Foto: Andreas Kockartz

Der Wasserbus: Nahverkehr auf Schelde und Albert-Kanal

Seit einigen Jahren setzt Antwerpen in Sachen Nahverkehr nicht nur auf Busse und Bahnen, bzw. auf Schiene und Straße, sondern auch auf den Wasserbus. Die Wasserbusse sind rund 120 bis 150 Fahrgäste fassende Boote, die die Antwerpener Innenstadt mit einigen Außenbezirken und Hafenvierteln verbinden. Den Wasserbus kann man aber auch touristisch nutzen, bringt er die Menschen doch in Gegenden rund um die Hafenmetropole, die sonst nicht so schnell zu erreichen sind.

Die Stadt- und die Hafenverwaltung von Antwerpen haben mit dem Wasserbus als Verkehrsalternative ein Erfolgsrezept auf den Weg gebracht. Hunderte Pendler setzen täglich auf die Wasserbusse um entweder aus den Außenbezirken in das Stadtzentrum zu gelangen, oder aber um aus der Innenstadt heraus in die verschiedensten Winkel des riesigen Hafens zu gelangen, um zur Arbeit zu gehen. An Bord können sie Stromstecker nutzen und einige Sitzplätze weisen auch Online-Anschlüsse auf.

Außerhalb der Stoßzeiten im Pendelverkehr nutzen Ausflügler und Tagestouristen teilweise mit dem Rad die Wasserbusse, um ebenfalls in die Außenbezirke zu gelangen, denn Antwerpen ist von einem grünen Rand umgeben, wo sich auch die eine oder andere historische und touristische Attraktion finden lässt. Fahrräder können übrigens kostenlos mitgeführt werden!

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Am Steen in Antwerpen kreuzen sich die Linien. Foto: Andreas Kockartz

Kernpunkt von zwei verschiedenen Linienangeboten der Wasserbusse auf der Schelde ist der Ponton am Steen unweit des Altstadtviertels mit Kathedrale und Rathaus. Von dort aus geht es die Schelde hinunter in Richtung Süden nach Kruibeke und nach Hermiksem. Dort bieten sich jeweils Anschlüsse an die Flotte der Scheldefähren, die die beiden Ufer verbinden. An Werktagen sind die Wasserbusse hier ab 6 Uhr 30 bis 20 Uhr jede halbe Stunde unterwegs. An Wochenenden und Feiertagen geht es erst etwas später los. Samstags endet das Angebot übrigens erst um 23 Uhr, was sehr Theater-, Kino- und Ausgehfreundlich ist.

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Foto: Andreas Kockartz

Der nördliche Bereich der Wasserbusse führt von Steen im Zentrum zum Sint-Anna-Strand, dem Ausflugsort der Antwerpener, nach Zwijndrecht, nach Kallo und nach Lillo, zwei Ortsteile, die in erster Linie hafengebundene Anlegestellen sind, befinden sie sich doch im Zentrum eines Wirtschaftsstandortes mit zahllosen Arbeitsplätzen – z.B. im Waaslandhafen und im Deurganckdock. Hier sind die Wasserbusse an sieben Tagen in der Woche zwischen 4 Uhr 30 und 23 Uhr unterwegs.

Hiermit richten sich die Fahrpläne - auch hier ist jede halbe Stunde ein Wasserbus unterwegs - auch an die Schichtpläne in den Fabriken und bei den Logistikunternehmen im Hafen. Dabei sind die Fahrten attraktiv kurz und 40 km/h geben einen schnellen Eindruck. Vom Steen nach Lillo ist man eine Stunde lang unterwegs. Die Straßenbusse von De Lijn brauchen für dieses Trajekt bis zu zwei Stunden und mit dem Auto ist man mitunter noch länger unterwegs…

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Die Wasserbusse fahren an den grünen Seiten Antwerpens am linken Ufer vorbei. Foto: Andreas Kockartz

Ein drittes Angebot ist der östliche Fahrplan der Wasserbusse, die zwischen dem neuen Hafenhaus, ein architektonischer Prachtbau der Architektin Zarah Hadid, und dem Ortsteil Wijnegem über Schoten und Merksem über den Albertkanal. Hier befinden sich alle Anlegestellen an Brücken, damit man Ziele auf beiden Seiten des Albertkanals erreichen kann. Auch hier fahren die Wasserbusse von frühmorgens bis spät am Abend. Der längste Abstand hat eine Fahrzeit von nur 40 Minuten, auch wenn die Wasserbusse hier lediglich 18 km/h schnell sein dürfen (die Richtgeschwindigkeit auf dem Albertkanal).

