Carlsen Verlag by Mari Boman

Flix mal eben schnell nach Brüssel!

Mit einem sehr positiven Ergebnis endete das Comic-Festival am vergangenen Sonntag. Mehr als 100.000 Menschen kamen zum Festival in den Park von Brüssel. Es sei eine neue Bestätigung der wesentlichen Rolle Brüssels in der internationalen neunten Kunst, hieß es von Seiten der Veranstalter. Auch der bekannte deutsche Comiczeichner, Flix, war aus diesem Anlass am 13. und 14. September in der belgischen Hauptstadt. Er hatte den ersten deutschen Spirou-Comic, „Spirou in Berlin“ gemacht, der 2018 im Carlsen-Verlag erschien. Im Oktober 2019 bringt ihn der belgische Comicverlag Dupuis auf Französisch heraus.

“Ich weiß, dass man in Belgien viel mehr im Team arbeitet. Der Beruf des Texters spielt hier eine viel größere Rolle. Das haben wir in Deutschland fast nicht. Dort gibt es eine Handvoll Leute, die arbeiten irgendwie zusammen, aber in der Regel schreiben und zeichnen die Leute in Personalunion. Ich glaube, das hat damit zu tun, dass man einfach weniger verdient und dann den Verdienst nicht teilen kann, sonst reicht es halt gar nicht mehr“, sagt der mehrfach ausgezeichnete deutsche Comiczeichner Flix (ICOM - Independent Comic Preis, Max-und-Moritz-Preis, Peng! – Der Münchner Comicpreis, Rudolph-Dirks-Award) vor Beginn des Comic-Festivals in Brüssel gegenüber unserem Sender VRT. Botschafter Martin Kotthaus ist selbst ein großer Comic-Fan und hatte Flix zu einem Gespräch vorab in die Brüsseler Botschaft eingeladen.

Ernähren könne sich der deutsche Karikaturist im Gegensatz zu manchen anderen seiner deutschen Kollegen aber schon vom Verkauf seiner Bücher, erzählt Flix. Deutschland hat einige bekannte Comic-Zeichner wie Ralf König, Flix oder Reinhard Kleist, die von ihren Werken leben könnten. Das sei nicht mehr unmöglich, heißt es beim Carlsen-Verlag. Flix  hat allerdings auch jede Menge Comic-Bücher gemacht, die sich hervorragend verkaufen lassen. So habe „Spirou in Berlin“ im letzten Jahr sehr gute Verkaufszahlen erzielt. Es war der mit am besten verkaufte deutsche Comic.

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VRT/UNe

Schon mit 22 hat Flix seinen ersten professionellen Comic herausgebracht. „Ich habe angefangen, selber meine Comics zu schreiben, weil ich einfach niemanden gefunden habe, der mir Geschichten schreibt. Deshalb muss ich das selber machen“, erklärt der Erfolgszeichner (Held, Heldentage, Verflixt, Who the fuck is Faust?), der in Münster geboren ist, in Saarbrücken und Barcelona studiert hat und heute mit seiner Familie in Berlin lebt. „Das war so aus der Not heraus geboren. Inzwischen gibt es schon Projekte, die ich mit Kollegen zusammen mache, also bei denen ich dann entweder der Zeichner oder der Texter bin. Doch ich merke, das beste Ergebnis erziele ich, wenn ich beides in der Hand habe und selber zeichnen und texten kann.“ „Weil ich einfach beim Schreiben das Bild wieder ändern kann oder wenn ich das Bild habe, den Text nochmal umschreiben darf. Von mir selber kann ich das verlangen, aber von einem Kollegen wohl kaum.“

„Ich bringe Geschichten zu den Leuten“, betont Flix, der mit bürgerlichem Namen Felix Görmann heißt. „Ich liebe es Comics zu schaffen, die gelesen werden. Ich will Geschichten für die Leser machen, also Geschichten, die leicht zugänglich sind. Das ist meine Verbindung zu der belgischen oder französischen Art, Comics zu produzieren.“ Als die Idee entstanden sei, einen Spirou herauszubringen, der in Deutschland spielt, habe er deshalb direkt zugesagt, so Flix. „Ich hatte keine Ahnung, wie ich das machen sollte, denn es ist ziemlich komplex, eine Geschichte zu erzählen, die im Spirou-Universum funktioniert und die gleichzeitig etwas über ein echtes historisches Ereignis berichtet, das noch dazu im westlichen Teil in Deutschland und im östlichen Teil und in Frankreich verstanden werden kann. Es ist nicht einfach, so etwas zu schreiben."

