Nicolas Lambert

Zu wenig Ladestationen drohen den Durchbruch des E-Autos in Flandern zu verzögern

Im belgischen Bundesland Flandern ist das Interesse an Autos mit Elektroantrieb sehr groß, doch den Schritt, tatsächlich ein solches Fahrzeug anzuschaffen, tun derzeit noch wenige. Hauptgrund neben den hohen Preisen für E-Autos ist dafür wohl die Tatsache, dass es in Flandern noch viel zu wenig „Stromtankstellen“ gibt - von Schnelllade-Stationen ganz zu schweigen.

Während es in Flandern bis zu drei Jahre dauert, bis eine Schnelllade-Station für Elektroautos eingerichtet werden kann, brauchen die Niederländer gerade einmal vier Monate dafür, sagt Jochen De Smet von der Europäischen Vereinigung für Elektrofahrzeuge dazu gegenüber VRT NWS: „Das Problem liegt auf zwei Ebenen. Die Papiermühlen der Verwaltung für Baugenehmigung und Zulassung mahlen nur sehr langsam und dann dauert es oft noch sehr lange, bis Netzbetreiber Fluvius letztendlich den Anschluss für die Ladestation installiert.“

Oft liegen die Verteilertrafos für solche Anlagen etwas entfernt davon, was umfangreiche Arbeiten erfordert, zumal diese Anlagen mit Starkstrom arbeiten müssen. Flandern zählt derzeit 38 Schnelllade-Stationen für E-Autos, die zumeist entlang von Autobahnen zu finden sind. Dort kann man in etwa einer Viertelstunde so viel Strom laden, dass man mit einem durchschnittlichen E-Auto rund 100 km weit fahren kann. In den Niederlanden stehen E-Autofahrern rund 200 solcher Stationen zur Verfügung. 

Verwaltungsträgheit behindert kommerzielle Entwicklung 

Jochen De Smet ist der Ansicht, dass die Trägheit, mit der dieses Thema in Flandern behandelt wird, zu Problemen führen wird, falls das E-Auto hier irgendwann doch vor dem kommerziellen Durchbruch steht. Die Kosten, die ein privater Investor oder Betreiber in eine solche Schnelllade-Station stecken muss, sind hoch und müssen vollständig selbst getragen werden. Zuschüsse dafür zahlt das Land Flandern (noch) nicht. Auch dieser Umstand behindert die weitere Entwicklung dieses Systems, denn nach Ansicht vieler ist ein entsprechend rentables Businessmodell so mittelfristig noch nicht einmal kreditwürdig bei den Banken.  

Die Europäische Vereinigung für Elektrofahrzeuge, bzw. deren belgische Vertretung, fordert jetzt von den flämischen Landesbehörden, dass die Zulassungsverfahren deutlich verkürzt werden und dass die betroffenen Städte und Gemeinden hier aktiver mit einbezogen werden. Doch dazu müsste ein entsprechendes Landesdekret angepasst werden. An Starkstrom-Netzbetreiber Fluvius ergeht die Bitte, proaktiv einen Plan zu erarbeiten, um ein Schnelllade-System für Belgien im Allgemeinen und für Flandern im Besondern auf den Weg zu bringen. Jochen De Smet fügt abschließend noch hinzu: „Wir wollen auch, dass die flämische Landesregierung einen Teil des Systems bei Fluvius bezuschusst.“