Time Life Pictures

Wie belgische Soldaten am D-Day und an der Befreiung durch die Alliierten teilnahmen

Die Geschichte des zweiten Weltkriegs hat auch vieles über die belgischen Soldaten zu erzählen. Während Belgien nach dem deutschen Angriff rasch besetzt wurde, zogen sich Regierung und Armee in Richtung Frankreich zurück. Doch viele Belgier reihten sich rasch in die Alliierten gegen Nazi-Deutschland ein und waren schon aktiver Teil des Rückzugs über Dünkirchen. Auch beim Wiederstand gegen die Deutschen in Europa waren die Belgier zugegen sowie bei der Befreiung Europas nach dem D-Day, der alliierten Invasion in der Normandie. 

Zwischen Mai und Juni 1940 saßen viele Tausend alliierte Soldaten nach den schnellen Vorstößen der deutschen Truppen an der französischen Nordseeküste fest und mussten evakuiert werden. Da half nur eine Verschiffung in Richtung Großbritannien. Diese Evakuierung ging in die Geschichte als „Operation Dynamo“ ein. Diese Geschichte hat auch einen Belgien betreffenden Hintergrund.

Die Wehrmacht rückte nach ihren im Mai gestarteten Angriffen auf Belgien, Frankreich und die Niederlande schnell vor und überraschte dabei auch die "British Expeditionary Force" und französische sowie belgische Soldaten, die sich in Richtung Nordseeküste in Nordfrankreich und Westflandern zurückzogen. Ihnen blieb nur die Flucht auf die britischen Inseln.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Belgische Soldaten im Mai 1940 auf dem Rückzug

Flucht auf die britischen Inseln

Die Zahl der zur Verfügung stehenden Schiffe war angesichts der großen Zahl an betroffenen alliierten Soldaten an den Ständen zwischen Dünkirchen und dem flämischen Küstenort De Panne zu klein und deshalb rief der britische Rundfunk BBC dazu auf, auch zivile Boote einzusetzen. Dazu meldeten sich Reeder mit Handelsschiffen, Fährunternehmen aber auch private Bootsbesitzer und Fischer aus Belgien.

All diese Schiffe wurden von britischen und französischen Kriegsschiffen begleitet, denn die deutsche Luftwaffe und auch die U-Boote der Rechtskriegsmarine griffen die „Operation Dynamo“ an. Und aus den Inland rückten die deutschen Panzer an. Ein Teil der Operation gelang auch, weil es einen zweitägigen Haltebefehl Hitlers für die deutschen Panzer gegeben hatte.

Zögerndes Belgien

Nach der Kapitulation Belgiens am 28. Mai 1940 war allerdings in dem Land einiges unklar. Lange zweifelte die zerstrittene belgische Regierung, den vielen belgischen Transportschiffen und Fischerbooten, die in britischen Häfen vor Anker lagen, eine Freigabe zu erteilen, um an der Evakuierung der alliierten Soldaten teilzunehmen. Die Niederländer reagierten hier schneller und mit der sogenannten „Damned Belgian Affair“ zog sich Belgien zeitweise den Zorn der britischen Regierung und Armeeführung zu.

Letztendlich aber nahmen auch die belgischen Schiffe an der Evakuierung teil, darunter bis zu 80 Fischerboote und die 7 Fährboote einer belgischen Reederei, die eigentlich die Linie Ostende-Dover befuhr. So wurden zwischen dem 26. Mai und dem 4. Juni über 338.000 alliierte Soldaten auf die britischen Inseln evakuiert werden, die meisten davon Briten, aber auch viele Franzosen und unterschiedlichen Quellen zufolge auch 163 belgische Soldaten.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Der D-Day

Viele alliierte Soldaten, die in Dünkirchen an den Kämpfen gegen die anrückenden Wehrmachtstruppen beteiligt waren, um die Evakuierung von Land aus zu verteidigen, gerieten in deutsche Kriegsgefangenschaft, wie auch tausende belgische Soldaten nach der belgischen Kapitulation. Interessant ist aber auch, dass die über Dünkirchen nach England geflohenen belgischen Soldaten im Zuge der alliierten Invasion, die am 6. Juni 1944 in der Normandie begann, wieder zurück auf das Festland gelangten.

