INEOS darf am Antwerpener Hafen 55 Hektar Wald abholzen

Die Stadt Antwerpen genehmigt die Abholzung von 55 Hektar Wald auf dem Gebiet des Hafens. Trotz rund 400 eingegangener Beschwerden stellt die Stadt dem britischen Chemiegiganten INEOS ein positives Gutachten für die Abholzung, auch wenn bis dato nicht wirklich deutlich ist, ob gerade dort ein neues Werk entstehen wird.

Das INEOS Anfang des Jahres angekündigt hatte, zwei neue Produktionsstätten im Antwerpener Hafen zu bauen, wurde seinerzeit deutlich begrüßt, waren diese Planungen doch auch mit der Schaffung von neuen Arbeitsplätzen verbunden. Hunderte Jobs und eine Investition von 2,7 Mia. € sprachen für sich. Dies ist die größte Investition im Bereich des Chemiesektors in Antwerpen seit rund 20 Jahren.

Doch rasch regte sich Protest, denn es wurde bekannt, dass INEOS dort Plastikteilchen herstellen soll, die als Rohstoffe in der Kunststoffproduktion verwendet werden. Die dazu benötigte Energie soll zudem aus umstrittenem Schiefergas kommen, ein Gas, dass durch mit Hochdruck gepressten Chemikalien aus tonerdiger Masse tief im Boden gewonnen wird.

Überdies sollen im Zuge des Anlagenbaus 55 Hektar Wald gefällt werden, auch wenn nicht wirklich klar ist, ob genau dort auch ein Werk entstehen soll. Dieser Wald ist allerdings ein junger Wald, der aus einem Aufforstungsplan kommt, der zur Kompensierung von anderen Rodungen in Flandern entstanden ist. Die flämische Naturschutzbehörde Natuurpunt erhielt von INEOS bereits einen Zuschuss für andere Projekte, auch wenn die Behörde ebenfalls gegen die jetzt geplante Rodung Beschwerde eingelegt hat. Insgesamt gingen rund 400 Beschwerden gegen das Vorhaben ein, doch die Stadt Antwerpen gab ein positives Gutachten für das Fällen ab. 

Die Stadt verhält sich wie ein Laufjunge von INEOS. Normalerweise muss man laut EU-Regelwerk ein solches Projekt in seine gesamten Umfang begutachten lassen, bevor man eine Genehmigung erteilt."

Wouter Van Besien (Groen)

Jetzt liegt die Entscheidung bei der Provinz Antwerpen. Die flämischen Grünen (Groen), die in der Stadt Antwerpen in der Opposition sitzen, sind mit dem Lauf der Dinge nicht einverstanden. Der Grünen-Politiker Wouter Van Besien sagte dazu gegenüber dem VRT-Regionalsender Radio 2 Antwerpen: „Die Stadtverwaltung verhält sich wie ein Laufjunge von INEOS. Normalerweise muss man laut EU-Regelwerk ein solches Projekt in seine gesamten Umfang begutachten lassen, bevor man eine Genehmigung erteilt. Das macht INEOS bewusst nicht. Sie haben zwei Anfragen eingereicht: Eine, um den Wald zu roden und eine für die Unternehmensaktivitäten.“

INEOS suche einen unkomplizierten Weg, um den Wald loszuwerden und die Stadt hilft ganz einfach dabei, so Van Besien weiter. Die Antwerpener Grünen und alle anderen Beschwerdeführer gehen davon aus, dass der 55 Hektar große Wald gefällt wird, ohne dass dort wirklich gebaut wird. Dabei erinnern sie an einen Vorgang um ein ähnliches Waldgebiet in der Nachbarschaft des Transportunternehmens Essers aus der Provinz Limburg. Jahrelang wurde um die Abholzung gestritten, doch die Genehmigung wurde erteilt. Heute befindet sich dort keine Logistikhalle von Essers, sondern ein Parkplatz…