Tausende Belgier drohen ihre Bankkonten zu verlieren, weil sie „zufällig in den USA geboren sind“

Belgische Banken sind verpflichtet, der US-amerikanischen Steuerbehörde Daten von in den USA geborenen belgischen Kunden zu übermitteln. Nicht alle belgischen Kunden, die in den USA geboren sind, verfügen jedoch über die erforderlichen Daten. Deswegen droht ihnen 2020 die Sperrung ihrer Bankkonten und den belgischen Banken eine extra Steuer von 30 Prozent auf Transaktionen zwischen Belgien und den USA. Der vom Wirtschaftsmagazin Trends veröffentliche Bericht wurde vom belgischen Bankenverband Febelfin bestätigt.

Belgier, die in den USA geboren sind, unterliegen der so genannten FATCA-Gesetzgebung. Der „Foreign Account Tax Compliance Act“ wurde im März 2010 von Präsident Barack Obama verabschiedet und weltweit begrüßt.

Das Gesetz verpflichtet die Banken, finanzielle Angaben an die amerikanische Steuerbehörde weiterzuleiten, um Steuerhinterziehung durch US-amerikanische Bürger zu verhindern. Seit 2015 sind auch die belgischen Banken verpflichtet, Bankdaten von Kunden, die die US-amerikanische Staatsangehörigkeit besitzen, mitzuteilen.

Das Gesetz gilt auch für Belgier, die in den USA geboren sind, sonst aber keinerlei Beziehung mehr zu dem Land haben. Weil sie dennoch als Amerikaner gelten, drohen sie jetzt ihre Bankkonten zu verlieren.

Formalitäten

Das neue Gesetz verpflichtet die belgischen Banken, die Daten dieser Kunden an die belgische Steuerbehörde zu senden, welche diese wiederum an die US-amerikanische Steuerbehörde sendet. Dieses Verfahren gilt auch in umgekehrter Richtung für Belgier, die in den USA leben.

Neben der Kontennummer und der BIC-Nummer der belgischen Finanzeinrichtung müssen auch Kontostand, Zinsen und Dividenden der belgischen Konten mitgeteilt werden.  Weil aber auch die amerikanische Sozialsicherheitsnummer („Tax Identification Number“) mitgeteilt werden muss, welche die zufällig in den USA geborenen Bürger oft nicht kennen, droht ihnen jetzt die Sperrung ihrer belgischen Konten.

Wer diese Nummer anfragen möchte, muss sich einer langwierigen und kostspieligen Prozedur unterziehen.

Sanktionen

ihnen saftige Geldstrafen. Die USA kann nämlich beschließen, 30 % Steuern auf alle Zahlungen von den USA aus an diese Bank zu erheben.

Zur Vermeidung dieser Sanktionen hat der belgische Banksektor beschlossen, die Bankkonten jener Kunden, deren Daten unvollständig sind, 2020 zu sperren.

Den Betroffenen stehen nur wenige Lösungen zur Verfügung: Sie können entweder eine Sozialsicherheitsnummer in den USA anfragen oder ihre US-amerikanische Staatsangehörigkeit abgeben. Beide Verfahren sind langwierig und teuer.

Betroffen

In Belgien sollen rund 1000 Personen von den Auswirkungen des Gesetzes betroffen sein. Wie viele Personen genau „zufällig in den USA geboren wurden und keine Sozialsicherheitsnummer haben“, ist nicht bekannt.