Nominierter belgischer EU-Kommissar: Wer ist Didier Reynders?

Der frankophone Liberale Didier Reynders (Foto) ist bereits seit den 1980er Jahren aktiv in der belgischen Politik. Der Jurist aus Lüttich war zunächst Mitarbeiter vom damaligen Vizepremier- und Justizminister Jean Gol als die MR noch PRL hieß. Vorher war der spätere belgische Finanz- und Außenminister sowohl Direktor von staatlichen Behörden, als auch in der Privatwirtschaft tätig. Reynders hat seit rund 20 Jahren Regierungserfahrung auf allen Ebenen. 

1985 übernahm Didier Reynders seine erstes Amt mit politischer Verantwortung, als er Generaldirektor für das Gemeindewesen in der Wallonischen Region wurde. Danach wurde er Kabinettschef von Bundesjustizminister Jean Gol und Mitglied im Lütticher Stadtrat. 1992 übernahm Reynders dann den Vorsitz der frankophonen Liberalen PRL (Partie Réformateur Libéral - Liberale Reformpartei) und er wurde in die Erste Kammer des belgischen Bundesparlaments gewählt, die sogenannte Abgeordnetenkammer. 1995 übernahm er dort auch den Fraktionsvorsitz der PRL. Nebenher blieb er auch aktiv in den PRL-Fraktionen auf wallonischer Regionalebene und auf Lütticher Kommunalebene.

Kommunal, regional, föderal und international seit Jahr und Tag aktiv

1999 aber übernahm er das Amt des Bundesfinanzministers in der Regierung Verhofstadt I. und behielt dieses Amt auch in der Regering Verhofstaft II. Als sein Parteikollege Louis Michel im Sommer 2004 EU-Kommissar für Entwicklung und Humanitäre Hilfe wurde, übernahm Didier Reynders für seine Partei das Amt des Vizepremiers. Im gleichen Jahr wurde die PRL zur MR, was Reformbewegung bedeutet (Mouvement Reformateur) und Reynders übernahm dabei den Parteivorsitz. 

12 Jahre lang Belgiens Finanzminister

Bis zum Rücktritt der Regierung Verhofstadt III. im März 2008 blieb Reynders Finanzminister und Minister für institutionelle Reformen. In der damals rasch gebildeten Regierung Leterme I. behielt Reynders alle bisherigen Ämter, was sich in den Folgejahren auch so in den Regierungen Van Rompuy und Leterme II. durchziehen ließ. In der Regierung Di Rupo verlor Reynders das Finanzministerium und wurde stattdessen Außenminister und übernahm zusätzlich auch die Verantwortung für den föderalen Bereich des Außenhandels und für Europäische Angelegenheiten. 

Umzug nach Brüssel

2012 verließ Reynders seine Geburtsstadt Lüttich, um sich in der Brüsseler Gemeinde Ukkel niederzulassen. Im Zuge dessen versuchte der frankophone Liberale in der Hauptstadt-Region politisch Fuß zu fassen, in dem er dort Ministerpräsident werden wollte, was aber nicht klappte, denn seine MR konnte hier die sozialistische PS nicht entthronen. 

Schafft Reynders den Sprung in ein internationales Amt?

Der belgische Noch-Außenminister ist seit geraumer Zeit nicht abgeneigt, einen international wichtigen Posten zu übernehmen. Doch der Versuch, Generalsekretär des Europarates zu werden, misslang auf der Zielgeraden, als man sich in Straßburg für die kroatische Kandidatin Marija Pejcinovic Buric entschied. Ob er jetzt tatsächlich EU-Kommissar werden kann, bleibt abzuwarten. Und welches Amt ihm in diesem Falle Kommissionspräsidentin Von der Leyen dann zusprechen würde, ist eine ganz andere Geschichte.