Die belgischen Soldaten kamen vor 75 Jahren mit dem zweiten Schub der Invasion in Frankreich an und einige von ihnen kämpften später noch an der Seite jugoslawischer Partisanen und bei der alliierten Invasion auf Italien. An vorderster Front waren beim D-Day übrigens auch einige belgische Piloten, die für die britische Royal Air Force an Bord von Spitfire-Maschinen Angriffe auf deutsche Stellungen flogen. Auch viele belgische Soldaten haben am D-Day 1944 mitgekämpft. 

Die „Brigade Piron“

Dazu gehörte die sogenannte „Brigade Piron“. Nach Dünkirchen gingen viele in Großbritannien gestrandete Belgier als Freiwillige in die britische Armee und bildeten dort die offiziell „Independent Belgien Brigade“ genannte Einheit, die von dem belgischen Kommandanten Jean-Baptiste Piron geleitet wurde - daher der eher geläufigere Name „Brigade Piron“.

Diese Brigade war eine bunte Truppe. Ihr gehörten belgische Soldaten an, nach England geflohene Zivilisten und auch Landsleute, die bis dahin in der französischen Fremdenlegion gedient hatten. Sogar einige Männer aus anderen Ländern; z.B. einige Luxemburger, hatte sich diesem Trüppchen angeschlossen. Na ja, Trüppchen. Am Ende bestand diese Brigade aus rund 2.200 Mann.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

© IWM (B 5246)

Politisch gewollt

Die Zusammenstellung dieser Brigade geschah auch auf politischen Druck seitens der britischen Regierung, denn Premier Churchill und die Armeeführung in London wollten absolut, dass an der Befreiung Belgiens auch belgische Soldaten teilnahmen. Und noch während der Befreiung Belgiens selbst schlossen sich Mitglieder der hiesigen Resistance der „Brigade Piron“ an. Bevor die Grenze nach Belgien überschritten werden konnte, kämpften die Belgier Seite an Seite mit Franzosen, Briten und Amerikanern auch in der Normandie selbst. Dort haben sie bis heute ein hohes Ansehen. 

Die „Brigade Piron“ war an der Befreiung mehrerer Städte an der „Côte Fleurie“ beteiligt. Im Zuge der „Operation Paddle“ die zum Ziel hatte, die Seine-Mündung übernehmen zu können, um den Weg nach Paris freizumachen, halfen die Belgier die Deutschen aus den Städten Cabourg, Deauville und Honfleur zu verjagen. Eine kleine Brücke in Trouville bei Deauville, die damals im Juni 1944 schwer umkämpft war, heißt heute „Pont des Belges“, die „Brücke der Belgier“ (Foto unten). In der Ortschaft Merville gibt es sogar ein „Piron-Museum“. 

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Elite-Soldaten für den Kampf hinter der Front

Weitgehend unbekannt ist eigentlich die Geschichte der belgischen Soldaten, zumeist Fallschirmspringer, die zur britischen Elitetruppe SAS gehörten. Die Briten hatten 1941 ihren „Special Air Service“ gegründet, um hinter den deutschen Linien während des Krieges Sabotageakte durchzuführen, um Informationen und Erkenntnisse zu sammeln und um zu spionieren. Die belgischen SAS-Fallschirmsoldaten hatten genau solche Aufgaben als ihre wichtigsten Aufträge.

Da sie bereits in den Sommermonaten aktiv waren, sind sie es gewesen, die als erste Landsleute belgischen Boden betraten. Auch nach der Befreiung Belgiens wurden sie noch gebraucht und zwar bei der Ardennen-Offensive und später auch in den Niederlanden und auch bei der Eroberung des Deutschen Reichs durch die Alliierten.