Permanente Restaurierung: Originalpläne des Brüsseler Justizpalastes wiedergefunden

Seit rund 30 Jahren sind weite Teile des altehrwürdigen und riesigen Brüsseler Justizpalastes eingerüstet, denn es wird renoviert und restauriert. Und nicht zuletzt muss dieser Monumentalbau auch den modernen Bedürfnissen der heutigen Justiz angepasst werden. Doch schon die Tatsache, dass die Originalpläne und -aufzeichnungen von Architekt Joseph Poelaert (1817-1879) viele Jahre lang unauffindbar waren, sorgte für anhaltende Probleme. Jetzt haben ein Architekt und sechs Kulturerbe-Studenten das Material im Rahmen einer Masterarbeit finden können.

Der Brüsseler Architekt Francis Metzger hatte sechs Studierenden der frankophonen Freien Universität von Brüssel (ULB) im Rahmen ihrer Masterarbeit dabei geholfen, nach den Originalplänen des 1883 eröffneten Justizpalastes suchen lassen. Die Studierenden hatten sich dieses Thema für den Abschluss ihres Studienganges Kulturerbe ausgesucht, wie die frankophone Brüsseler Tageszeitung Le Soir dazu schrieb. 

Architekt Metzger, der auch in der Poelaert-Stiftung zum Leben und Werk des Bauherren des Justizpalastes aktiv ist, erzählte, es habe ihn immer geärgert, dass er keine historische Studie zu diesem Gebäude anfertigen konnte, eben weil die Originaldokumente dazu fehlten. Francis Metzger ist selbst bautechnisch im Justizpalast tätig, denn er leitet den Bau von vier neuen Gerichtssälen im Keller des Palastes.

Die weitere Restaurierung ist absolut kein leichtes Unterfangen und ist es auch nie gewesen: 245 Räume, 8 Innenhöfe, die überall in Brüssel sichtbare monumentale Kuppel, überall schaden- und feuchtigkeitsanfällige Stuckarbeiten und nicht zuletzt fast 5.000 Treppenstufen sprechen für sich. Ein Ende der Arbeiten sind denn auch noch lange nicht in Sicht, was auch führende Juristen im Lande und in der Hauptstadt aufregt.

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Die Geschichte der Pläne

Lange wurde angenommen, dass die Pläne des Brüsseler Justizpalastes während des Zweiten Weltkriegs in Flammen aufgegangen seien. Doch sie wurden seiner Zeit sichergestellt. Dann, in den 1960er Jahren wurden sie auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges mit vielen anderen für die belgische Geschichte und Architektur wichtigen Originaldokumenten in einem Schutzkeller unter dem Brüsseler Jubelpark eingelagert. Noch 1989 hatte ein Kunsthistoriker eine Doktorarbeit über diese Pläne geschrieben, doch danach gerieten sie wieder in Vergessenheit.

Sie wurden wohl anschließend im Königlichen Museum für Kunst und Geschichte untergebracht, wozu es allerdings nirgendwo Hinweise oder Meldungen und Einträge gab. Seit dem galten die Poelaert-Pläne zum Brüsseler Justizpalast quasi offiziell als verschollen bzw. als „nicht mehr existent“.

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Aber, es wurde trotzdem damit gearbeitet, denn sie gehörten zum Einflussbereich des „Ausschusses für den Justizpalast“ und hier wurden sie durcheinander gebracht und Teile davon wanderten sowohl in offizielle, als auch in private Archive. Doch die sechs Masterstudenten von Architekt Metzger konnten fast alle relevanten Stücke aufstöbern und wieder zusammenbringen, wie Le Soir dazu meldet. Die elementarsten Teile wurden bei einer belgischen Familie entdeckt, die hier ungenannt bleiben will… 

Umfangreiches Material

Architekt Metzger ist erleichtert darüber, dass diese Pläne und Dokumente jetzt gesichert sind. Dies werde allen Architekten, die in Zukunft mit Projekten rund um den Justizpalast befasst sein werden, enorme Hilfe bieten. Sie werfen, so Metzger, „ein Licht auf die Visionen von Joseph Poelaert“ und auf die Schwerpunkte, die dieser damals habe legen wollen.

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Der Poelaert-Fan freut sich auch darüber, dass Belgiens scheidender Bundesjustizminister Koen Geens (CD&V) in der vergangenen Legislaturperiode Schritte in die Wege leiten konnte, die die Restaurierung des Gebäudes weiterbringen werden: „Doch aufgepasst. Die Idee ist nicht unbedingt die, den Palast in seinen ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. Wir müssen dieses Gebäude ins 21. Jahrhundert hineinlotsen, ohne dass es seine Identität verliert.“

Die sechs Kulturerbe-Studenten präsentieren ihre Arbeit im Oktober einer Masterjury. Architekt Francis Metzger ist der Überzeugung, dass diese Arbeiten gut sind, denn die Qualität davon und das Resultat seien hervorragend… 

BELGA/DOPPAGNE