Foto: Alexander Dumarey

Bald ist der deutsche Kommandobunker aus dem Zweiten Weltkrieg in Gent zu besichtigen

Anfang September ist der deutsche mehr oder weniger unbekannte Kommandobunker unter dem Citadelpark in Gent zu besichtigen. Dieser Ort wird der Öffentlichkeit nur sehr selten zugänglich gemacht. Jetzt, 75 Jahre nach der Befreiung und am Wochenende der Tage des offenen Denkmals, öffnen sich die Tore noch einmal. Dieser Bunker hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich, die bis weit in den Kalten Krieg hineinreicht. 

Mitten im Citadelpark von Gent steht ein kleines weißes Gebäude, das eher unscheinbar daherkommt und aussieht, wie ein Gerätehaus der Stadtgärtnerei und tatsächlich arbeitet hier der „Gründienst“ von Gent. Doch unter diesem Häuschen verbirgt sich ein Bunker, eines der größten Geheimnisse der ostflämischen Metropole. Selbst die meisten Genter Bürger wissen nichts darüber.

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Foto: Alexander Dumarey

Flugbeobachtung und Strahlenmessung

Gebaut wurde dieser Bunker Ende der 1930er Jahre von der belgischen Armee. Ab 1938 sollten von dort aus die Sirenen in den meisten ostflämischen Städten bedient werden, z.B. im Zuge von Bombenangriffen im Kriegsfall. Doch nur kurze Zeit später fiel dieser Bunker den Deutschen in die Hände, die von dort aus den alliierten Luftverkehr beobachteten und abhörten. Davon ist bei Kriegsende nichts übrig geblieben, denn die deutschen Soldaten zündeten bei ihrem Rückzug den gesamten Komplex an und das meiste verbrannte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg zog hier der belgische Zivilschutz ein, der hier eine Art Kontrollraum zur Strahlenmessung im Bereich der Provinz Ostflandern einrichtete. Da es im kalten Krieg immer eine gewisse Gefahr eines Atomkriegs gab, schien diese Einrichtung ihre Notwendigkeit zu haben… 1989, nach dem Fall der Mauer und dem Zusammenbruch des sogenannten „Warschauer Pakts“ in den Ostblockländern, wurde der Strahlen-Kontrollraum überflüssig und die Einrichtung wurde endgültig geschlossen.

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Foto: Alexander Dumarey

Nur einer hat den Schlüssel

Luk Van De Sijpe ist der einzige, der den Schlüssel zu diesem Bunker hat. Er kümmert sich seit Jahren darum, dass dieser Bunker irgendwie gepflegt wird. Van De Sijpe setzt sich in der Region von Gent für den Erhalt aller Bunker aus Kriegszeiten ein, denn für ihn sind dies Zeitzeugen vergangener Epochen. Jetzt, 75 Jahre nach Kriegsende und Befreiung, bat ihn die Stadt Gent, an den Tagen des offenen Denkmals Führungen durch die Anlage anzubieten. Die Stadtverwaltung vertraut Van De Sijpe, denn nur er weiß, wo es in dem Bunker sicher ist und wo nicht…

Die Führungen finden vom 6. bis zum 8. September statt, doch ist die Zahl der Besucher und Teilnehmer aus Sicherheitsgründen beschränkt. Anmelden kann man sich über die Webseite von Luk Van De Sijpe www.bunkergordel.be . Diese Webseite bietet übrigens einen interessanten Überblick über alle Bunker und Anlagen der verschiedenen Festungsringe rund um Gent. 

Foto: Alexander Dumarey
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