foto Peter Hilz (C)

Brüssel: Ist das 4G-Mobilfunknetz an seiner Belastungsgrenze angelangt?

Der Verband der belgischen Technologie-Industrie, Agoria, warnt davor, dass das 4G-Netz in der Brüsseler Hauptstadt-Region kurz vor dem Kollaps steht. Bis 2022, so Agoria gegenüber der frankophonen Tageszeitung Le Soir, habe das 4G-Netz seine Kapazitätsgrenze erreicht. Deshalb ruft der Verband zur Lockerung der in Brüssel besonders strengen Strahlungsnorm auf, andernfalls drohen arge Probleme, die sich auch wirtschaftlich negativ auswirken würden.

Agoria geht davon aus, dass spätestens ab 2020 die ersten Regionen im Brüsseler Stadtzentrum an der Belastungsgrenze von 4G angelangt sind. Dies betreffe die Gegend um den Justizpalast, das Wirtschafts- und Geschäftsvierten an der Metrostation Kunst/Wet-Arts/Loi und das Europaviertel. Bis 2023 werde nahezu die gesamte Region Brüssel-Hauptstadt davon betroffen sein, so Agoria. Zusätzliche 4G-Netz-Antennen würden da zwar helfen, aber wohl nur kurzfristig, so Agoria. Und da sei es bereits jetzt äußerst problematisch, Standorte im Stadtzentrum zu finden.

Nicht nur Agoria, sondern auch einige andere Wirtschaftsverbände in Belgien und in Brüssel spezifisch warnen davor, dass die Hauptstadt-Region eines Tages unter einem zu schwachen Mobilfunknetzt zu leiden haben wird. Die Nachfrage nach mobilen Daten, so Agoria, steige jährlich um rund 60 %. Die Schwachpunkte im aktuell gehandhabten Mobilfunknetz in Brüssel bestätigen alle Beteiligten, auch die hier aktiven Operatoren und Mobilfunk-Anbieter. Sie werden in ihren Aufrufen, die Netze zu stärken und mittelfristig sogar auf 5G umzuschalten, von Universitätsstudien unterstützt, wie die flämische Tageszeitung De Morgen dazu schrieb.

Die Themen Mobilfunknetze und Strahlungsnormen sind in Belgien Sache der Länder und Regionen und hier handhabt jede Region eigene Normen. Brüssel arbeitet zum Schutz der Gesundheit vor Strahlen mit der strengsten Norm in ganz Belgien, nämlich mit einem Wert von 6 Volt pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Die maximale Strahlungs-Obergrenze, die die Weltgesundheitsorganisation WHO vorschreibt, ist 41 Volt pro Quadratmeter…

Dass u.a. Agoria fordert, die Brüsseler Norm ansehnlich zu steigern, scheint nicht verwunderlich und die letzte Mehrheit in der Brüsseler Region plante, den Wert auf 14,5 Volt pro Quadratmeter anzuheben. Angesichts von Plänen und Wünschen, auch in Brüssel bald auf 5G zu setzen, scheint eine Lösung nicht greifbar zu sein, im Gegenteil. Im Koalitionsabkommen der neuen Brüsseler Regionalregierung ist 5G nur mit einem Satz erwähnt worden.

Damit ist das Vorhaben der neuen Mehrheit, aus Brüssel eine digitale Vorreiterregion zu machen, schon jetzt Makulatur, so die Kritik der Wirtschaftsverbände. Die Grünen von Ecolo in Brüssel wehren sich mit Hand und Fuß gegen höhere Strahlungsnormen („Die Brüsseler sind keine Versuchskaninchen“). Derzeit, so schreibt De Morgen, ist es laut Ecolo noch zu früh, Schlüsse zu ziehen. Für Agoria ist es jetzt schon zu spät.