Analyse von belgischen Fluggastdaten: Fast 100 Terrorverdächtige konnten identifiziert werden

In diesem Jahr konnte nach  Analyse von Millionen Fluggastdaten der  belgischen Flughäfen bereits 94 terrorverdächtige Passagiere abgefangen werden. Es handelt sich um Personen, die entweder unter Terrorverdacht stehen oder als radikalisiert eingestuft werden.

Das berichtet die Zeitung „Het Laatste Nieuws“ unter Berufung auf das Brüsseler Krisenzentrum in ihrer Wochenendausgabe. Die verdächtigen Personen hatten alle einen Flug über einen belgischen Flughafen gebucht.

Im vergangenen Jahr hatte das Krisenzentrum die sogenannte „Passenger Information Unit“ eingerichtet. Ziel ist es, die Daten aller Flugpassagiere zu analysieren. Mittlerweile werden 70 Prozent der Daten kontrolliert. Dabei wird geprüft, ob die Namen der Personen im Zusammenhang mit schweren Straftaten auftauchen.

In Zukunft sollen auch die Daten von Bahn- und Busreisenden überprüft werden.

„Passenger Information Unit“

"Wir erhalten die Daten 48 Stunden vor dem geplanten Abflug, was uns auch etwas Zeit gibt, uns auf eine Reihe von Dingen vorzubereiten", sagt der Direktor der „Passenger Information Unit“  Gunter Ceuppens. "Die Daten werden dann mit der Liste polizeilich gesuchter Personen verglichen. Bei einem Treffer, werden die Daten von unserem Team weiter analysiert und dann  an den jeweiligen Flughafen weitergeleitet, wo diese Person landet oder abfliegt."

Es ist beabsichtigt, dass schlussendlich  alle Fluggäste kontrolliert werden. 

Die „Passenger Information Unit“  gehört zum Krisenzentrum in unserem Land. Die Einheit wurde Anfang letzten Jahres eingerichtet. Ein Team von fast 40 Personen ist dort beschäftigt. Es handelt sich hierbei um Experten von Polizei, Zoll, Staatssicherheit und militärischem Nachrichtendienst. Inzwischen haben sie schon mehr als 26 Millionen Fluggastdaten analysiert. Das sind etwa 70 Prozent der Daten aller Fluggäste in unserem Land, also  Menschen, die über einen belgischen Flughafen abfliegen oder landen oder einen Zwischenstopp in unserem Land einlegen. Zum Vergleich: Im Vorjahr wurden im gleichen Zeitraum nur etwa 33% der Fluggäste überprüft. "Es ist beabsichtigt, dass schlussendlich  alle Fluggäste kontrolliert werden. Aber auch auf die Passagierdaten von Bahn- und Busunternehmen wollen wir in Zukunft zugreifen", sagte Belgiens christdemokratischer Innenminister Pieter De Crem.

Datenschutz

Bevor Sie beginnen, sich Sorgen über Ihre Privatsphäre zu machen: Nicht jeder Fluggast wird im Detail überprüft. "Ich kann alle Reisenden beruhigen. Die Daten, die die Fluggesellschaften an uns weiterleiten, sind geschützt", so Minister De Crem. "Viele Datenschutzmaßnahmen wurden in unsere Systeme integriert", ergänzt Direktor Ceuppens. "Es ist nicht so, dass wir auf dem Bildschirm sehen können, wer heute in Belgien eingetroffen oder abgereist ist. Wir haben nur Zugriff auf die relevanten Daten. Wir können nicht einfach die Daten von egal wem nachschlagen. Hierfür gibt es strenge Verfahren, die beispielsweise ein Staatsanwalt oder ein Ermittlungsrichter anordnen muss." Die relevanten Daten, die von den Experten der Einheit eingesehen werden, betreffen nur Verdächtige und Verurteilte. "Dies betrifft nur Personen, die wegen eines schweren Verbrechens verurteilt wurden. Es wird für alle anderen Menschen sicherer sein, in Belgien zu reisen", stellt Minister De Crem klar.

Terroristen, Menschenhändler und Kinderentführer

Das System konzentriert sich auf Schwerverbrecher: Terroristen, Menschenhändler oder Kinderentführer. Wenn das System einen Verdächtigen erkennt, wird dies der Polizei gemeldet. Die Polizei prüft dann, wie die Person abgefangen werden kann. Da die Daten zwei Tage im Voraus weitergegeben werden, kann die Person auch zu Hause festgenommen werden. Die Tatsache, dass jemand erst in letzter Minute verhaftet wird, z.B. beim Einsteigen in ein Flugzeug, ist eine Seltenheit.

Es ist nicht so, dass wir auf dem Bildschirm sehen können, wer heute in Belgien eingetroffen oder abgereist ist. 

Seit Anfang dieses Jahres wurden dank der Analyse der Passagierdaten bereits Hunderte von Personen, die wegen schwerer Verbrechen gesucht wurden, abgefangen. Dazu gehören 94 Männer und Frauen, die des Terrors oder der Radikalisierung verdächtigt wurden.  Aber auch 120 Personen in Menschenhandelsfällen. Darüber hinaus konnte die Einheit auch 7-mal verhindern, dass ein Elternteil sein Kind ohne Mitwissen des anderen Elternteils ins Ausland entführen konnte.

Sabine Joosten