Foto: Andreas Kockartz

Red Star Line-Museum: Auf der Suche nach seinen Wurzeln

Das Red Star Line-Museum in Antwerpen zeigt noch bis zum 6. Oktober 2019 eine kleine aber höchst interessante Ausstellung über die Suche nach Herkunft. Dieser Ort, über den so viele Europäer nach Amerika ausgewandert sind, bietet als Zwischenstation für Aus- und Einwanderer einen symbolisch besonders spannenden Hintergrund für die Suche nach Vor- oder Nachfahren. „Wurzelsucher“ nennt sich diese Ausstellung frei übersetzt.

Das Red Star Line-Museum stellt beim Besuch der Ausstellung „Wurzelsucher“ ganz eindeutige Fragen: Wie baut man seinen Stammbaum auf, wenn es keine Spuren mehr gibt? Welche Spuren will man selbst auf dieser Welt zurücklassen? Antworten kann das Museum nicht bieten, wohl aber Hilfestellung bei der Suche nach Antworten. „Wurzelsucher“ erzählt die Geschichten von Menschen, die sich auf die Suche gemacht haben und die dabei fündig wurden - oder auch nicht. Diese Geschichten sind oftmals sehr emotional und rührend aber auch packend und vereinnahmend.

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Foto: Andreas Kockartz

Einige der Personen, die hier ihre eigene Geschichte erzählen, sind erst über einen Besuch im Red Star Line-Museum auf die Idee gekommen, selbst nach ihren Vorfahren zu suchen. Spannend ist dabei, dass es sich hier nicht immer um Familien handelt, die auch über den Antwerpener Hafen in die „Neue Welt“ Amerika ausgewandert sind, sondern es sind auch Menschen darunter, die hierher, nach Belgien gekommen sind, bzw. die hier mit ausländischen Wurzeln in unserem Land leben.

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Zunächst werden Geschichten erzählt von Menschen, die über den Antwerpener Hafen, z.B. mit den Ozeanriesen der Red Star Line, in die USA ausgereist sind. Tatsache ist, dass diese Auswanderer hier in Dokumenten und Akten vermerkt sind. Oftmals kamen die „Wurzelsucher“ nur mit einem kleinen zerknitterten Foto oder einem alten Brief oder einer Postkarte an, um hier in den Archiven des Museums weiterzusuchen.

Neugierig macht dabei „Norway“, doch hier handelt es sich nicht um Norwegen, sondern um eine kleine Stadt in Michigan/USA, auch gerne „Belgium Town“ genannt, denn dort lebt eine große Gemeinschaft von Menschen, die aus Belgien nach Amerika ausgewandert sind. 2015 trafen sich einige Nachfahren aus Norway im Red Star Line Museum in Antwerpen und tauschten dort Informationen aus, die ihnen dabei halfen, Vorfahren zu finden, die zur Familie ihrer Eltern und Großeltern in Amerika gehörten.

Aus allen Ecken Flanderns waren diese Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts in die USA emigriert und in diesen Ecken endete die Spurensuche, wie die Ausstellung zeigt. Dabei waren auch Nachfahren von Auswanderern, die nach ihren ausgewanderten Vorfahren in den USA suchten.

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Unter denen, die dem Museum ihre Geschichte erzählt haben, sind z.B. auch einige junge in Belgien lebende Frauen, deren Vorfahren aus Marokko, eines der klassischen Einwanderungsländer für Belgien, stammen. Generationen nach denen sich ihre Vorväter nach hier aufgemacht haben, um hier Geld zu verdienen und ein neues Leben zu beginnen, suchten sie in deren Heimat nach Menschen und Geschichten, um ihre eigene Herkunft besser definieren zu können. Auch hier werden rührende und packende Geschichten erzählt, die auch damit zu tun haben, dass es nicht selten mutig ist, nach den eigenen Wurzeln zu suchen. Dies nicht selten in Ländern, zu denen man vielleicht gar keinen Kontakt mehr hat…

Aber, „Wurzelsucher“ verschweigt auch nicht, dass sich manche Zeitgenossen auch vergeblich auf die Suche nach ihren Vorfahren, nach ihrer eigenen Familiengeschichte begeben haben. Auch hier musste Mut an den Tag gelegt werden und zwar den Mut zu haben, irgendwann aufzugeben und eben nicht herausfinden zu können, woher man stammt oder wer die eigenen Vorfahren sind. Andere Probleme sind die, herauszufinden, was an den Geschichten, die man irgendwie und irgendwo erfährt, auch tatsächlich wahr ist und was vielleicht konstruiert oder einfach zusammengesponnen wurde.

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Das Red Star Line-Museum will mit dieser Ausstellung die Menschen dazu anregen, sich doch einmal tatsächlich ins Unbekannte zu begeben und nach seinem Ursprung zu suchen. Dass dies mitunter ein schönes Abenteuer sein kann, wird ebenso deutlich, wie die Tatsache, dass man auch enttäuscht werden kann. Illustriert werden die gefilmten Interviews, die vielen Texte und Briefe mit vielen kleinen Details, wie alte Familienfotos, historische Postkarten, Briefe und auch mit Erinnerungsstücken. 

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Hilfestellung bietet das Museum mit kostenlosen Broschüren in mehreren Sprachen, die alles, was gelesen werden sollte, übersetzen. Das Ambiente in der historischen Eingangshalle des Red Star Line-Museums bietet ebenso spannende Eindrücke, wie das Konzept der Ausstellung mit kleinen Ecken, in die man eintauchen kann und einigen kleinen Dekorationen aus Möbeln, alten Gegenständen, Landkarten und vieles mehr.

„Wurzelsucher“ („Rootszoeker“), noch bis zum 9. Oktober 2019 im Red Star Line-Museum, Montevideostraat 3, 2000 Antwerpen. Eintritt frei, übersetzte Broschüren kostenlos. Info: www.redstarline.be

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