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Noch immer erhalten 17 Belgier eine "Nazi-Rente" aus Deutschland

Die flämischen Tageszeitungen Het Laatste Nieuws und De Morgen melden in ihren Dienstagsausgaben, dass noch immer 17 Belgier eine sogenannte „Nazi-Rente“ aus Deutschland erhalten. Bei dieser Rente handelt es sich um eine „Zuwendung für während des Krieges erlittene körperliche Leiden“, die über das deutsche Bundesversorgungsgesetz (BVG) ausgezahlt werden. Zum ersten Mal bestätigte die deutsche Bundesregierung jetzt die Existenz von solchen Zahlungen. 

Die aktuellen Zahlen, auf die sich die flämischen Blätter beziehen, stammen von der deutschen Staatssekretärin für Arbeit, Kerstin Griese (SPD), die diese auf Anfrage der deutschen Bundestagsabgeordneten Ulla Jepke (Die Linke) vorlegte. Jepke versucht seit Jahren gemeinsam mit Angehörigen und Nachfahren von Holocaust-Opfern herauszufinden, ob noch immer undeutliche Zahlungen aus Deutschland an Personen fließen, die sich während des Zweiten Weltkriegs und der Nazizeit in irgendeiner Form etwas zu Schulden haben kommen lassen.

Doch nicht alle der insgesamt weltweiten 63.159 Empfänger von Zahlungen aus dem Bundesversorgungsgesetz sind alte Nazis. Oftmals, so Staatssekretärin Griese, handelt es sich dabei auch um Witwen oder um die Kinder von während des Krieges umgekommenen Personen, die mit dem Dritten Reich in Verbindung standen. 

Fast 2.500 hochbetagte Senioren in Belgien erhalten eine deutsche Rente 

Laut BVG-Statistiken erhalten auch 2.487 Belgier über 88 Jahre eine monatliche Rente aus Deutschland. Doch dazu sagte Staatssekretärin Griese gegenüber De Morgen: „Es ist nicht möglich zu bestimmen, ob diese Pensionen in Verbindung mit der Kriegszeit stehen.“ Doch dies kann sehr wohl möglich sein.

Bis Ende der 1970er Jahre wurde z.B. ehemaligen freiwilligen Ostfront-Kämpfern aus dem belgischen Bundesland Flandern in der Mitgliederzeitschrift ihres Verbandes, dem Sint-Maartensfonds, dazu geraten, sich an die deutschen Rentenämter zu wenden, um eine Pension für die „verlorenen Jahre“ 1940 bis 1945 zu beantragen, falls diese danach z.B. eine Zeit lang wegen Kollaboration oder aufgrund Verfügungen der Alliierten in Haft verblieben oder eventuell in Kriegsgefangenschaft geraten waren. 

Heim ins Reich“ geholte Ostbelgier 

Wahrscheinlich lebt der größte Teil dieser 2.487 Bezugsempfänger aber heute in den belgischen Ostkantonen (in der heutigen Deutschsprachigen Gemeinschaft und einigen benachbarten wallonischen bzw. frankophonen Gemeinden), denn dieser Landesteil wurde nach 1940 „heim ins Recht“ geholt und die dortigen Einwohner wurden damals automatisch Deutsche. Nach dem Krieg wurde diese Region wieder belgisch und die Ostbelgier erhielten auch wieder die hiesige Staatsangehörigkeit, die sie seit Ende des Ersten Weltkriegs hatten.

Von Seiten der belgischen Botschaft in Brüssel hieß es dazu noch 2017 laut De Morgen und Het Laatste Nieuws, dass solche „Zuschläge nicht an Personen ausgezahlt werden, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben.“ 

Mehr Transparenz gefordert

Dazu entgegnete Staatssekretärin Kerstin Griese allerdings jetzt: „Die Bundesregierung hat keine Kenntnis darüber, wie die Untersuchungen in individuellen Fällen ausgeführt wurden.“

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Belgien und in anderen europäischen wird nach wie vor mehr Transparenz dazu gefordert, wie es zu solchen Zahlungen kam und wer davon seit dem Kriegsende profitieren konnte. Aus Frankreich wurde z.B. bekannt, dass dort mindestens drei freiwilligen Waffen SS-Soldaten Zuwendungen aus dem Bundesversorgungsgesetz erhalten haben…