"Jogaschnüffler" begrüßten ein Kreuzfahrtschiff in Antwerpen

Am Sonntag haben etwa 45 Demonstranten auf eine ganz besondere Art gegen die riesigen Kreuzfahrtschiffe protestiert, die immer häufiger auch den Hafen von Antwerpen anlaufen. Auf Jogamatten und mit Atemmasken ausgerüstet turnten sie wortlos drauflos, als die Touristen von Bord gingen. 

Die Stadt Antwerpen und der dortige Tourismusverband setzen auf die Kreuzfahrt, denn sie bringt kauflustige Tagestouristen in das Stadtzentrum. Und gerade das verärgert viele Bewohner der Hafenmetropole.

Diese riesigen Cruiseschiffe legen in unmittelbarer Nähe des Zentrums an und sorgen dort für schlechte Luft, denn ihre wenig umweltfreundlichen Antriebsaggregate laufen permanent, um die Schiffe weiter mit Energie zu versorgen. Die Abgase verbreiten sich ungehindert.

Gerade eine Stadt wie Antwerpen, die an anderer Stelle mit Umweltzonen und Fahrverboten auf bessere Luft setzt, steht hier in der Kritik. Das machen die "Jogaschnüffler" mit ihren kuriosen Protesten deutlich.

Ein weiterer Stein des Anstoßes ist das Vorhaben der Stadt, am Anlegeplatz am "Steen" einen Anleger für solche Cruiseschiffe zu bauen. Das will sich die Stadt 26 Mio. Euro kosten lassen. Während Städte wie Venedig oder Amsterdam von den umweltschädlichen Riesenschiffen die Nase im wahrsten Sinne des Wortes voll haben, investieren die Verantwortlichen an der Schelde in diese Art des Tourismus.

Nicht nur in Antwerpen

Auch andere flämische Städte profitieren von den "Kreuzfahrern". Brügge zum Beispiel. Doch hier legen die Schiffe an einem bestimmten Standort im Seehafen von Zeebrügge an und werden mit Bussen in die mittelalterliche Stadt gefahren. Dies ist allerdings auch nicht ganz unumstritten, denn um tausende von Reisenden von einem Kreuzfahrtschiff nach Brügge zu fahren, braucht es einiges an dieselnden Bussen...

Antwerpener Geschäftsleute und Gastronomen sehen die Sache ebenfalls mit gemischten Gefühlen. Sie sagen, dass diese Touristen kaum Geld in der Stadt lassen. Die Cruiseschiffe seien schwimmende Hotels "all inclusive", deshalb gingen diese Leute auch nichts essen oder kaufen, außer vielleicht Pralinen oder Postkarten.

Und die Kreuzfahrttouristen? Von denen stellten sich einige die Frage, ob Joga bei dem Gestank überhaupt gesund ist. Eben nicht. Darum geht es den "Jogaschnüfflern" ja gerade...

Übrigens, der Begriff „Jogaschnüffler“ stammt von Antwerpens Bürgermeister Bart De Wever (N-VA), der auf anhaltende Kritik wegen des Kokainhandels, den die Scheldemetropole nicht in den Griff bekommt angab, dass auch viele „hippe“ Antwerpener Alternative Koks schnüffeln würden…