Der heißeste Tag und die Folgen für den Schienenverkehr

Mit Temperaturen von örtlich knapp über 40°C war der Donnerstag der heißeste Tag, seit dem in Belgien die Wetterdaten aufgezeichnet werden (seit 1833). Doch diese anhaltende extreme Hitze sorgte vor allem im Schienenverkehr, sprich bei Zügen und Straßenbahnen für enorme Probleme. Zahllose Züge fielen aus und viele Trams blieben stehen. Die Küstentram an der Nordseeküste musste aufgrund von zahlreichen technischen Störungen den Betrieb komplett einstellen.

Höhepunkte des Chaos auf den belgischen Schienennetzen waren der Komplettausfall der Küstentram, die die Badeorte an der Nordseeküste miteinander verbindet. Liegen gebliebene Straßenbahnzüge behinderten den Verkehr und an mehreren Stellen war die Oberleitung der Tram aus Hitzegründen ausgefallen. Die flämische Nahverkehrsgesellschaft De Lijn, die die Küstentram betreibt, sah sich gezwungen, den Betrieb einzustellen. Das hatte böse Folgen für tausende Tagestouristen, die sich an Strandorten befanden, die keinen Bahnanschluss, sprich keinen Bahnhof haben. Sie waren mit der Küstentram dorthin gekommen und mussten sich Alternativen suchen, die De Lijn allerdings mit Sonderbussen schaffte. Am Freitag fährt die Küstentram aber schon wieder. 

Doch auch die belgische Bahngesellschaft NMBS/SNCB hatte ihre liebe Not mit der Hitze. Auch hier vielen zahlreiche Züge aus. Manche von ihnen blieben durch Maschinen- oder Oberleitungsschaden einfach in der gleißenden Sonne stehen. Vereinzelt mussten die Reisenden in übervollen Zügen lange ausharren, bis ihnen geholfen wurde. Das war u.a. der Fall in einem Thalys-Zug auf dem Weg von Brüssel nach Amsterdam, der in der Gegend von Mechelen (Prov. Antwerpen) die Oberleitung abgerissen hatte und stehen blieb (Foto oben).

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Hunderte Reisende stranden in Gent

In Gent kam es dann im späten Donnerstagnachmittag zu dem Umstand, dass mehrere vollbesetzte Züge im Hauptbahnhof Sint-Pieters stehen bleiben mussten, weil die Gleise durch andere ausgefallene Züge blockiert waren. Davon waren rund 1.000 Reisende und Ausflügler betroffen. Neun Personen fielen wegen der enormen Hitze in den Zügen oder auf den Bahnsteigen in Ohnmacht oder brache zusammen und wurden in Krankenhäuser eingeliefert. Einige davon blieben auch am Freitag noch dort unter medizinischer Beobachtung. 

Erst am späten Abend lösten sich die Probleme und mit zusätzlichen Zügen wurden die Menschen zu ihren Zielen gebracht. Ab den Mittagsstunden am Donnerstag war das gesamte belgische Bahnnetz von teilweise extremen Verspätungen geplagt und nicht zuletzt auch von vielen Zugausfällen. 

Wie die Bahnen auf die Hitze eingehen

Die Thalys-Gesellschaft hat unterdessen beschlossen, den Fahrkartenverkauf für den Rest der Dauer der Hitzewelle auszusetzen, weil sie eine garantiert problemlose Reise unter diesen Wetterumständen und nach den Ausfällen der letzten Tage nicht garantieren will und kann. Zwar würden die Thalys-Züge am Freitag fahren, doch ein Verschieben der Reisen wird trotzdem empfohlen.

Wenn Technik, die auf Eisen und Stahl aufgebaut ist, so großer und anhaltender Hitze ausgesetzt ist, dann ist es kein Wunder, dass sie bei ständigen Temperaturen von über 35°C ohne wirkliche Abkühlung in der Nacht auch mal aufgibt. Damit muss auch die belgische Bahn in Zeiten des Klimawandels in Zukunft weiter mit rechnen.

Genau dies bewegte die NMBS/SNCB dazu, in den Kempen zwischen den Provinzen Antwerpen und Limburg sowie in der Genter Umgebung die letzten verbleibenden Dieseltriebwagen durch elektrische Züge - da, wo Fahrdraht ist - oder durch Schienenersatzverkehr mit Bussen zu ersetzen. Die Motoren dieser Züge leiden offenbar schwerstens unter der Hitze. Präventiv strich die Bahn auch für diesen Freitag einige sogenannte "P-Züge", dass sind Pendlerzüge für den Berufsverkehr in den Stoßzeiten, die aus Wagenmaterial gebildet werden, die nur über schwache Klimaanlagen verfügen. Damit allerdings fallen morgens und abends viele hundert Sitzplätze weg... 

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