Ausgediente Ölplattformen: Shell will die Betonfundamente stehenlassen

Der Ölkonzern Shell will die Betonfundamente von drei ausgedienten Ölbohrtürmen in der Nordsee stehen lassen. Doch damit haben Belgien, vier weitere Nordseeanrainerstaaten und die EU-Kommission ein Problem. Großbritannien jedoch will dem Ölkonzern eine entsprechende Genehmigung erteilen. Das ist fast problemlos möglich, denn die Ölplattformen befinden sich in britischen Hoheitsgewässern. Allerdings liegt ein internationaler Vertrag der Nordseeländer vor, der einen solchen Vorgang vermeiden soll. 

Bei den drei Ölplattformen handelt es sich um die ausgedienten Türme Brent Bravo, Brent Charlie und Brent Delta, die sich in britischen Hoheitsgewässern zwischen den Shetland-Inseln und Norwegen befinden. Shell ist gerade dabei, diese Bohrtürme zu verschrotten, doch die aus Beton gefertigten Fundamente, die jeweils 24 Meter aus der Wasseroberfläche herausragen, sollen stehenbleiben.

In diesen Fundamenten befinden sich noch insgesamt 11.000 Tonnen an Ölresten und Chemikalien, die beim langsamen Abbröckeln des Betons durchaus in die Nordsee fließen würden. Shell gibt dazu an, dass es 750 Jahre lang dauern werde, bevor sich die Betontürme auflösen und die Inhalte würden in dieser Zeit nur langsam abfließen und sich in der Umwelt nur mit minimalen Auswirkungen auflösen.

Von dieser Aussage halten die Nordseeanrainerstaaten Belgien, Deutschland, Schweden und die Niederlande sowie Luxemburg nichts. Auch die EU-Kommission hat schwere Bedenken und schenkt den Behauptungen von Shell, ein Abreißen der Betonfundamente sei ein Risiko und für die entsprechenden Arbeiter zu gefährlich, nur wenig Glauben. Hier befürchtet man, dass sich im Beton Risse bilden können, durch die der gesamte Inhalt ungehindert ins Meer fließen würde.

Wir fordern absolute Sicherheit über die Folgen für die Umwelt. Und die kann uns das Unternehmen derzeit nicht bieten“

Belgiens scheidender Nordseeminister, Philippe De Backer

„Wir fordern absolute Sicherheit über die Folgen für die Umwelt. Und die kann uns das Unternehmen derzeit nicht bieten“, so Belgiens scheidender Bundesminister für die Belange der Nordsee, der flämische Liberale Philippe De Backer (Open VLD). Doch die Sache hat einen politischen Haken: Die Ölbohrtürme befinden sich in britischen Gewässern und die Erteilung einer Genehmigung für Shell, die Betonfundamente stehen zu lassen, liegt bei der britischen Regierung. Und die scheint geneigt zu sein, dem Ölkonzern eine Ausnahmegenehmigung zu erteilen.

Doch im sogenannten Ospar-Vertrag haben sich alle Länder, die an der Nordsee liegen, dazu verpflichtet, ausgediente Ölplattformen vollständig abzubauen, wenn diese nicht mehr gebraucht werden. Das bedeutet, dass die Briten Shell eine Ausnahme von diesem Vertrag zugestehen würden.

Theoretisch kann Großbritannien die Bedenken Belgiens, der anderen klagenden Länder und der EU-Kommission ignorieren. Im Oktober ist ein Treffen der Ospar-Vertragspartner geplant. Aus dem Kabinett des belgischen Nordseeministers verlautet dazu: „Auch ein Vertreter unseres Landes wird dann dabei sein. Wir wollen diesen Vorgang aus nächster Nähe verfolgen.“