Interessanter Trend: In Flandern wird wieder mehr Zeitung gelesen

Laut einer Umfrage des Zentrums für Medieninformation (CIM) unter 10.000 Belgiern wird im belgischen Bundesland Flandern wieder mehr Zeitung gelesen. Die flämischen Tageszeitungen erreichen gemeinsam rund 4 Millionen Leser, 15 % mehr als noch vor einem Jahr. Het Laatste Nieuws bleibt Flanderns meistgelesene Tageszeitung und Metro, die Gratiszeitung für die Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs (erscheint in Niederländisch und Französisch), ist belgienweit das am häufigsten gelesene Blatt.

Het Laatste Nieuws erreicht täglich 2.244.500 Leser, ein Anstieg um 11 % gegenüber 2018. Het Nieuwsblad wird täglich von 1.626.100 Lesern konsultiert (+9 %). Auch die Leserzahlen bei De Standaard, bei De Morgen und auch bei den regionalen Blättern Gazet van Antwerpen und Het Belang van Limburg sind innerhalb eines Jahres wieder deutlich angestiegen. Dies sind allerdings nicht die Verkaufszahlen der Zeitungen, sondern die Hochrechnung zu denen, die diese Blätter jeweils lesen.

Fast alle gekauften oder per Abonnement erworbenen Gazetten in Belgien (und auch anderswo) werden durchweg von mehreren Personen gelesen oder zumindest durchgeblättert. In diesen digitalen Zeiten, in denen man glaubt, alles nur noch im Internet finden zu können, vermag diese Entwicklung zu erstaunen, doch für Fachleute ist dieses Phänomen durchaus logisch, zumindest in Flandern. Schon in der Wallonie, dem französischsprachigen Landesteil Belgiens ist dies anders und auf den Britischen Inseln erst recht. 

Aufgeschreckt von Fake News auf der Suche nach der idealen Mischung.

Nach Ansicht von Medienprofessor Lieven De Marez von der Universität Gent (UGent) ist dies sowohl paradox, als auch irgendwie logisch: „Eben weil die neuen Medien immer mehr Anhänger haben, steigt auch die Popularität der klassischen Marken. Vor allem im vergangenen Jahr haben die Flamen neue digitale Gewohnheiten übernommen, doch das bedeutet auch, dass die Nachteile der modernen Kommunikation deutlicher werden.“

Und diese Nachteile haben es laut Professor De Marez durchaus in sich. Viele sind inzwischen von ihren Handys, I-Phones, Laptops oder Tablets abhängig. Dass die Operatoren die Privacy der User verletzten, ist inzwischen auch hinlänglich bekannt und nicht zuletzt, so der Medienbeobachter, werden wir nicht erst seit Trump, Boris Johnson oder den russischen Trollen mit Fake News überschüttet, die an Lügen, Brutalitäten und Klatsch bis hin ins tiefste Privatleben an nichts fehlen lassen. 

Nicht allem, was online erscheint, ist auch wirklich zu vertrauen.

Deshalb, so Lieven De Marez, haben die Flamen inzwischen verstanden, dass nicht allem, was online erscheint, auch zu vertrauen ist. Auch deshalb greifen wieder viele im belgischen Bundesland Flandern auf die klassischen Marken und Medien zurück, z.B. auf unser Haus, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk VRT mit seinen Online-, TV- und Radioangeboten.

Das betrifft auch die Webseiten der bisher in diesen Beitrag genannten Zeitungen und eben auch die altehrwürdige Tageszeitung auf Papier: „Doch alles in allem sucht der Nachrichtenkonsument immer mehr nach einem Mix aus verschiedenen Medien und bleibt nicht länger nur einer einzigen Zeitung treu.“