Die Lufthansa-Tochter Brussels Airlines muss jetzt richtig sparen

Zwei Monate, nachdem die Lufthansa beschlossen hat, ihre belgische Tochter Brussels Airlines (BA) aus der wackeligen Low-Cost-Gesellschaft Eurowings auszugliedern, um einen eigenen Kurs fliegen zu können, stehen Einsparungen an. CEO Christina Foerster will, so schreibt die flämische Wirtschaftszeitung De Tijd in ihrer Donnerstagsausgabe, dass die BA bis 2022 eine Gewinnmarge von 8 % erreicht. Das geht aber auch über Einsparungen bzw. über eine effizientere Kostengestaltung. Derzeit soll nur ein Sitz pro Brussels Airlines-Maschine einen Gewinn abwerfen…

Die Redaktion von De Tijd hatte die Möglichkeit, ein internes Dokument bei Brussels Airlines zu konsultieren, in dem mehr Deutlichkeit über die Erwartungen von CEO Christina Foerster in Sachen Gewinnorientierung zu finden war.

Der BA-Plan, mehr Umsatz und mehr Gewinn einzufliegen, der so genannte „standalone turnaroundplan“, wird jetzt durch dieses interne Papier, „reboot“ genannt, ergänzt. Und rein wirtschaftlich gesehen ist dies wohl auch bitter nötig. Eine durchschnittliche Maschine von Brussels Airlines verfügt über 154 Sitzplätze, doch nur einer davon wirft laut De Tijd effektiv auch einen Gewinn ab.

Mehr Produktivität plus Kostensenkung 

CEO Foerster verlangt eine Kostensenkung um 8 bis 12 %, um ihre Ambitionen durchsetzen zu können. Mindestens 8 % Kostensenkung seien notwendig, um die aktuellen und die anstehenden Investitionen zu finanzieren, so das interne Dokument. Bisher sorgte die Lufthansa für diese Finanzierung, doch Ziel ist, dies in Zukunft bei Brussels Airlines selbst zu bewerkstelligen.

Ob diese Ziele realistisch sind, bleibt abzuwarten. Eine Gewinnmarge von 8 % bei einem Umsatz von 1,5 Mia. € bei einem Ebit von 120 Mio. € ist kein einfaches Unterfangen, doch laut Transport-Volkswirten auch nicht unmöglich. Eine Erhöhung der Produktivität bei gleichzeitiger Kostensenkung könne sich rechnen, auch ohne Jobverluste, so Eddy Van de Voorde von der Antwerpener Universität (UA) gegenüber De Tijd. 

Mitdenken gefragt

Das Papier trägt Rechnung mit Faktoren wie Inflation, Indexierung, steigenden oder sinkenden Treibstoffpreisen, den steigenden oder sinkenden Erträgen der Flugzeugsitze usw. Das Personal wurde indirekt in dieses Konzept mit einbezogen. Nicht weniger als 728 Verbesserungsvorschläge erhielt das Brussels Airlines-Management von Seiten des Personals, sowohl Piloten und Kabinenpersonal, als auch die Mitarbeiter am Boden. Diese Vorschläge richteten sich fast alle an das Vorhaben, rentabler mit der gleichen Personalstärke vorzugehen, so De Tijd.

Alle Bereiche waren betroffen: Gepäckabfertigung, Catering, das Flugnetz, die Verwaltung uvm. Eines können die Brussels Airlines-Mitarbeiter von Management bis zu den Putzkolonnen aber nicht beeinflussen: Verluste durch externe Faktoren. Durch Probleme bei der Flugsicherung Skeyes und bei der Gepäckabfertigung am Brussels Airport erlitt die Lufthansa-Tochter alleine im laufenden Jahr bisher 5,5 bis 6 Mio. € Schaden…