Betrug mit Bitcoinanlage-Seiten: Mal eben 25.000 Euro verloren

Seit dem Start einer Kampagne im vergangenen Jahr, die vor Betrug mit Kryptomünzen warnt, ist die Zahl der Meldungen deutlich gestiegen. Verbraucherminister Wouter Beke: "Zum Start der Kampagne wussten wir, dass nur ein kleiner Teil der Opfer von Betrugsfällen tatsächlich darüber berichtet. Mit unserer Kampagne hatten wir ein doppeltes Ziel: zum einen, das Bewusstsein zu schärfen, damit die Menschen Betrug erkennen, und zum anderen, die Opfer zu ermutigen, ihn zu melden. Den Betrug gemeldet hat auch Anja. Sie wurde mit ihrem Sohn Bryce um 25.000 Euro betrogen.

„Je mehr Opfer berichten, desto besser können wir das Problem erkennen", heißt es in einer Pressemitteilung des Ministers für Arbeit, Wirtschaft und Verbraucherschutz, Wouter Beke. Zum Start der Kampagne https://temooiomwaartezijn.be/ im Mai 2018 erhielt die Hotline jeden Monat rund 45 Betrugsmeldungen in Zusammenhang mit Kryptomünzen. Inzwischen sind es bereits durchschnittlich 235 Meldungen pro Monat. Den Verbrauchern fällt es leichter, den Weg zur Hotline zu finden, aber gleichzeitig gehen Betrüger auch immer schlauer vor und in größerem Umfang.

Nach einer Reportage der VRT über Betrug mit gefälschten Werbeanzeigen, die das Gesicht und den Namen flämischer Prominenter missbrauchen, erhielt auch die VRT-Redaktion verschiedene Berichte über Menschen, die auf Betrug mit Kryptomünzen hereingefallen sind. So die Geschichte von Anja und ihrem Sohn Bryce. Sie wurden um 25.000 Euro betrogen und haben eine Anzeige bei der Polizei erstattet.

Anja und ihr Sohn werden um 25.000 Euro 'erleichtert'

Anja Vankrunkelsven blättert Ende August auf Facebook durch ihre Timeline, als sie plötzlich auf eine Äußerung des bekannten Komikers Philippe Geubels stößt. Er spricht von einem schnellen Weg, reich zu werden. Das macht Anja neugierig und sie klickt auf die Anzeige.

Anja landet auf der Webseite von Bitcoin Future und füllt das Anmeldeformular aus: "Fünf Minuten später klingelt das Telefon", erzählt Anja. "Es ist ein gewisser Bryant Smith. Er sagte mir, dass er für die TDS Capital Group arbeite. Sein Unternehmen soll ein System entwickelt haben, mit dem man mit Bitcoin (einer digitalen Währung, Red.!) Geld verdienen kann, selbst wenn der Wechselkurs fällt. Ich habe fast vier Stunden lang mit ihnen gesprochen."

"Wir haben vereinbart, dass ich einen ersten Betrag von 250 Euro überweise. Da ich den Betrag nicht überweisen konnte, bekam ich erneut einen Anruf. Der Mann auf der anderen Seite des Telefons schlug vor, gemeinsam eine Banküberweisung zu tätigen.

Da alles korrekt zu verlaufen schien, vertraute Anja dem Mann. Mit dem Programm Anydesk, mit dem man aus der Ferne einen Computer "übernehmen" bzw. steuern kann, ermöglicht Anja dem Mann auf der anderen Seite der Telefonleitung, ihr zu helfen, eine Banküberweisung durchzuführen. "Er würde mir helfen, mein Bankkonto mit der TDS Capital Group zu verbinden, damit ich meine Gewinne problemlos abheben könne. Doch sie baten mich, alle möglichen Dinge auf meinem Computer zu tun, die mir nicht gelangen. Dann stimmte ich zu, dass sie meinen Computer fernbedienen können."

"Nach dem Gespräch habe ich den Abwasch erledigt. Unterdessen haben sie 12.000 Euro von meinem Konto, 8.000 Euro von dem Konto meines Sohnes und über 5.000 Euro von einem Gemeinschaftskonto überwiesen. Jemand rief zurück und sagte mir, ich solle die Zahlung mit meinem Homebanking-Gerät unterschreiben."

"Ich habe diese Zahlung unterschrieben und dachte immer noch, dass ich 250 Euro überweisen würde. Jetzt stellt sich heraus, dass es 25.000 Euro waren. Sie haben also zwei Nullen hinzugefügt. Auf meinem Bankkonto sehe ich, dass die Zahlung auf ein irisches Bankkonto überwiesen wurde."

Das Geld ist meistens weg

Anja und ihr Sohn haben eine Kampagne im Internet gestartet, um Geld zu sammeln, damit sie ihr Sparschwein wieder auffüllen können. "Ich hoffe jedoch, dass wir einen Teil unserer Ersparnisse zurückerhalten", so Anja. "Der Traum meines Sohnes ist es, allein zu leben, und dafür brauchte er dieses Geld."

Laut FSMA, der Finanzmarktaufsicht Belgien, ist es nicht selbstverständlich, dass Menschen wie Anja, die Opfer von Anlagebetrug geworden sind, ihr Geld zurückbekommen werden. Die Institution verfügt über schwarze Listen mit den Namen von Unternehmen, die für solche Praktiken bekannt sind. Die FSMA empfiehlt Menschen, die investieren wollen, sich vorab mit ihnen in Verbindung zu setzen, um spätere Probleme zu vermeiden.

Opfer von Online-Betrug können beim FSMA und bei der Polizei Beschwerde einreichen. Es ist auch möglich, eine Beschwerde über "zu schön, um wahr zu sein" zu melden. Ein Tipp: Bleiben Sie stets ruhig, wenn Betrüger Druck auf Sie ausüben wollen, damit Sie irgendwelche Käufe oder Transaktionen tätigen. Es ist eine bekannte Taktik.