Mordprozess: Ex-Abgeordneter Van Eycken zu 23 Jahren Haft verurteilt

Der frühere flämische Parlamentsabgeordnete Christian Van Eycken und seine Frau, Sylvia Boigelot, wurden von einem Brüsseler Gericht am Dienstag zu jeweils 23 Jahren Gefängnis wegen des Mordes an Marc Dellea, dem früheren Ehemann der Angeklagten, verurteilt. Das gesamte Verfahren hatte fünf Jahre in Anspruch genommen. Die beiden Angeklagten hatten stets behauptet, nichts mit dem Mord zu tun zu haben, doch alle Elemente in diesem Indizienprozess sprachen gegen sie. Beide Angeklagte wurden nach der Urteilsverkündung nicht im Gerichtssaal festgenommen, da laut Gericht keine Fluchtgefahr bestehe.

Der zuständige Richter am Brüsseler Strafgericht nannte die Tat, um die es hier ging, eine feige und kaltblütige Tat.  Ursprünglich war nur Sylvia Boigelot , die damalige Gattin des Getöteten Marc Dellea, unter Mordverdacht festgenommen worden. Boigelot und Dellea waren zum Zeitpunkt der Tat in eine Ehescheidung verwickelt. Und, die Verdächtige hatte bereits ein Verhältnis mit Christian Van Eycken, deren parlamentarische Mitarbeiterin sie war. Doch dann tauchten die Bilder einer Überwachungskamera auf, auf denen zu sehen war, wie Boigelot und Van Eycken gemeinsam den Tatort, die gemeinsame Wohnung der mutmaßlichen Mörderin und des Opfers, am Tag der Tat betraten.

Christian Van Eycken stand also zu Prozessbeginn unter dem dringenden Verdacht, gemeinsam mit seiner damaligen Geliebten und heutigen Ehefrau deren Ehemann umgebracht zu haben. Die Ermittlungen der Justiz hatten schon 2014 ergeben, dass sich die damalige Geliebte Christian Van Eyckens zum Zeitpunkt des Todes von ihrem Ehemann scheiden lassen wollte. Ihr Verhältnis mit ihrem Vorgesetzten sei dafür der Grund dafür gewesen. Bei dem Scheidungstreit ging es unter anderem um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter. 

Mord aus Leidenschaft? 

Im Juli 2014 fand die Polizei die Leiche eines 45 Jahre alten Mannes in seinem Bett im Brüsseler Ortsteil Laken. Der Mann wies eine Schussverletzung im Hinterkopf auf. Die damals 38 Jahre alte Frau des Getöteten hatte seinerzeit die Polizei alarmiert. Diese Frau war damals die Sekretärin von Christian Van Eyken, der auf der frankophonen Einheitsliste Union des Francophones (heute Défi) an den flämischen Landtagswahlen in der Provinz Flämisch-Brabant teilgenommen hatte und ins Landesparlament gewählt wurde.

Kurz danach wurde der nun ehemalige Abgeordnete wegen Mordverdacht in Untersuchungshaft genommen. Van Eycken wurde aber aufgrund eines Formfehlers rasch wieder freigelassen. Auf dem Haftbefehl fehlte die Unterschrift des Ermittlungsrichters, der die Verhaftung angeordnet hatte. Dies ist aber gesetzlich vorgeschrieben.

Formfehler

Das bedeutete, dass Christian Van Eycken in Erwartung eines möglichen Prozesses gegen ihn, nicht mehr ins Gefängnis musste. Trotz Mordverdacht war damit eine Untersuchungshaft nicht mehr möglich. Seine heutige Ehefrau verbrachte allerdings einige Zeit in Untersuchungshaft, wurde aber später mit einer Fußfessel zur elektronischen Überwachung aus der U-Haft entlassen.

Das flämische Parlament hatte die parlamentarische Immunität des Angeordneten Van Eycken am 6. Januar 2016 auf Empfehlung der Staatsanwaltschaft aufgehoben und trat in diesem Verfahren als Nebenkläger auf. Christian Van Eycken saß zwischen 1995 und offiziell 2019 für die damalige Union des Frankophones, aus der die heutige Défi entstanden ist, als einziger französischsprachiger Abgeordneter im flämischen Landesparlament. Bei den vergangenen Parlaments- und Regionalwahlen im Mai 2019 hatte Van Eycken nicht mehr kandidiert. Die beiden Verurteilten werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gegen das Urteil in Berufung gehen.