BELGA/ MAETERLINCK NICOLAS

Auch belgische Umweltverbände stellen Biokraftstoffe in Frage

Verschiedene belgische Umweltverbände und Nord-Süd-Hilfsorganisationen rufen die Regierungsinstanzen dazu auf, die Förderung von Biodiesel und ähnlichen Kraftstoffen zu beenden, die auf Basis von Nutzpflanzen hergestellt werden. Dieser Aufruf erfolgt zu dem Zeitpunkt, zu dem der Klimabericht der Vereinten Nationen zu einer Landwirtschaftsreform aufruft.

Mehrere regierungsunabhängige Hilfs- und Umweltverbände, darunter Oxfam Solidarität, 11.11.11 und FIAN, rufen die belgische Bundesregierung dazu auf, die Förderung und den Ausbau von Biokraftstoffen, wie Biodiesel, zu beenden. Mehrere nationale, überregionale und internationale Instanzen veröffentlichen in diesen Tagen Studien, die belegen, dass sich die Produktion von biologischen Treibstoffen auf Basis von Nutzpflanzen negativ auf den Klimaschutz und auf die Versorgung der Weltbevölkerung mit Lebensmitteln auswirkt.

Regierungsvorhaben

Dem entgegen sieht der belgische „Nationalplan Energie-Klima“ vor, gerade diese Form der Kraftstoffe bzw. den Anteil von Biotreibstoffen an der gesamten Kraftstoffversorgung zu erhöhen und auszubauen. Doch Futtermittel für Nutzvieh oder Pflanzen, aus denen Lebensmittel für Menschen hergestellt werden können, zu nutzen, um Autos fahren zu lassen, ist den Klima- und Hilfsverbänden ein Gräuel. Nicht zuletzt gehen durch den Anbau von Pflanzen, um Biokraftstoffe zu produzieren, wertvolle Ländereien in der Landwirtschaft verloren, auf denen Lebensmittelpflanzen wachsen könnten, so die Argumente.

Greenpeace

Umweltschutzgruppen, wie Greenpeace rufen zudem dazu auf, die Landwirtschaft in Belgien im Allgemeinen ökologischer zu gestalten und auf biologische Agrarpolitik zu setzen. Dazu sollte die traditionelle Landwirtschaft unterstützt werden. Laut Greenpeace Belgien sei es durchaus möglich, auch nachhaltig Vieh zur Fleischproduktion zu halten. In Sachen Landwirtschaft und Klimawandel sagt Greenpeace, dass die Bauern die ersten Opfer seien. Schon jetzt zeigten sich auch hierzulande die Folgen von Dürreperioden und Hitzewellen (siehe Wasserknappheit und von der Sonne zerstörte Obstbestände).

Wie schädlich ist Biodiesel?

In Zusammenarbeit mit mehreren anderen Universitäten in Brüssel und Löwen untersucht derzeit eine Studentin der Universität Lüttich die Auswirkungen der Nutzung von Biodiesel auf die Gesundheit der Menschen und auf Umwelt und die Luftqualität. Entsprechende Langzeituntersuchungen dazu laufen bereits seit Juni und daran beteiligen sich auch die Stadt Lüttich und die regionale wallonische Nahverkehrsgesellschaft TEC mit einem Bus samt Fahrer. Auch Biodiesel führt zu CO2-Ausstoß, das ist hinlänglich bekannt. Wie sich dies auswirken kann, wird aktiv in Lüttich bis Ende September getestet. Zum Jahresende soll das Resultat dieser Studie vorliegen.