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Goethe-Institut Brüssel

Spirou in Berlin

Und warum ausgerechnet Spirou (NL: Robbedoes) nach Berlin bringen?, lautet eine Frage beim Pressefrühstück mit dem Kultautor in der Botschaft. Der Carlsen-Verlag, mit dem Flix schon sehr lange zusammenarbeitet und der belgische Comicverlag Dupuis, der vor allem mit dem Comicmagazin Spirou bekannt wurde, hätten sich die Frage gestellt, wo Spirou noch nicht gewesen sei. Und das war eigentlich in Deutschland, erklärt Flix. Für viele Leute sei Deutschland einfach Berlin. ‘Spirou in Berlin‘ ist ein toller Titel. Doch da hatten wir noch keine Idee davon, welche Geschichte das werden sollte. Es war dann mein Job, diese zu füllen.“

In Spirou in Berlin versetzt Flix die Figuren in das Ostberlin der 1980er-Jahre. „Ich überlegte mir, aus welcher Zeit in Berlin ich erzählen könnte. Spirou feierte (2018, Red.!) 80sten, also kann man ab 1938 bis heute jedes Jahr nehmen. (…) Der zweite Weltkrieg wäre natürlich ideal hierfür, aber die Geschichte ist zu komplex, um sie in 48 Bildern darzustellen. Die Idee war ja, einen Band herauszugeben“, so Flix. „Doch was passierte in diesen Jahren, was nicht nur für Deutschland, sondern für ganz Europa Relevanz gehabt hat? Das waren die Zeiten der DDR und das Ende der DDR. Der Mauerfall. Das war ein guter Moment, der aus Deutschland kam, für Europa, für die Leute in Ost und West. Und ich wollte eine gute Story, eine glückliche Geschichte mit Happy End erzählen.“

„Spirou bringt eine Art Menschlichkeit und Frieden mit. Er ist klug. Wir hatten eine friedliche Revolution und wenn er uns daran erinnern kann, friedlich zu bleiben, dann ist das ein sehr wichtiger Charakter in diesem historischen Kontext.“

Flix ist selber ein großer Fan von Spirou und mit „Spirou in Berlin“ hatte er gleichzeitig die Jubiläumsausgabe zu Spirous 80. Geburtstag zeichnen dürfen. Im Oktober 2019 wird nun „Spirou in Berlin“ beim Dupuis-Verlag auf Französisch erscheinen. „Doch Sie müssen nichts über die deutsche Geschichte wissen, um diese Story zu verstehen, denn obwohl natürlich auch Erwachsene Spirou lesen, ist das immer noch Comic für junge Leute“, fügt der Karikaturist hinzu.

Und so sah das Goethe-Institut Brüssel in der 10. Ausgabe des Comic-Festivals und anlässlich der anstehenden Veröffentlichung des Bandes auf Französisch eine gute Gelegenheit, den deutschen Cartoonisten Flix einmal dem belgischen (und internationalen Publikum) in Brüssel vorzustellen.

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Goethe-Institut Brüssel

Eine ganze Generation ist den Comics in Deutschland verloren gegangen"

Über Auflagen, spricht man beim Hamburger Carlsen-Verlag übrigens nicht gerne. In Deutschland sind die Auflagen für Comics im Allgemeinen nämlich viel geringer als in Belgien und Frankreich. Warum Comics in Belgien und Frankreich einen so großen Markt haben und in Deutschland immer noch einen schwierigeren Stand, darüber kann Flix nur spekulieren: „Ich denke, dass das ein historisches Problem ist. Mein Vater sagte mir, dass er, als er ein kleiner Junge war, Comics gelesen habe. Doch eines Tages hätten die Lehrer alle Comics von den Schülern eingesammelt und sie gegen ‘echte Bücher‘ eingetauscht. Sie haben die Comicbücher in der Öffentlichkeit verbannt. Das war Mitte der 60er Jahre in Paderborn.“

Diese öffentliche ‘Verbrennung‘, wie Flix sie nennt,  habe sich ins Gedächtnis der Kinder eingeprägt. „Selbst, wenn Du das magst, hast Du das Gefühl, es ist nicht richtig, das zu lesen.“ Eine ganze Generation sei der  Comicwelt dadurch verlorengegangen.

Flix, ganz schön fix in den sozialen Medien

„Wir sind die erste Generation, die keine Probleme hat, ihren Kindern Comics zum Lesen zu geben“, so Flix (*1976) weiter. Auch er hat Kinder, denen er natürlich Comics zum Lesen gebe. Und inzwischen haben auch die neuen und sozialen Medien Flix das Leben als Comiczeichner etwas leichter gemacht: „Ich nutze sie gerne, hauptsächlich um mich verlagsunabhängig zu machen. Klar, die Bücher erscheinen bei einem Verlag, aber die Ankündigung der Veröffentlichung oder die Tatsache, dass ich mit Lesern in Kontakt trete, das mache ich natürlich alles über die sozialen Netzwerke. Und das ist super, weil ich dann weiß, wenn ich etwas ankündige, egal, wo es erscheint, ich schon mal soundso viele Leute habe, die das kaufen werden. Das ist eine Basis, die ich mir über die Jahre geschaffen habe und das ist gut.“

visit.brussels Eric Danhier

Auf dem Comicfestival in Brüssel waren mehr als 100 Ausstellungsstände und fast 300 Autoren und Zeichner vertreten, unter ihnen auch der deutsche Comiczeichner Flix.

visit.brussels Eric Danhier