfride De Baere, Leiterin des Zentrums für medizinische Genetik am UZ Gent, in der Zeitung De Morgen.

Die Tests können nicht nur von Paaren, die einen Kinderwunsch haben, wahrgenommen werden, sondern auch von Belgierinnen, die nicht natürlich schwanger werden und einen Ei- oder Samenzellenspender benötigen. Die Paare müssen sich in einem der acht Genzentren in Belgien anmelden. Anschließend wird Blut entnommen und analysiert. "Ein paar Monate später wird ein Genetiker die Ergebnisse mit ihnen besprechen", sagt Professor De Baere. "Wenn das Paar Träger einer genetischen Erkrankung ist, werden die Möglichkeiten in der Beratung besprochen.“

Der Test ist zunächst Teil eines Pilotprojekts, mit dem in kleinem Umfang begonnen wird. Der Test wird mehr als 1.000 Euro kosten. De Baere gibt zu, dass das teuer ist. "Es wird Leute geben, die sich das nicht leisten können. Doch leider ist eine Rückerstattung noch nicht möglich."

Die Zentren gehen davon aus, dass sich nur eine begrenzte Gruppe anmelden wird. "Gerade in der ersten Zeit erwarten wir keine große Resonanz. Längerfristig gehen wir davon aus, dass etwa 10 Prozent der Paare mit Kinderwunsch einen Antrag stellen will", betont De Baere weiter. Das sind laut De Baere etwa 12.000 Paare im Jahr. "Dann könnten wir jedes Jahr fünf schwere Krankheiten in dieser Gruppe vermeiden."

Das sei zwar nur eine begrenzte Zahl, gibt die Professorin zu, doch könne die Wirkung groß sein. "Ein Kind mit einer schweren Krankheit ist eine Quelle großen Leidens und kostet die Gesellschaft Millionen Euro an Pflege, Aufnahme und Forschung“, zitiert De Morgen die Professorin.

Die Zentren wollen nicht sagen, wie viele Menschen an dem Pilotprojekt teilnehmen können und auch die Dauer des Projekts ist noch nicht festgelegt. De Baere betont jedoch, dass die Tests in naher Zukunft nicht in großem Umfang eingeführt würden. "Um das zu tun, müssen wir zuerst eine Bewertung vornehmen." Sie stellt auch fest, dass der Test kein gesundes Kind garantiere.

Damit das Projekt in großem Umfang durchgeführt werden kann, muss sowieso zunächst eine gesellschaftliche Debatte über dieses Thema geführt werden. Auch Genetiker plädieren hierfür, schreibt die De Morgen.