Belgiens Wirtschaftsverbände haben die Nase voll vom Brexit-Tauziehen

Die meisten Unternehmer in Belgien haben die Nase voll vom nicht enden wollenden Brexit-Tauziehen. Dies stellen sowohl die flämische Landesagentur „Flanderns Investment & Trade“, als auch der belgische Unternehmerverband VBO fest. Zeitgleich wächst auch die Sorge in Sachen Export in Richtung Großbritannien. Hier haben vor allem flämische Unternehmen viel zu verlieren, auch wenn die Briten angeblich Lebensmittel und Getränke aus Belgien horten, weil sie Versorgungsengpässe fürchten. 

Seit mehr als drei Jahren ist jetzt undeutlich wann und in welcher Form Großbritannien die Europäische Union verlässt. Auch jetzt wieder steht die Deadline 31. Oktober zur Diskussion. Das wirft hierzulande Fragen auf und man beginnt, sich zu ärgern. „Das gesamte Verfahren im Vereinigten Königreich zum EU-Austritt dauert schon arg lange. Die meisten Unternehmer sind es inzwischen müde, immer neue Verschiebungen des Brexit-Datums hinnehmen zu müssen. Sie können den Vorgängen nicht mehr folgen und haken ab“, so Claire Tillekaerts, CEO von „Flanders Investment & Trade“.

Die sieht inzwischen auch Pieter Timmermans, Vorstandsvorsitzender des belgischen Unternehmerverbands VBO: „Die Unternehmer haben diese politischen Spielchen inzwischen langsam satt. Die Stimmung ist gereizt und unsicher und diese Unsicherheit ist etwas, was die Unternehmern absolut nicht brauchen können.“

Inzwischen stellen beide Verbände fest, dass die Unternehmer inzwischen wieder viele Fragen haben. Es herrsche so kurz vor dem  31. Oktober wieder eine Art „5-vor-12-Stimmung“. Diese Stimmung werde auch von der Tatsache unterstrichen, dass die Exportzahlen in Richtung britische Inseln wieder sinken. Es ist seit langem hinlänglich bekannt, dass der Brexit in Belgien Jobs kosten wird, viele Jobs. 

Vor allem in Flandern sind Jobs in Gefahr

Erst vor Kurzem berechnete die Universität Löwen (KU Leuven), dass in Belgien bei einem harten Brexit bis zu 42.000 Arbeitsplätze in Gefahr seien und 28.000 davon befinden sich im belgischen Bundesland Flandern. Besonders betroffen seien hier die Lebensmittelindustrie und der Textilbereich. Noch 2018 exportierte Flandern Waren und Güter in Höhe von 27,1 Mia. € nach Großbritannien. Das entspricht einem Rückgang um 2,8 % nach einem stagnierenden Jahr 2017. Davor gab es in den letzten Jahren nur steigende Ausfuhrwerte…

Auch die ersten bekannten Resultate des laufenden Jahres 2019 sind nicht gerade rosig: In den ersten 5 Monaten des Jahres lag der Export auf die britischen Inseln etwa 700 Mio. € niedriger als im gleichen Vorjahreszeitraum. Das entspricht einer Quote von 5,9 %. Jetzt rasseln vor allem die Exportzahlen in den Bereichen Automobilindustrie und Pharmasektor in den Keller. Doch offenbar zeigt sich gerade eine Ausnahme.

Der Verband der Agrarlebensmittelindustrie FEVIA hat laut Medienberichten festgestellt, dass der Export von Lebensmitteln und Getränken aus Belgien nach Großbritannien innerhalb eines Jahres um 16,2 % angestiegen ist. Die Briten horten wohl derzeit solche Artikel aus Belgien, weil sie Angst vor einer knappen Versorgung im Zuge eines No-Deal-Brexit haben.