Sollen Manager öffentlicher Unternehmen wieder mehr verdienen dürfen?

Stefaan De Clerck (Foto), der Verwaltungsratsvorsitzende des Telekomkonzerns Proximus, der mehrheitlich dem belgischen Staat gehört, plädierte am Sonntagmittag in der VRT-Talkshow „De Zevende Dag“ (dt.: Der siebte Tag) für die Abschaffung der Deckelung der Managergehälter in Staatsunternehmen. Anlass hierzu war die Kündigung der Proximus-Chefin Dominique Leroy. Es sei schwierig einen neuen Manager zu finden, der mit einem Jahresgehalt von 650.000 Euro zufrieden sei.

Bisher dürfen in Belgien die Manager staatlicher Unternehmen wie Proximus oder BPost höchstens 650.000 Euro im Jahr verdienen. De Clerck stellte fest, dass Chefs von privaten Firmen mitunter sehr viel mehr verdienen. Deshalb sei es zunehmend schwierig, kompetente Führungskräfte für Unternehmen in öffentlicher Hand zu finden. Das Gehalt solle sich mehr am Profil des Bewerbers orientieren, so De Clerck.

Sowohl Proximus als auch BPost müssen einen neuen CEO suchen. Bei BPost scheidet Koen Van Gerven zum Februar auf eigenen Wunsch aus dem Unternehmen aus. Bei Proximus hat Dominique Leroy zum 1. Dezember gekündigt.

Laut Stefaan De Clerck sollte diese Gehaltsobergrenze nur noch als Referenz gelten, in Verhandlungen müsste aber eine gewisse Flexibilität möglich sein.  De Clerck bestätigte, über das Ausscheiden der Managerin schon Ende August informiert gewesen zu sein. Er habe schon immer gewusst hatte, dass Leroy ins Ausland gehen würde.

Sofort zurücktreten und Verdacht auf Insiderbörsengeschäft

In einem offenen Brief fordern die Gewerkschaften von Proximus Dominique Leroy unterdessen auf, sofort zurückzutreten, da sie mit potenziell sensiblen Informationen zum niederländischen Konkurrenten  KPN wechsele. Stefaan De Clerck sieht das anders. Er möchte, dass Dominique Leroy bis Ende November im Unternehmen bleibt, und die laufenden Sozialverhandlungen zur Reorganisation von Proximus weiterführt. Dabei sollen bis zu 1400 Arbeitsplätze abgebaut werden.

Im Hinblick auf mögliches Insiderwissen bei  einem Aktienverkauf durch Dominique Leroy wartet der Verwaltungsratsvorsitzende von Proximus die laufende Überprüfung durch die Börsenaufsicht ab.  De Clerck sieht vorläufig aber kein Problem bei dem Verkauf von Aktien für 285.000 Euro durch Leroy am 1. August. Die Börsenaufsicht muss prüfen, ob sie hierbei kursrelevante Informationen, die nur sie als Managerin kannte, genutzt hat, um an der Börse einen Gewinn zu erzielen.