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Wohin mit dem Atommüll von Tihange? Auch das Lager von Dessel ist voll

Am Kernkraftwerk von Tihange bei Lüttich wird die Lagerung von neu entstehendem Atommüll zu einem ernsten Problem. Nach Medieninformationen könnte sich die wallonische Regionalregierung weigern, eine Genehmigung für den Bau einer neuen Halle zur Lagerung von nuklearem Strahlenabfall zu erteilen. Tihange benötigt dringend zusätzliche Lagermöglichkeiten für Strahlenabfälle bzw. für verbrauchte Brennstäbe. 

Neue Lagerungsmöglichkeiten würden es erlauben, solche Materialien bis zu 80 Jahre provisorisch aufbewahren zu können. Inzwischen sind auch die Lager für schwach radioaktive Abfälle z.B. aus der Medizin in Dessel (Prov. Antwerpen) voll.

Seit Anfang dieses Jahres ist die Lagerung von Strahlenabfällen aus Tihange ein Streitthema bei den wallonischen Regionalbehörden. Da die mit Wasser gefüllten Aufbewahrungsbecken für verbrauchte Brennstäbe im Bereich des Kernkraftwerks so gut wie voll sind, muss eine Alternative gefunden werden, diese andernorts zu lagern.

Eine neue Entwicklung der Trockenlagerung von verbrauchten Brennstäben, wie sie von Engie Electrabel, dem Betreiber der belgischen Atomkraftwerke vorgeschlagen wird, verlangt neue  Lagerkapazitäten, doch entsprechende Gebäude müssen erst noch gebaut werden. Solche Lagergebäude müssen allerdings erdbebensicher sein und einem Aufprall eines abstürzenden  Flugzeug standhalten können.

Engie hatte neun Kommunen in der Provinz Lüttich in der Nähe von Tihange als Standort für solche Lagerhallen vorgeschlagen, doch nirgendwo stoßen diese Ideen auf Gegenliebe. Hinzu kommt noch, dass die wallonische Raumordnungsbehörde solchen Hallen ein negatives Gutachten ausstellt, wie auch Bundesenergieministerin Marie-Christine Marghem (MR) mitgeteilt wurde. Die Ministerin steht vor einem Dilemma, denn sie muss bis Ende September eine Entscheidung treffen, wie ein entsprechendes Dekret vorschreibt, was dann greift, wenn es bei der Lagerung von Atommüll zu Engpässen kommt. 

Probleme: Hier vorprogrammiert, dort schon jetzt akut

Doch was passiert, wenn Entscheidungen, die in dieser Hinsicht auf Bundesebene gefällt werden, regional und kommunal auf Gegenwehr treffen? Finden die Betreiber des Kernkraftwerks von Tihange keine Lagermöglichkeiten für neuanfallenden Strahlenabfall, wird die Stromproduktion darunter leiden.

Nicht nur in Tihange gibt es Probleme mit Atommüll. Inzwischen sind auch die in Bunkern befindlichen Lagerstätten für leicht radioaktive Strahlenabfälle, z.B. aus der Nuklearmedizin, voll. Auch im Atommülllager von Dessel in der Provinz Antwerpen wartet man auf eine definitive Lagerungsstätte. Eigentlich hätte dieses Lager bis 2017 fertiggestellt werden müssen, doch noch immer steht eine entsprechende Genehmigung aus.

Die belgische Bundesagentur für Nuklearkontrolle (FANC) sieht einige Probleme bei diesem Bauvorhaben und gibt an, dass ein entsprechendes neues und definitives Atommüll-Endlager erst gegen 2024 betriebsbereit sein kann. Belgoprocess, das belgische Unternehmen, dass für die Lagerung und die Sicherung von Strahlenabfällen zuständig ist, baut bis Ende 2020 für rund 7 Mio. € ein weiteres provisorisches Lager. Bis dahin muss weiter improvisiert werden.