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Mehr Chancen auf eine Arbeit: Franzosen in Dünkirchen lernen jetzt von klein auf Niederländisch

Die französische Hafenstadt Dünkirchen, unweit der belgischen Grenze, hat die Zeichen der Zeit erkannt: Damit die Kinder dieser Stadt später leichter Arbeit in Westflandern finden, organisiert die Stadt für 8 bis 11-Jährige zusätzliche Sprachworkshops, in denen nicht nur Englisch, sondern auch Niederländisch unterrichtet wird. Der Stadtrat geht sogar noch einen Schritt weiter. Experimentell erhalten die jüngsten Kindergartenkinder einer Schule an zwei Tagen in der Woche ihren Unterricht ganz auf Niederländisch.

Es ist ein Ansatz, der bereits in der französischsprachigen Bildung in Belgien existiert, aber in Frankreich absolut Premiere hat. Und die westflämischen Firmen können sich schon jetzt freuen, denn die Lücken auf dem Arbeitsmarkt sind so groß, dass schon heute zahlreiche Franzosen in diesen Firmen arbeiten. Noch hört man dort deshalb oft viele Mitarbeiter mehr Französisch als Niederländisch sprechen. Das könnte sich mit dem Nachwuchs aus Dünkirchen irgendwann vielleicht ändern.

Wie die Zeitung De Standaard schreibt, arbeite der Stadtrat bei deisem Projekt mit dem französischen Bildungsministerium zusammen. Nach drei Schuljahren finde eine Bewertung statt. Die Inspiration komme von einem ähnlichen Projekt mit deutschsprachiger Bildung im Elsass, an der Grenze zu Deutschland. Auch die Vorschullehrer selbst müssten zweisprachig sein. Sie würden von einem niederländischsprachigen Assistenten unterstützt und es gebe grenzüberschreitende Praktika bei flämischen Lehrern.

Das Experiment konzentriert sich auf die erste Kindergartenklasse. „Wir wollen, dass Niederländisch vom frühestmöglichen Alter an gelernt wird", heißt es. Wissenschaftliche Studien unterstützen die Idee: Je jünger die Kinder eine Sprache erlernen, desto besser gelingt ihnen dies. Die Tatsache, dass Kleinkinder zwei Sprachen gleichzeitig lernen müssen, kann zu einer langsameren Sprachentwicklung am Anfang führen. Doch am Ende werden sie auf dem gleichen Niveau sein wie ihre Kameraden, die nur eine Sprache lernen.

Die Initiatoren werden mit den Worten in De Standaard zitiert: "Das Angebot der niederländischsprachigen Bildung in dieser Grenzregion soll zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten für unsere jungen Menschen in Flandern und den Niederlanden schaffen". Bereits jetzt gehen Nordfranzosen massenhaft auf der anderen Seite der Grenze, das heißt in Westflandern, arbeiten. „Ohne sie hätten wir hier ein großes Problem ", so Bert Mons, Generaldirektor von Voka (Unternehmernetzwerk) Westflandern. „Ich denke, es ist eine großartige Initiative. Die Nachfrage nach zusätzlichen Arbeitskräften wird in naher Zukunft nicht verschwinden. Wir brauchen sie dringend.“