WHO: "Falsche Informationen über Impfstoffe sind so ansteckend und gefährlich wie die Krankheiten selbst"

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kämpft gegen Desinformationen über Impfstoffe im Internet. Diese Falschmeldungen - zum Beispiel auf Facebook - "sind so ansteckend und gefährlich wie die Krankheiten selbst, zu deren Verbreitung sie beitragen", sagte Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO, auf dem weltweit ersten Globalen Impfgipfel in Brüssel. An dem Gipfel nahmen auch der Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, mehrere Gesundheitsminister, darunter die Belgierinnen Maggie De Block und Königin Mathilde, teil.

Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus läutete in seiner Eröffnungsrede Alarm: "Die Desinformation über Impfungen hat sich in den entwickelten Ländern Europas, der USA, Kanadas und anderer Länder verbreitet, aber auch in weniger entwickelten Ländern wie Pakistan und dem Kongo, was den Kampf gegen Polio und Ebola gefährdet. Die jüngsten Ankündigungen von Pinterest und Facebook, dass sie die Nutzer zu genauen und zuverlässigen Informationen über Impfstoffe führen würden, sind sehr willkommen und ein guter Anfang. Es muss noch mehr getan werden."

Ein Facebook-Vertreter, Jason Hirch, der Public Policy Manager des Unternehmens, nahm am Gipfel im Charlemagne-Gebäude im Europaviertel in Brüssel teil. Bei einer Podiumsdiskussion erzählte er, was Facebook tut, um Falschmeldungen über Impfungen zu verhindern. "Wir nehmen das sehr ernst. Wenn wir zum Beispiel auf eine Falschmeldung stoßen, die besagt, dass Impfstoffe Autismus verursachen, gehen wir dagegen vor. Im Falle wiederholter Nachrichten in dieser Hinsicht werden wir Maßnahmen gegen die Facebook-Gruppe oder -Seite ergreifen, auf der diese Nachrichten veröffentlicht wurden. Die Seite wird dann nicht die erste Seite sein, die in den Suchergebnissen von Facebook erscheint. Wir werden die Inhalte nicht den Facebook-Nutzern vorschlagen und Werbung von Anti-Impfstoff-Bewegungen ablehnen."

Auf der einen Seite Maßnahmen gegen Falschinformationen und auf der anderen Seite die Förderung korrekter Informationen: das scheint das Ziel der Social-Network-Seite zu sein. Weiter betonte Hirch: "Wir wollen zuverlässige Informationen über Impfungen hervorheben. Wir wollen den Menschen qualitativ hochwertige Informationen bieten, indem wir auf die Webseiten der Weltgesundheitsorganisation verlinken." In der gleichen Podiumsdiskussion sprach die belgische liberale Gesundheitsministerin Maggie De Block (Open VLD) über den Zugang zu Impfstoffen in Belgien. "Bei uns gibt es einen guten Zugang und eine gute Rückerstattung", sagte sie in einem Interview mit der Presseagentur Belga. Das sei wichtig, denn Impfstoffe retteten jede Minute fünf Leben. Doch registriere man auch im französischsprachigen Belgien und in Brüssel einen Ausbruch von Masern bei Menschen, die ihre Kinder nicht impfen und dagegen müsse man ankämpfen.

Der Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, stimmte ihr zu. "Hier riskieren Menschen ihr Leben und das anderer, indem sie Impfstoffe ablehnen. Einige Leute spielen nicht das Spiel der Prävention und spielen mit dem Feuer".

Dank Impfungen werden bereits jährlich zwei bis drei Millionen Menschenleben gerettet, weitere 1,5 Millionen Todesfälle könnten durch eine höhere globale Durchimpfungsrate verhindert werden“, erklärte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker auch noch.

„Die Kommission wird weiterhin die nationalen Anstrengungen der EU-Mitgliedstaaten unterstützen und mit ihren Partnern, die heute nach Brüssel gekommen sind, zusammenarbeiten. Wir müssen diese globale Bedrohung gemeinsam bewältigen, und zwar jetzt", fuhr er fort.

In den ärmeren Ländern fehlt es jedoch an Impfstoffen. Der Weltgesundheitsdirektor Ghebreyesus hob deshalb hervor: "Jedes zehnte heute geborene Kind erhält keine Grundimpfungen.“ Die Lösung dieses Problems müsse nach Ansicht des Generaldirektors der WHO in "politischem Engagement, Innovation, Zusammenarbeit und Investitionen" bestehen.