Auch in Belgien befinden sich zahlreiche Kunstwerke in den Sammlungen der Museen, die zur Nazi-Raubkunst gehören Nicolas Maeterlinck

Belgien arbeitet an einer Datenbank für mögliche Raubkunst aus dem Zweiten Weltkrieg

Auf den Internetseiten mehrerer Museen in Belgien sind Kunstwerke zu sehen, die möglicherweise Raubkunst sind, die die Nazis während des Zweiten Weltkriegs ihren ursprünglichen Besitzern entwendeten und die nach dem Krieg hierhergelangt sind. Jetzt wird die belgische Bundesregierung diese Kunstwerke erfassen und auf einer Webseite bzw. in einer Datenbank konzentrieren, damit auch auf diesem Wege eventuelle rechtmäßige Eigentümer oder deren Nachkommen gefunden werden können, wie die flämische Wirtschaftszeitung De Tijd meldet.

Ein Gemälde aus dem Königlichen Museum für Schöne Künste in Antwerpen (KMSKA) mag hier als Beispiel gelten. Es handelt sich dabei um ein Werk, auf dem sich zwei Schlangen um Eva winden, die einen Apfel in den Händen hält. Dieses Werk ohne bekannten Titel trägt die KMSKA-Inventarnummer 5048. Gemalt hat es Lucas Cranach der Ältere im 16. Jahrhundert. Die genauer Herkunft dieses Werkes ist bislang unbekannt. 1951 gelangte es in den Besitz des Antwerpener Museums, nach dem es 1945 durch die Alliierten in der „Kunstsammlung“ von Herman Göring entdeckt wurde. Dessen Schergen hatten das Cranach-Gemälde wohl 1943 in Brüssel „erworben“. Von wem ist die große Frage…

Antwerpen als Beispiel

Neben diesem Gemälde führt das KMSKA in Antwerpen auf seiner Webseite noch 20 weitere Kunstwerke aus der eigenen Kollektion auf, die möglicherweise Nazi-Raubkunst sind und die in der Nachkriegszeit irgendwie dorthin gelangt sind. De Tijd meldet, dass das Museum die entsprechende Subseite ihres Internetauftritts im April dieses Jahres eingerichtet hat, doch seitdem hat sich niemand mit genaueren Informationen gemeldet. Das KMSKA ruft dazu auf, jegliche Information diese Werke betreffend über die Email-Adresse herkomst@kmska.be zu melden.

Einige Museen führen Listen auf ihren Webseiten

Auch andere belgische Museen haben Suchanfragen auf ihren Internetseiten geschaltet, denn auch sie haben fragliche Kunstwerke in ihren Sammlungen. Die Königlichen Museen für Schöne Künste in Brüssel z.B. führen 25 Werke auf, das M-Museum in Löwen (Flämisch-Brabant) eines und der Hof van Busleyden in Mechelen (Antwerpen) ebenfalls eines. Auf Anfrage beim belgischen Bundesministerium für Wissenschaftspolitik, das sich auch mit solchen Fällen befasst, hieß es, dass es in den vergangenen 10 Jahren in unserem Land nur zwei konkrete Fälle gegeben habe, bei denen Raubkunst von ursprünglichen Besitzern oder deren Nachfahren beansprucht wurde. 

108 bekannte Kunstwerke in 11 belgischen Museen 

Belgiens scheidende Wissenschaftsministerin Sophie Wilmès (MR) gibt an, dass in Belgien insgesamt 108 Kunstwerke bekannt sind, die möglicherweise aus Nazi-Raubkunstbeständen stammen. Dabei handelt es sich laut De Tijd um 78 Gemälde (darunter solche von Bruegel und Jordaens) und um 30 weitere Kunstgegenstände, wie Skulpturen, Möbel oder Wandteppiche. All diese Werke warten in den Archiven oder Sammlungen von 11 Museen in unserem Land auf eine andere und rechtmäßige Zukunft. Hinzu kommen noch rund 600 archäologische Gegenstände und Artefakte fraglicher Herkunft. 

Überregionale Arbeitsgruppe 

Ministerin Wilmès gab an, dass bald alle bekannten Angaben zu diesen Werken in einer Datenbank zusammengefasst werden, die dann jeder zu jeder Zeit konsultieren kann. Belgien hat sich 1998 gemeinsam mit 43 weiteren Ländern in einem in Washington unterzeichneten Abkommen dazu verpflichtet, Kunstgegenstände aus der Nazi-Raubkunst ursprünglichen Besitzern oder deren Nachfahren zurückzugeben. Seit 2017 arbeiten die zuständigen Behörden und Museen in der überregionalen Arbeitsgruppe „Kulturgüter Zweiter Weltkrieg“ daran, die Ziele von 1998 erreichen zu können. Die hier angesprochene Datenbank wird die zentrale Anlaufstelle für die Öffentlichkeit in diesem Zusammenhang sein.