Vor 75 Jahren wurde Brüssel von den Alliierten befreit

In diesen Tagen wird in der belgischen Hauptstadt der Befreiung von  den Deutschen durch die Alliierten vor genau 75 Jahren gedacht. Am Abend des 3. Septembers 1944 erreichten die ersten alliierten Verbände den Stadtrand von Brüssel. Die Deutschen wurden von dem raschen Vormarsch der Befreier völlig überrascht und es kam glücklicherweise kaum zu Kampfhandlungen.

In der Nacht vom 2. auf den 3. September 1944 hatten britische Panzereinheiten unter dem Kommando von Feldmarschall Montgomery im nordfranzösischen Douai die Grenze zwischen Frankreich und Belgien überschritten und konnten fast ungehindert über die Provinz Hennegau in Richtung Brüssel vordringen. Via Lesdain, Tournai, Mons Ath und Enghien/Edingen erreichten sie den Brüsseler Vorort Halle.

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In der Nähe von Edingen stießen die Truppen auf dem Weg nach Brüssel auf deutschen Widerstand, was eher selten der Fall war/Foto IWM (BU 401)
Britische und US-Panzer fahren bei Halle an deutschen Kriegsgefangenen vorbei/Foto: IWM (BU 546) Tom Severs

Am Abend des 3. September hatte dann quasi eine Vorhut des First Battalion der Welsh Guards Brüssel befreit. Die alliierten Soldaten und die darin integrierte belgische Brigade Piron, denen rasch Mitglieder des belgischen Widerstands zur Seite standen, hatten die Deutschen völlig überrascht. In deren Kommandozentralen war man gerade noch damit beschäftigt, Akten und Pläne zu verbrennen.

Die Nazis hatten verschiedener Orts Feuer gelegt, wohl um Dokumente zu vernichten. Das passierte unter anderem im Brüsseler Justizpalast, im Funkhaus am Flagey-Platz und im Hotel Windsor. Doch die Bevölkerung half sofort beim Löschen und beim Retten von Papieren und Büchern vor den Flammen. Am Jubelpark kam es zu Gefechten, bei dem viele Wehrmachtssoldaten noch gefallen sind. Als die ersten US-Panzer den Ort des Geschehens erreichten, waren die Kampfhandlungen bereits zu Ende.

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Zivilisten retten Dokumente aus dem brennenden Brüsseler Justizpalast

"Kolonne der Befreieung"

Seit einigen Tagen folgt eine „Kolonne der Befreieung“, die aus etwa 20 modernen Militärfahrzeugen der belgischen Armee und aus rund 50 teilweise restaurierten Panzern, Jeeps und anderen Fahrzeugen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs besteht, dem Weg der damaligen Truppenbewegungen. Am Dienstag kamen diese Fahrzeuge in Brüssel an, wo die begrüßt wurden. Am Jubelpark fand eine Zeremonie statt.

Symbolisch waren gleich mehrere „Sherman“-Panzer dabei, die zu diesem Anlass vom belgischen War Heritage Institute in einer Kaserne im südbelgischen Bastogne originalgetreu und betriebsfähig restauriert wurden. Die „Shermans“ wurden von britischen und von amerikanischen Truppen genutzt und wurden damals in großer Zahl hergestellt und auch hier und beim Vormarsch auf das Deutsche Reich eingesetzt.

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Ein "Sherman" auf dem Weg nach Brüssel/Foto IWM
Ein "Sherman"-Tank im Brüsseler Armeemuseum

Die US-Armee baute 49.000 Stück vom „Sherman“, auch als Typ M4 bezeichnet. Diese Panzer wiegen rund 30 Tonnen und verbrauchen mit ihren 9 Zylinder-Sternmotoren zwischen 400 und 500 Liter Benzin pro 100 km. Mit 5 Mann Besatzung, einer Panzerung von 38 bis 76 mm und einer Stärke von 350 PS waren diese Fahrzeuge universell einsetzbar, auch wenn ihre Reichweite nach Tankgrößte lediglich bei 190 km lag. Benannt wurden sie nach dem US-General William T. Sherman.

Im weiteren Verlauf ihrer Fahrt 75 Jahre nach der Befreiung wird die „Kolonne der Befreieung“ noch Mechelen, Antwerpen und Turnhout (alle in der Provinz Antwerpen) anfahren. Beendet wird diese Rundreise am 15. September am belgischen Truppenübungsplatz in Leopoldsburg in Limburg, bzw. am Auffanglager Breendonck, wo die Alliierten für die Deportation vorgesehene Menschen befreien konnte.

Einer der restaurierten "Sherman"-Panzer der "Kolonne der Befreieung" im Brüsseler Jubelpark