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Wissenschaftlich untersucht: Messis Einfluss ist größer als Ronaldos

Wer ist der Beste? Messi oder Ronaldo? Sogar die Fußballfans nervt diese Dauerstreitfrage. Die angesehene Katholische Universität Leuven (KUL) hat eine neue Untersuchung verrichtet, die ein interessantes Licht auf die Antwort wirft.

Computerwissenschaftler der KU Leuven haben zusammen mit dem niederländischen Datenanalysebetriieb SciSports ein Modell entwickelt, das nicht nur die Tore und Assists von Messi, Ronaldo und Co. erfasst, sondern auch alle anderen Aktionen, die Fußballspieler auf einem Feld ausführen können.

Aktionswert geht über den reinen Torschuss hinaus

„Der Wert eines Fußballers wird häufig von den erzielten Toren und Assists bestimmt“, sagt Professor Jesse Davis. „Ein Tor erzielen ist allerdings eine recht seltene Aktion im Verhältnis zu den durchschnittlich 1500 Aktionen, die während 90 Minuten stattfinden. Unser Modell analysiert jede Spielaktion: Schüsse, Pässe, Dribbels, Tackels usw. und berechnet den Wert jeder einzelnen."

Dieser sogenannte Wert, der Valuing Actions by Estimating Probabilities (VAEP), gibt an, inwiefern die Aktionen eines Spielers zum Endstand beitragen, sowohl was die Torschüsse als die Verhinderung eines Gegentors betrifft.

Warum Messi besser ist

Die KUL-Untersuchung hat die Spiele der Saisons 2013-2014 bis 2017-2018 in der spanischen Meisterschaft analysiert. Also nicht die Spiele, die Lionel Messi und Cristiano Ronaldo auf europäischer Ebene oder mit ihrer jeweiligen Nationalmannschaft bestritten haben.

Als bester Fußballspieler aufgrund der Analyse seines VAEP-Werts geht eindeutig der Barcelona-Stürmer Lionel Messi hervor. Mit einem Resultat von 1,21 übertrifft der Argentinier deutlich den VAEP-Wert von Ronaldo mit 0,61 je Spiel.

“In den ersten Spielsaisons liegen die Werte von Messi und Ronaldo nahe beieinander”, sagt Doktorand Tom Decroos: “Ab 2015-2016 eilt Messi seinem ewigen Konkurrenten voraus.”

Bei vielen Fußballern, so stellen die Forscher fest, kommt es zu einem trade-off: Entweder sind sie sehr aktiv und haben die Aktionen keine große Auswirkung  - wie bei Paul Pogba, fügt Decroos hinzu – oder es gibt Spieler, die weniger oft zum Zug kommen und trotzdem prägend sind. Typisch für Spieler wie Harry Kane, Mohamed Salah und Cristiano Ronaldo.

Messi ist auf dieser Ebene eine Ausnahmeerscheinung: Der Argentinier ist sehr oft in Aktion und jede Aktion hat praktisch einen hohen VAEP-Wert.

Hazard und Ronaldo im Vergleich

Nachdem Ronaldo zu Juventus gewechselt hat und Eden Hazard ihn bei Real Madrid ersetzt, haben sich die Forscher gefragt, ob der Belgier den Abgang des Portugiesen auffangen kann.

Aus den Analysen der VAEP-Werte der beiden Spieler in der vorigen Saison geht hervor, dass beide einen ähnlichen VAEP-Wert hatten: Hazard, der für Chelsea spielte, hatte einen Aktionswert von 0,64 pro Spiel, Ronaldo von 0,61.

„Beide erbringen ähnliche Leistungen“, sagte Lotte Bransen von SciSports: „Ronaldo ist der klassische Torjäger. Hazard dagegen lässt sich mehr ins Spiel einbeziehen und sein Wert ergibt sich sowohl aus Torschüssen als auch Pässen und Dribbels. Um Cristiano Ronaldo zu ersetzen, wird der Einsatz von Hazard nicht genügen, so vermuten die Fußballforscher, sondern wird Real Madrid seine Taktik umstellen müssen.