Touristisch Attraktiv ist die Nordroute nach Lillo, denn in diesem Ortsteil befindet sich das Fort Lillo, ein Teil des Antwerpener Festungsrings, das pittoreske Dorf Lillo, ein Bücherdorf, und das Poldermuseum. Auch das nahe Liefekenshoek ist interessant und zwar durch das Fort Liefkenshoek aus dem 16. Jahrhundert.

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Schiffsverkehr in der Nähe des neuen Hafenhauses. Foto: Andreas Kockartz

Von der Anlegestelle Kallo aus ist es bis zum gleichnamigen Dörfchen und bis zur Festung Sint-Anna auch nicht mehr weit. Diese Gegend ist besonders für Radfahrer attraktiv. Die südliche Route nach Hemiksem ist ebenfalls touristisch lohnenswert, nicht zuletzt auch für Radfahrer. Ein Tipp in Hemiksem ist die Sint-Bernardusabtei. Ganz allgemein bemerkt ist auch die Tatsache sehr Radfreundlich, dass die Anlegestellen in vielen Fällen auch die Anleger der Scheldefährdienste sind…

Dass die Wasserbusse und die Fähren Fahrräder mitnehmen, hat der geneigte Leser bereits feststellen können. Alle Wasserbusse und Fähren sind auch behindertengerecht. Nähere Infos bietet die Webseite von De Waterbus www.dewaterbus.be. Wer nicht genug davon kriegen kann, dem sind zudem die Antwerpener Hafenrundfahrten empfohlen. Hier bieten gleich zwei Anbieter ihre Dienste an: Flandria (www.flandria.nu) und Harbour Tour (www.janplezier.be).

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Manchmal glaubt man, man sei auf hoher See... Foto: Andreas Kockartz

Das Personal der Wasserbusse setzt sich in erster Linie aus Mitarbeitern zusammen, die über ein Matrosen-Patent verfügen. Doch noch nicht alle Mitglieder des fahrenden Personals sind Matrosen. Durch die Expansion des Unternehmens wurden kürzlich neue Leute eingestellt, die aber noch in der Ausbildung sind, sprich, die zwar an Bord arbeiten, jedoch noch keine matrosentechnische Aufgaben übernehmen dürfen. Um die Zeit der Ausbildung zu überbrücken arbeitet die Wasserbus-Gesellschaft bis zum Ende des Sommers mit polnischen Matrosen, die über Zeitarbeitsfirmen beschäftigt werden.

Das solche Wasserbusse als Alternative für den sich immer mehr negativ entwickelnden Nahverkehr ein interessanter Weg sind, hat sich nicht erst seit gestern herumgesprochen. In Brüssel setzt man schon länger auf Wasserbusse auf dem Kanalsystem, wie z.B. dem Wasserbus von Vilvoorde in Flämisch-Brabant ins Stadtzentrum. Auch diese Wasserbusse werden außerhalb des Berufsverkehrs gerne touristisch in Anspruch genommen.

In Lüttich entwickelt sich seit einigen Monaten ein bescheidener Bootsverkehr auf der zentrumsnahen Maas - eine Mischung zwischen Ausflugsverkehr, Fähre und Nahverkehr. Und in der Provinz Limburg mit seinen Industrieregionen an Maas und Albertkanal sind die Voraussetzungen für einen Nahverkehr auf dem Wasser ohnehin gegeben. Inzwischen denkt man dort auch schon laut über Wasserbusse nach…

Foto: Andreas Kockartz