Seit der VRT-Reportage über sexuellen Missbrauch bei den Zeugen Jehovas meldeten sich rund 90 Opfer

Ende März hatte die VRT-Doku-Sendereihe Pano eine Reportage über sexuellen Missbrauch in den Kreisen der Zeugen Jehovas in Belgien gezeigt. Im Zuge dessen wurde der Meldepunkt „Reclaimed Voices“ ins Leben gerufen. Dort haben sich seit der Pano-Reportage rund 90 Opfer gemeldet, die zum Zeitpunkt ihres Missbrauchs in der Sekte noch minderjährig waren.

Die Pano-Reportage aus unserem Hause über den sexuellen Missbrauch an Minderjährigen innerhalb der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas hatte seinerzeit viel Staub aufgewirbelt. Quasi direkt nach der Ausstrahlung der Sendung wurde nach niederländischem Vorbild der Meldepunkt „Reclaimed Voices“ als eine Stiftung ins Leben gerufen.

Schon am ersten Tag der Erreichbarkeit dieses Meldepunktes gingen die ersten Vorgänge ein. Inzwischen haben sich dort mehr als 90 Personen gemeldet, die als Minderjährige innerhalb der Sekte sexuell missbraucht worden sind, wie die frankophone belgische Tageszeitung Le Soir meldete. 

In Belgien liegt die Zahl der Zeugen Jehovas bei rund 25.000 Gläubigen. Aus diesem Grunde geht Pascal Mertens, der Vorsitzende der Stiftung „Reclaimed Voices“ in Belgien, davon aus, dass die Dunkelziffer viel höher liegen muss, doch aufgrund der internen Verschlossenheit der Glaubensgemeinschaft mit ihrer eigenen Gerichtsbarkeit trauen sich viele nicht, sich zu äußern, geschweige denn im jugendlichen Alter aus der Sekte auszubrechen.

Inzwischen haben einige dieser Opfer Klage gegen die Zeugen Jehovas eingereicht und die belgische Bundespolizei nahm nach der VRT-Sendung Ermittlungen auf, die sogar schon zu Razzien in Zentren der Sekte geführt haben.