Nicolas Maeterlinck

Offener Brief: Flämische Unternehmer fordern eine gerechtere Steuerpolitik

55 Unternehmer aus Flandern setzen sich in einem offenen Brief, der sowohl an die flämische Landesregierung, als auch an die belgische Bundesregierung gerichtet ist, für eine gerechtere Steuerpolitik ein. Dabei scheuen die hier so genannten „Industriekapitäne“, allen voran Ex-Banken-CEO Karel De Boeck (Foto), auch keine Vorschläge, bei denen sie angestammte Vorteile verlieren. Die „Captains of Industrie“ wollen damit Belgien (und Flandern) wieder nach vorne bringen, denn sie beobachten, dass unser Land auf europäischer Ebene an Ansehen verliert.

Der offene Brief der 55 flämischen Unternehmer erschien am Dienstag im Wirtschaftsblatt De Tijd und fordert in Richtung der noch zu bildenden Regierungen in Flandern und Belgien weitgehende Anpassungen der Steuergesetzgebung. Die „Captains of Industrie“, allen voran der frühere CEO der Banken Fortis und Dexia, Karel De Boeck, setzen sich auch und gerade dafür ein, dass die hier noch zu findenden Steuerschlupflöcher geschlossen werden, „von denen vor allem große Unternehmen profitieren.“

Karel De Boeck sagte dazu am Dienstagmorgen gegenüber VRT NWS, dass man das eigentlich für nicht schlecht angesehene Strategiepapier der N-VA im Hinblick auf die gerade angelaufenen Koalitionsverhandlungen auf flämischer Landesebene durch einen „konstruktiven Beitrag“ ergänzen wolle: „Es liegt wirklich eine wachsende Besorgtheit über die Position vor, in der unser Land langsam aber sicher versinkt. Wir werden inzwischen bei den südeuropäischen Ländern katalogisiert. Das bedeutet: hohe Schulden, Haushalt noch nicht in Ordnung, wenig Reserven für die Renten und dies trotz hoher Steuereinnahmen. Das ist nicht gut.“

Es liegt wirklich eine wachsende Besorgtheit über die Position vor, in der unser Land langsam aber sicher versinkt. Wir werden inzwischen bei den südeuropäischen Ländern katalogisiert.“

Ex-Banken-CEO Karel De Boeck

„Unser Land muss hier etwas unternehmen. Der Arbeitsgrad muss höher werden, die Verwaltungskosten müssen sinken. Aber, wir müssen auch auf Vereinfachungen setzen. Und die Hintertürchen müssen geschlossen werden.“ In dieser Hinsicht plädieren die Wirtschaftsbosse für eine pauschale Steuer auf alle möglichen Einkommen, ob bei Privatpersonen oder bei den Unternehmen. Hier wäre eine einheitliche Steuer von 20 % sinnvoll.

Dass ausgerechnet die hiesigen „Captains of Industrie“ fordern, dass die hier möglichen Steuertricks verschwinden sollen, ist schon auffallend, doch Karel De Boeck und seine Mitunterzeichner scheinen das durchaus ernst zu nehmen. „Große Betriebe mit den besten Spezialisten profitieren über diese Hintertürchen von der Komplexität (des belgischen Steuerwesens (A.d.R.)), holen große Zuschüsse ein und zahlen kaum Steuern. Damit wird der Druck auf den braven Bürger und auf die anderen Firmen größer.“, lässt sich im offenen Brief der flämischen Unternehmer lesen.

Große Betriebe profitieren von Steuerschlupflöchern, holen große Zuschüsse ein und zahlen kaum Steuern. Damit wird der Druck auf den braven Bürger und auf die anderen Firmen größer.“

Offener Brief von 55 flämischen Wirtschaftsbossen

Doch der offene Brief enthält bei weitem nicht nur fiskale Themen, sondern befasst sich auch weiträumiger mit gesellschaftlichen Bereichen aller Art. Sie wollen z.B. den Arbeitsgrad erhöhen, indem sie fordern, dass Einwanderern schneller Arbeit vermittelt wird und zwar schon in dem Augenblick, in dem sie ihr Bleiberecht in der Tasche haben. Eine dahingehende Studie sollte klären, wie viele zusätzliche Einwanderer unsere Gesellschaft pro Jahr aufnehmen könne, ohne ihre Identität zu verlieren.

Die „Bosse“ wollen auch Verwaltung und Politik verkleinern. Das bedeutet eine Verschlankung der Provinzebene, ein Abschaffen des Senats (die Zweite Kammer im belgischen Bundesparlament), weitere Gemeindefusionen und eine weitere Anhebung des Renteneinstiegsalters. Zusätzliche Steuern z.B. auf Flugreisen und auf fossile Energiequellen sollen ermöglichen, die Abgaben auf Arbeit weiter zu senken.