„Alle belgischen Kinder sind Pestiziden ausgesetzt", warnt eine Studie von Stiftung Warentest

Der belgische Verbraucherschutzverband ließ den Urin von 84 Kindern im Alter von 2 bis 15 Jahren aus allen Regionen des Landes auf Marker hin untersuchen, die eine noch nicht lange zurückliegende Exposition an zwei Insektizid-Familien aufzeigen. Das Ergebnis: Alle Urinproben enthalten Spuren von Pestiziden. Und „keine Dosis ist völlig frei von gesundheitlichen Risiken", warnt die Stiftung Warentest an diesem Donnerstag in einem Pressebericht.

Pyrethrinoide und Organophosphor-Insektizide standen im Mittelpunkt der Studie von Stiftung Warentest. Sie gehören zu den am häufigsten in der Landwirtschaft, der Industrie oder zu Hause eingesetzten Pestiziden. Ob durch Einnahme durch Verschlucken, Einatmen oder über den Hautkontakt, die Gefahr sei groß, dass wir ihnen ausgesetzt sind, heißt es bei Stiftung Warentest. Und Harnuntersuchungen an 84 jungen Belgiern bestätigen dies nun: 100% der getesteten Kinder waren diesen Pestiziden ausgesetzt.

Der neurotoxische Charakter dieser Pestizide ist mit großen Gesundheitsrisiken behaftet: neurologische Störungen, Krebsentwicklung, hormonelle Störungen, die Typ-2-Diabetes verursachen können, männliche Hypofertilität, frühe Pubertät bei Mädchen, etc. Diese Gefahren sind umso größer, als Kinder anfälliger für die möglichen Auswirkungen dieser giftigen Stoffe sind, da ihr Stoffwechsel noch nicht ausgereift ist und sie sich noch im Wachstum befinden.

"Das Prinzip der Toxikologie, das besagt, dass "es die Dosis ist, die das Gift ausmacht", gilt nicht für hormonaktive Stoffe. Wissenschaftler bestätigen heute, dass es keinen Schwellenwert gibt, unterhalb dessen ein Risiko der Toxizität ausgeschlossen sei. Noch wichtiger sei  aber die Dauer, die wir solchen Stoffen ausgesetzt sind, warnt die Stiftung Warentest und erinnert daran, dass "dringende Maßnahmen erforderlich sind, um die Exposition der Öffentlichkeit, vor allem der Kinder, gegenüber diesen giftigen Stoffen so weit wie möglich zu vermeiden."