Brussels Airport nach dem Chaos: Jetzt folgt das Gepäck-Puzzle

Auch am Sonntag erlebt der Brüsseler Nationalflughafen in Zaventem wieder einen heißen Tag. Zum einen müssen rund 89.000 ankommende und abfliegende Fluggäste abfertigt werden und zum andern stapeln sich noch zehntausende Gepäckstücke im Flughaben, die am Samstag nach den Pannen an den Gepäckbändern zurückbleiben mussten. Hier ist Kreativität angesagt, wie die Verantwortlichen dazu sagen. Inzwischen kündigen von dem Chaos betroffene Fluggesellschaften an, für entstehende Zusatzkosten beim Brussels Airport einfordern zu wollen. 

Zahllosen Urlaubern blieb am Samstag nicht viel anders übrig, als entweder ohne Gepäck in die Ferien zu fliegen oder hier zu bleiben. Seit Samstagfrüh lösten technische Probleme an den Gepäckbändern am Brussels Airport ein Chaos aus, das zudem an einem der stressigsten Wochenenden stattfand, das dieser Flughafen im Jahr erlebt: Wechselwochenende! Das heißt, dass die Juli-Urlauber wieder heimkommen und dass gleichzeitig die August-Urlauber in die Ferien fliegen. 

Sand im Getriebe bzw. Riemen im Zahnrad

Wenn dann auch noch an den Gepäckbändern im Abflugbereich eines oder mehrere Probleme auftreten (die Rede ist u.a. von einem Trageriemen einer Reisetasche, der sich in einem Zahnrad verheddert haben soll), dann ist das Chaos komplett. Viele Urlauber zogen es vor, ihr Gepäck in Brüssel zurückzulassen, in der Hoffnung, dass es sobald wie möglich nachgeschickt werden kann. Das ist dann kein Problem, wenn sich der Urlaubsort dort befindet, wo täglich Maschinen aus Brüssel landen.

Kreativität ist angesagt

Dort, wo vom Brussels Airport aus nur einmal oder zweimal pro Wochen ein Flugzeug hinfliegt, liegt die Sache ganz anders. Hier, so Lode Ketele, ein Direktor an Flughafen, ist Kreativität gefragt: „In solchen Momenten gibt es zwischen den verschiedenen Fluggesellschaften Solidarität.“ „Wir suchen nach allen möglichen Lösungen. Wir senden Gepäck sogar zu anderen Flughäfen, um es von dort aus weiterzubefördern“, ergänzte Flughafensprecherin Nathalie Pierard.  Die Rede ist übrigens von 4.000 bis 8.000 nachzusendenden Gepäckstücken...

Kofferpuzzle 

Viele der Gepäckstücke, die am Samstag in Brüssel blieben, mussten noch durch den Sicherheitscheck. Hinter den Kulissen wurde auch in der Nacht zum Sonntag noch emsig sortiert, um die Koffer und Reisetaschen der längst abgeflogenen Urlauber nach Bestimmung zu trennen - eine regelrechte Puzzelarbeit. In vielen Maschinen wurde noch nach Laderaum gesucht, um zusätzliches Reisegepäck zu verstauen. 

Fluggepäck per Schiff befördert

Für das Reiseziel Korsika fand sich nach Angaben der Airport-Verantwortlichen in Brüssel eine interessante Lösung: Nachgesendetes Gepäck wird per Flugzeug nach Lyon in Frankreich transportiert, um dann per Lastwagen zu einem Hafen gebracht zu werden. Von dort aus geht es per Fähre weiter in Richtung Hotels in den Ferienhochburgen der französischen Mittelmeerinsel. 

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Airlines wollen entschädigt werden

Einige der betroffenen Fluggesellschaften, die am Brussels Airport aktiv sind, wollen von den Flughafenbetreibern eine Entschädigung einfordern. Sie werden sich in den nächsten Tagen mit dem Management des belgischen Nationalflughafens zusammensetzen, um zu sehen, wie dies geregelt werden kann. Eine der Airlines, die Schadensersatz einfordern möchte, ist TUI Fly.

Dieter Bruneel, der Sprecher der Gesellschaft, deutete gegenüber VRT NWS am Sonntag an, dass sich die durch das Gepäckchaos verursachten Unkosten auf gut und gerne 100.000 € belaufen können.

Darin enthalten sind die Kosten, die das Nachsenden pro Gepäckstück verursachen, die Entschädigung für die Reisenden und auch die Erstattung von Unkosten bei den Fluggästen selber, wie z.B. der Ankauf von notwendigen Dingen, wie Kleidung, Hygieneartikel und anderes, auf die die Urlauber bis zum Erhalt ihres Gepäcks sonst verzichten müssten.