Belgische F-16er

Müssen die alten F-16er noch für neue Atombomben angepasst werden?

Die belgischen F-16-Kampfbomber werden in den kommenden Jahren durch neue Maschinen vom Typ F-35 ersetzt, haben also bald ausgedient. Trotzdem sollen diese Jets jetzt noch umgebaut werden, damit sie eine neue Generation von US-Kernwaffen tragen können. Dieser Vorgang wurde nach Einsicht in ein internes Dokument aus dem Jahr 2017 bekannt. Das belgische Verteidigungsministerium will auf diese Meldung nicht reagieren. Kritik kommt von den flämischen Sozialdemokraten SP.A.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass am belgischen Luftwaffenstützpunkt Kleine Brogel in der flämischen Provinz Limburg 10 bis 20 Kernwaffen der US-Armee stationiert sind und dass diese Bomben im Rahmen von Nato-Aktionen mit den belgischen F-16ern zum Einsatz kommen könnten.

Doch die US-Luftwaffe arbeitet bereits seit geraumer Zeit an der Entwicklung einer moderneren neuen Generation von Kernwaffen. Bisher wurden Atombomben auf analoge Art und Weise gehandhabt, doch die neuen Kernwaffen werden digital bedient. Das bedeutet, dass auch die Trägerflugzeuge diesen neuen Kernwaffen angepasst werden müssen.

Im Fall des Nato-Partners Belgien sind das noch die veralteten und vor der Ausmusterung stehenden F-16er. Laut einem internen Dokument aus dem Jahr 2017, dass einigen Medien vorliegt, sind die entsprechenden Anpassungen der Kampfbomber vom Typ F-16 für den Zeitraum 2020-2022 geplant - dieser Vorgang wurde übrigens vor einiger Zeit noch aufgeschoben, hätte also früher durchgeführt werden können.

Doch bereits 2023 sollen die ersten F-35er-Maschinen an die belgische Luftwaffe ausgeliefert werden. Diese sollen ab 2025 die neue US-Atomwaffen tragen, so das Vorhaben. Ein Problem könnte aber die Tatsache sein, dass noch keine belgische Bundesregierung den Beschluss getroffen hat, ob die F-35-Maschinen überhaupt für das Tragen und Abwerfen von Atombomben ausgerüstet werden sollen. 

Rausgeschmissenes Geld“

Melissa Depraetere, SP.A-Kammerabgeordnete

Melissa Depraetere, Abgeordnete der flämischen Sozialdemokraten SP.A in der ersten Kammer im belgischen Bundesparlament, nennt diesen Vorgang „rausgeschmissenes Geld“.

Sie zeigte sich VRT NWS gegenüber überrascht von der Tatsache, dass Belgien noch Geld ausgeben müsse, um an den F-16ern noch Anpassungen durchzuführen, während die Auslieferung der F-35er bevorstehe: „Es scheint uns doch seltsam und es ist eigentlich rausgeschmissenes Geld, dies noch auf diese Weise zu tun. Durch das Ausschieben der Anpassungen bis 2022 ist die Nutzungsperiode recht kurz.“

Nicht zuletzt steht auch die Frage im Raum, ob es überhaupt an Belgien ist, die Aufgabe zu übernehmen, atomare Waffensysteme aus den USA zu lagern und im Falle des Falles zu befördern.

Die SP.A-Abgeordnete Depraetere gibt dazu an, dass eine solche Entscheidung auch im Rahmen der F-35-Bestellung noch gefällt werden muss: „Es ist an einer neuen Regierung, um hier einen Beschluss zu fällen. Wenn es an uns liegt, dann kann es auch sein, dass die neue F-35 keine Kernwaffen transportieren kann und das macht es noch absurder, Geld zu investieren, um die F-16er noch vielleicht ein Jahr lang dafür auszurüsten.“ 

Eine Maschine vom Typ F-35 PA Wire/PA Images