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Was tun bei Depressionen? Grübeln unter Freundinnen hilft eher weniger

Der Standardratschlag bei Depression, nämlich dass Reden helfe, scheint nicht für junge Menschen zuzutreffen, die über ihre Probleme mit Gleichaltrigen sprechen. Das Gegenteil ist offenbar der Fall. Forscher der KU Löwen haben herausgefunden, dass junge Menschen, die nur mit anderen jungen Menschen über ihre Probleme sprechen, zu sehr in ihren negativen Gefühlen stecken bleiben.

Die Psychologen der KU Löwen begleiten seit drei Jahren zweitausend Jugendliche aus verschiedenen Schulen. Eine erste auffällige Beobachtung: 17% hat mit depressiven Gefühlen zu kämpfen. Die zweite Beobachtung: Wenn die jungen Leute miteinander darüber reden, hilft das nicht, im Gegenteil. Insbesondere bei Mädchen hilft Grübeln unter Gleichaltrigen eher nicht.

Margot Bastin, Forscherin an der psychologischen Fakultät der KU Löwen, betonte in der VRT hierzu: „Wir haben zwei Dinge festgestellt: Erstens reden Mädchen sowieso schon mehr miteinander. Das ist kaum verwunderlich, da Mädchen auch eher über ihre Gefühle reden. Doch sie sind auch anfälliger für das Phänomen.“

„Nach unseren Feststellungen sind bei Mädchen und Jungen, die miteinander reden, die Mädchen anfälliger für Depressionen.“

Die Forscher haben zudem festgestellt, dass die jungen Leute, die über ein Problem gemeinsam grübeln, zu sehr in ihren negativen Gefühlen stecken bleiben. “Im Allgemeinen wird immer gesagt, redet über Eure Probleme. Auch Kampagnen zielen darauf ab. Als Forscherin unterstütze ich das natürlich. Doch auf was wir aufmerksam machen möchten, ist, dafür zu sorgen, dass das gemeinsame Reden nicht zum gemeinsamen Grübeln übergeht, wobei dann konstant ein Fokus auf diesen negativen Gefühlen und Problemen liegt“, so Margot Bastin auch noch. In diesem Fall beeinflussen sich junge Leute gegenseitig nämlich negativ.

Zahlreiche Untersuchungen hätten gezeigt, dass eine Ansteckungsgefahr bei Depressionen existiert. „Das heißt, junge Leute, die Freunde mit Depressionen haben, laufen Gefahr, selbst auch schneller depressive Symptome zu entwickeln“, weiß Bastin.

Wichtig ist deshalb, den Fokus vom Gespräch auf den Ratschlag zu verlegen. „Versuchen Sie zu vermeiden, dass sich das Gespräch ständig um Negatives dreht. Sonst bekommen Sie nämlich keinen Einblick in das Problem und kommen damit überdies keinen Schritt weiter.“

Und suchen Sie sich natürlich auch professionelle Hilfe!