„Wechselweise“: Vor 100 Jahren wurde das deutsche Grenzgebiet Eupen-Malmedy-St.Vith belgisch

In der ostbelgischen Kleinstadt Sankt Vith dokumentiert die Ausstellung „Wechselweise“ im dortigen Heimatmuseum den Wechsel der Staatsangehörigkeit der deutschsprachigen Belgier, der 1919 nach dem Ende des Ersten Weltkriegs mit dem Versailler Vertrag besiegelt wurde. Vor genau hundert Jahren wurde die deutsche Region Eupen-Malmedy-St. Vith, das heutige Ostbelgien, an der Grenze zu Aachen und Trier, wo die deutschsprachige Minderheit unseres Landes lebt, belgisch. Davor war diese Grenzregion erst preußisch und dann deutsch.

Mit diesen wechselnden Staatsangehörigkeiten befasst sich die Ausstellung. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die so genannten Ostbelgier übrigens erneut Nazi-Deutschland einverleibt, um nach Kriegsende wieder Belgier zu werden.

Der Geschichtsverein „Zwischen Venn und Schneifel“, der die Ausstellung „Wechselweise“ unter Leitung von Klaus-Dieter Klauser zusammenstellte, entschied sich als Ausgangspunkt für den Wiener Kongress von 1815. Damals wurde die Region, nach dem Fall Napoleons und der Herrschaft der Franzosen, zum ersten Mal zur Grenzregion. Hier verlief erst die Staatsgrenze zwischen den Niederlanden und Preußen und nach der Gründung Belgiens im Jahre 1830, die belgisch-preußische und später die belgisch-deutsche Grenze.

Nach Kriegsende musste Deutschland die deutsch-belgische Grenzregion Eupen-Malmedy-St.Vith an Belgien abtreten. 

Im Ersten Weltkrieg blieb der Region als Teil Deutschlands von Zerstörung verschont. Junge Männer wurden damals vom deutschen Reich zum Militärdienst eingezogen und viele starben an der Front. Nach Kriegsende musste Deutschland die deutsch-belgische Grenzregion Eupen-Malmedy-St.Vith an Belgien abtreten. Dagegen gab es in der Bevölkerung viel Widerstand. Die meisten wollten Deutsche bleiben.  Trotzdem wurde die Annektierung nach einer manipulierten Volksbefragung durchgeführt.

Neben umfangreichen Textmaterialien gehören natürlich auch Karten zur Ausstellung, die das Grenzen-Hin und -Her illustrieren. „Wir haben eine originale Karte, auf der man sieht, wie die Grenze vermessen wurde. Das hat zwei Jahre gedauert. Erst 1922 war die Grenze richtig vermessen“, so Ausstellungsmacher Klaus-Dieter Klauser im BRF, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk des deutschsprachigen Ostbelgiens. „Wir haben auch einige Schriften, die in dieser Zeit veröffentlicht wurden: Propagandaschriften, die argumentieren, warum das Gebiet zu Deutschland oder Belgien kommen muss.“

Wer aufs Lesen verzichten möchte, kann sich im Museum aber auch den Ausstellungsfilm ansehen oder eine Führung anfragen.

Die Ausstellung im St.Vither Heimatmuseum (im ehemaligen Bahnhofgebäude) ist noch bis Februar nächsten Jahres zu sehen. Sie ist zu den üblichen Öffnungszeiten (Montag bis Freitag: 13 bis 17 Uhr, Samstag: 14 bis 16 Uhr, Sonntag: 14 bis 17 Uhr) zu besichtigen. (Quelle:brf)