Jede Woche droht 232 Mietern in Flandern die Räumung

Etwa 12.070 flämischen Mietern drohte im vergangenen Jahr durch die Friedensgerichtsbarkeit eine Räumung. Das sind 232 Mieter pro Woche, die mit einem Rauswurf aus ihrer Wohnung rechnen mussten. Die Zahlen stammen vom flämischen Sozialamt. Die Zahl der Mietkonflikte, die zu einer Räumung führen können, sei am Steigen, heißt es auch noch. Zahlen für Brüssel gibt es nicht, aber auch dort haben Friedensrichter eine ähnliche Entwicklung festgestellt.

"Die Zahlen bleiben dramatisch hoch, vor allem, wenn man weiß, dass auch Familien mit Kindern darunter sind", so Wim Dries, Vorsitzender des Verbandes der flämischen Städte und Gemeinden. Hauptursachen sind nach dem VVSG: ein Mangel an guten, bezahlbaren und energieeffizienten Wohnungen für Menschen mit niedrigem Einkommen und zu lange Wartelisten für Sozialwohnungen.

 Auch wenn noch weitere Faktoren einen Rolle spielten, glaubt der Verband: "Diese Mieter haben oft keine Arbeit, sind nicht in der Lage, ihr Budget zu verwalten und pflegen manchmal auch die Wohnung nicht. Manche Leute haben einfach nicht die Fähigkeiten, ihre Pflichten zu erfüllen."

Deshalb, erklärt Nathalie Debast, Sprecherin des VVSG in der Zeitung De Morgen, sei eine Prävention und Beratung dieser Menschen sehr wichtig. "Wir sehen das in Antwerpen, wo es lokale Mietvermittlungsprojekte gibt, die eingreifen, sobald ein Vermieter ein Problem meldet. Wir haben festgestellt, dass ein solcher Ansatz Früchte trägt. Auf diese Weise können Sie Eskalationen kontrollieren und verhindern, dass es zur Räumung kommt."

Eine andere Lösung sehen die Mieterverbände in der Beseitigung von Mietkonflikten vor Gericht. Joy Verstichele vom flämischen Mietverband in De Morgen: "Wir empfehlen gemeinsame Mietkommissionen als alternative Streitbeilegung. Diese Ausschüsse setzen sich aus Vertretern von Sozialvermietern und Mietern sowie Vertretern von ‘Wonen-Vlaanderen‘ zusammen und können sich mit Mietkonflikten befassen. Wenn man mit dem, was der Ausschuss sagt, nicht einverstanden ist, kann man immer noch vor Gericht gehen. Es handelt sich um ein System, das in den Niederlanden bereits erfolgreich angewandt wurde und viele soziale Tragödien verhindern kann."