EU-Hilfsgelder: Der Brexit wird wie eine Naturkatastrophe behandelt

Im Falle eines Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union ohne ein Abkommen - ein sogenannter "No Deal-Brexit" - wird die EU-Kommission einen Fonds nutzen, der eigentlich für Naturkatastrophen angelegt wurde. Rund 600 Mio. € sollen aus dem "European Solidarity Fund" freigemacht werden, um EU-Mitgliedsländern dabei zu helfen, durch den Brexit entstehende wirtschaftliche Probleme abzufedern oder zu kompensieren. Weitere 180 Mio. € kommen aus dem Globalisierungsfonds.

Belgien ist einer der EU-Staaten, die von einem Brexit und erst recht von einem "No Deal-Brexit" betroffen sein wird. Die Universität Löwen (KU Leuven) errechnete vor einiger Zeit, dass ein Austritt der Briten aus der EU rund 42.000 Arbeitsplätze in Belgien kosten werde. Besonders schwer wäre zudem das belgische Bundesland Flandern betroffen, denn alleine hier würden 28.000 Jobs verloren gehen.

Die scheidende belgische EU-Kommissarin für Arbeit und Soziales, Marianne Thyssen (CD&V/EVP - Foto oben) sagte dazu am Mittwoch gegenüber VRT NWS, dass auch unser Land aus diesem Topf, dem "European Solidarity Fund" (600 Mio. €), Hilfe beantragen kann, um z.B. soziale Folgen zu tragen: "Einen harten Brexit können wir als eine Art Katastrophe ansehen." Das bedeutet quasi, dass ein "No Deal-Brexit" einem Erdbeben, einer Dürre oder einer Überschwemmung gleichkäme…

Doch dieser Vorgang ist bittere Realität, so EU-Kommissarin Thyssen: "Schon 2019 und 2020 können Arbeitnehmer, Arbeitgeber oder Selbständige in Anmerkung für Geld aus diesem Globalisierungsfonds (180 Mio. ) kommen. Das gilt z.B. als Unterstützung, wenn man sich umschulen will oder als Zuschuss, wenn man seinem mittelständischen Betrieb einen neuen Anschub geben muss."