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Armutsorganisationen besorgt: Zahl der durch Inkassobüros angelegten Akten so hoch wie nie zuvor

In Belgien sind noch nie zuvor so viele neue Akten zur Einziehung unbezahlter Rechnungen angelegt worden. Das sagt der Inkassobüro-Sektor.

Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden bereits knapp 300 Millionen Euro an neuen Rückforderungen eröffnet, 20 Prozent mehr als im Vorjahr.

Je nach Branche nehmen Unternehmen eher die Dienste eines Inkassobüros in Anspruch, da dies schneller ist als ein langwieriges Gerichtsverfahren. Armutsorganisationen reagieren mit Sorge auf diese Rekordzahlen. David De Vaal vom ‘Netzwerk gegen Armut‘ sagte im VRT-Radio: „Schon jetzt sehen wir, dass die Kosten zunehmen können und dass die Menschen manchmal nur einen Minimalbetrag zum Überleben übrig haben, weil sie ihre Schulden abbezahlen müssen.“

Das Netzwerk gegen Armut fordert einen strukturellen Ansatz zur Lösung des Schuldenproblems. "Wir müssen zunächst sicherstellen, dass die Kosten der Schulden nicht zunehmen und dass die Gläubiger ihr Geld bekommen. Auch das ist wichtig. Doch das muss machbar sein, so dass sich die Schuldenspirale nicht weiter zuspitzt. Die Menschen müssen noch ein menschenwürdiges Leben führen können."

Die flämische sozialdemokratische Abgeordnete, Annick Lambrecht (SP.A), sagte im VRT-Radio am Morgen, dass sich Energieunternehmen, aber auch Schulen und Krankenhäuser zu schnell an Inkassobüros wenden würden. "Und dann beginnt das Elend für die Leute. Eine Schuld muss eingetrieben werden, aber es sind diese schrecklichen Kosten, die sie mit jedem Brief anrechnen, der diese Leute in eine Spirale der Schulden stürzt."

Lambrecht plädiert für mehr Verständnis: „Häufig ist es eine Frage der Nachlässigkeit oder es handelt sich um einen kurzen Zeitraum, in dem es die Leute etwas schwerer haben. Und dann wird sofort mit unmenschlichen Kosten begonnen. Langfristig zahlen die Menschen also nicht nur die Schulden zurück, sondern müssen auch Schulden machen, um die Kosten zu tragen. Das ist echt ein Problem."

Zum Beispiel will Lambrecht, dass Schulen zusätzliches Geld und Personal erhalten, so dass sie in der Lage sind, Schulden auf eine "menschlichere" Weise einzuziehen, anstatt zu solchen Inkassobüros zu greifen. "Die Investition in ein humaneres Schuldeneintreiben zahlt sich von selbst aus."